Shopping-Scout

Im Einsatz als Einkaufshelferin

Dorothea Barth besorgt für Politiker, Geschäftsleute und Kulturschaffende Anzüge und Accessoires

Popdiva Beyoncé und ihr Ehemann, der Rapper Jay Z, haben es vorgemacht. Weil nach ihrem Berliner Konzertauftritt im Mai schon alle Geschäfte geschlossen hatten, organisierte das Paar nach Ladenschluss zwei Shopping-Berater und ließ sich für einen exklusiven Einkaufsbummel das Premium-Kaufhaus Galeries Lafayette an der Friedrichstraße aufschließen. Doch man muss kein Popstar mit dreistelliger Millionensumme auf dem Konto sein, um die Dienste eines „Personal Shoppers“, wie sich der Service auch nennt, in Anspruch nehmen zu können.

„Ich habe ganz viele Kunden in meiner Kartei, die einfach keine Lust oder keine Zeit haben, selbst einkaufen zu gehen oder die sich in Stilfragen unsicher sind“, sagt Shopping-Beraterin Dorothea Barth. Die einen schicken Barth nach einem persönlichen Vorgespräch vertrauensvoll allein los, die anderen lassen sich von ihr in ausgewählte Boutiquen begleiten. Menschen, die den Service nutzten, zahlten schon mal 100 Euro pro Stunde. Das sei, so Barth, in etwa der Betrag, mit der man in Berlin rechnen müsse. Je nach Aufwand könne die Summe nach oben wie nach unten differieren.

Zu Barths Kunden zählten jedoch durchaus nicht nur Gutverdiener. „Oft werden die Dienstleistungen eines Personal Shoppers auch als Gutschein verschenkt, etwa von der besten Freundin zum Geburtstag“, sagt sie. Seit 2010 bietet die Mode-, Stil- und Einkaufsberaterin ihre Dienste in Berlin an. „Vielen Deutschen kommt dieser Job reichlich exotisch vor, doch in New York oder London gehört das für viele Menschen längst zum Alltag“, sagt die 45-Jährige. Im Internet präsentieren mittlerweile immerhin ein gutes Dutzend Anbieter in Berlin diese ganz spezielle Dienstleistung.

Gelernte Schneiderin

Mit einer Ausbildung als Schneiderin und Bekleidungsingenieurin, mit langjähriger Erfahrung als Leiterin der technischen Produktentwicklung bei den Modefirmen René Lezard und Willy Bogner sei sie „einfach gut darin, das Preis-Leistungs-Verhältnis auszuloten“, sagt Barth. Und betont, dass es durchaus nicht immer Hermès oder Prada sein müssen. „Berliner Modelabel steuere ich genauso gern an, wenn es denn zum Stil des Kunden passt“, sagt sie. „Es gehe ja nicht darum, den Kunden zu verkleiden“, sagt sie. Sie würde jeder Frau dringend davon abraten, sich auf halsbrecherische High Heels zu begeben, und jedem Mann, sich mit einer Krawatte zu zieren, „wenn man sich mit diesen Accessoires unwohl und unsicher fühlt“. Zudem ließen sich Edelmarken oft auch hervorragend mit Massenware kombinieren: Ein schulterfreies Etuikleid von Joop! könne beispielsweise bestens mit einer Strickjacke von H&M getragen werden. Die nächtlichen Shopping-Eskapaden des Popstars Beyoncé seien zwar ein schillerndes Beispiel für die Arbeit eines Einkaufsberaters. „Die meisten meiner Kunden sind jedoch gestandene Politiker, Geschäftsleute oder auch Kulturschaffende“, verrät sie.

Gerade bei den Politikern gebe es so kurz vor der Wahl erheblichen Beratungsbedarf. Wer auf ihrer Kundenliste steht, bleibt indes ihr Geheimnis. „Diskretion ist das A und O im Geschäft“, sagt sie. Für die Polit-Klientel sei es besonders wichtig, das passende Outfit für die Fernsehauftritte auszuwählen. „Wenn ein Anzug nicht richtig sitzt, fällt das vor der Kamera besonders stark auf, weil die Falten starke Schlagschatten werfen“, so die Expertin. Auch Anzüge aus billigen Stoffen seien nicht kameratauglich. „Die glänzen so unnatürlich.“ Diskret ist Dorothea Barth selbst dann, wenn man sie nach dem Namen der Politikerin oder des Politikers fragt, die ihre Hilfe besonders nötig hätten. Sie verrät nur so viel: „Die Dame hat längst den zu ihr passenden Stil gefunden. Nur leider sind die Ärmel ihrer Blazer immer viel zu kurz.“

Besonders gern berate sie auch Berufseinsteiger, sagt die Modeexpertin, die zudem als Dozentin für Produkt- und Qualitätsmanagement an der AMD, der Akademie Mode & Design Berlin und der HTW Berlin unterrichtet. „Für viele Studenten ist es gar nicht so einfach, wenn sie sich nach vielen Jahren im Vorlesungssaal oder Labor plötzlich bei einem Unternehmen vorstellen sollen.“ Oft seien es die Mütter oder Freundinnen, die sie dann beauftragten. „Es fällt vielen Menschen leichter, von Fremden Kleidungsvorschläge zu akzeptieren“, weiß sie. Bei den Kunden aus dem Ausland hingegen gehe es oft darum, fehlende Kleidungsstücke in der Reisegarderobe, etwa für einen Opernabend oder auch für den Besuch einer lockeren Gartenparty, zu organisieren. Oder eben einfach darum, als ortskundige Begleiterin durch die schönsten Berliner Einkaufsoasen zu führen – ein einsamer Spaziergang mache schließlich nicht wirklich Spaß. Oft seien auch Spielzeug für die Kinder oder ein Mitbringsel für die Gattin oder den Gatten gewünscht. „Dabei habe ich oft festgestellt, dass Männer keine Ahnung von der Konfektionsgröße ihrer Ehefrauen haben, während Frauen dies umgekehrt von ihren Ehemännern meist wissen“, so die Expertin. In solchen Fällen empfiehlt sie dann eine schöne Handtasche oder einen Schal. Bisher sei es noch nie vorgekommen, dass sie mit leeren Händen von ihren Touren zurückgekehrt sei, versichert sie.

Mehrere Tausend Euro

Die bevorzugten Shopping-Gebiete von Dorothea Barth sind der Kurfürstendamm, die Friedrichstraße und die Gegend um den Hackeschen Markt, letztere vor allem dann, wenn Mode made in Berlin und ein eher lässiger Look gewünscht sind. An der Friedrichstraße, vor allem aber am Kurfürstendamm, werde dagegen bevorzugt der Wunsch nach Luxusshopping befriedigt. „Da kehrt man leicht schon mal mit Einkäufen in fünfstelliger Höhe zurück ins Hotel“, so die Expertin.

Das erste halbstündige und kostenfreie Beratungsgespräch, das Dorothea Barth gern in den Lobbys der großen Luxushotels oder in den Cafés direkt am Kurfürstendamm führt, dient dazu herauszufinden, was der Kunde wirklich wünscht. Und wie viel er dafür ausgeben möchte. „Ich frage dann nach dem sogenannten Wohlfühlpreis, um auszuloten, wie teuer der Einkauf sein darf“, sagt sie. Ihren Lebensunterhalt muss Dorothea Barth nicht mit ihrer Tätigkeit als Shopping-Scout bestreiten. „Aber es ist eine schöne Ergänzung zu meiner Dozententätigkeit“, sagt sie. Es mache ihr eben einfach Freude, andere Menschen gut einzukleiden. Eigentlich habe der Job eines Personal Shoppers nur einen Nachteil, sagt sie. „Ich hasse es, für mich selbst einkaufen zu gehen.“ Ein klarer Fall für den Einkaufsberater also.