Homophobie

Luftkuss nach Moskau – Berliner organisieren weltweiten Protest

Am Sonntag, dem 8. September, sollen sich Paare weltweit vor russischen Botschaften küssen.

Das heißt: Männer küssen Frauen, aber auch Männer küssen Männer und Frauen Frauen. „To Russia With Love 2013“ so heißt die Facebookgruppe, die zu diesem Kuss-Protest aufruft, „Nach Russland mit Liebe“. Unter dieser Parole hat sich in der vergangenen Woche von Berlin aus innerhalb von Stunden ein Aufruf verbreitet, von dessen Wirkung die Veranstalter noch immer überrascht sind. „Wir haben schon jetzt fast 2200 Unterstützer im Netz und schon rund 50.000 Klicks auf der Internetseite“, sagt Florian Fitzinger, „außerdem haben über 40 Städte weltweit zugesagt, dass sie mitdemonstrieren wollen.“ Mit diesem schnellen und großen Zuspruch hätten er und seine Mitstreiter nicht gerechnet.

Der 25 Jahre alte Student hat zusammen mit Freunden erst vor rund zwei Wochen die Idee gehabt, dass sie etwas tun wollen. Da war schon bekannt, dass Russland ein Gesetz zur Diskriminierung von Homosexuellen durchgesetzt hatte, nicht aber, welche Folgen das auch hat: Vor einer Woche wurde dann im Internet bekannt, dass russische Neonazis mehrere Homosexuelle überfallen haben und sie zu demütigenden Taten vor der Kamera zwangen. Zudem schlugen sie auf ihre Opfer ein und stellten die Filme ihrer Taten stolz ins Internet. Die Angreifer wollen so Schwule und Lesben aus Russland jagen. Widerstand im Land selbst ist schwierig geworden, weil dieses neue Gesetz eben jegliche „Propaganda von Homosexualität“ verhindert – somit auch jeden Protest gegen das Gesetz. Die russischen Neonazis aber fühlen sich durch das Gesetz in ihren Taten noch bestätigt. Der britische Schauspieler und Autor Stephen Fry forderte daraufhin in einem offenen Brief das Olympische Komitee auf, die Spiele nicht in Russland stattfinden zu lassen. Und Florian Fitzinger und seine Freunde starteten ihre Facebookseite „To Russia With Love 2013“.

„Wir wollten zunächst nur eine kleine Demo starten“, sagt Fitzinger, „um Solidarität mit der LGBTQ-Community in Russland zu zeigen.“ LGBTQ ist eine Abkürzung für Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Transgender und Queer. „Wir wollen, dass die Menschen einfach Liebe zeigen, und das möglichst medienwirksam.“ Die Berliner Künstler Romy Haag und Peaches haben bereits zugesagt, auf der Veranstaltung aufzutreten und für Musik zu sorgen. „Es wird am 8. September einen Countdown für alle Städte geben“, sagt Fitzinger, „der live über Twitter, Facebook und vielleicht sogar im Fernsehen übertragen wird.“ Für jede Stadt gilt die gleiche Ortszeit: 15 Uhr. Was das Team jetzt noch braucht, sind schnelle Helfer für eine ordentliche Internetseite und das Design für Flyer, Poster und Ähnliches. Das Foto von der Internetseite könnte man dafür nehmen: Es zeigt Wladimir Putin und Dimitri Medwedjew als Barbie-Puppen geschminkt. Mit ganz viel Liebe.