Gartenlust

Ein echtes Rosenjahr

Gabriella Pape über Schneewittchen und andere Blüten

Nun geht ein sehr schöner, warmer Sommer in die dritte Runde, und ich ziehe Resümee über die Gesundheit und die lange Blütezeit der Rosen, denn dafür ist jetzt ein guter Moment. Natürlich hat die extreme Sonne der einen oder anderen Sorte mächtig zugesetzt und hier und da die Blütezeit etwas verkürzt, aber im Großen und Ganzen ist dieser Sommer ein Beweis dafür, dass die Rose die Sonne sehr liebt. Wer seinen Rosen natürlich an heißen Tagen eine Überkopfdusche verpasst hat, sollte sich nicht über Brandflecken auf den Rosenblättern wundern, denn die Tropfen fungieren dann als Brennglas.

Selten habe ich die Rosenblüten so klar, schön und unverregnet an den Büschen gesehen, wie in diesem Jahr; und die absolute Gewinnerin, wohl auch durch das späte Frühjahr, ist eine sehr alte Dame, die ich noch nie so üppig und anhaltend habe blühen sehen: Rosa „Schneewittchen“. Manchmal musste man zweimal hinsehen, um sicherzugehen, dass es tatsächlich diese schneeweiße Kordes Rose aus dem Jahr 1959 ist. In regnerischen Frühsommern wartet Schneewittchen nämlich bereits vor der ersten Blüte mit Sternrußtau (das sind die schwarzen Flecken auf dem Blatt) und gelben Blättern auf. Das hat sie dieses Jahr mal ganz unterlassen.

Auch die nur einmal blühenden, sehr alten Strauchrosen haben die Sonne genossen und eine unglaublich schöne und stark duftende Blüte hingelegt. Daneben sollte vor allem eine zweimal blühende Rose mit umstrittener Herkunft genannt werden, die Rose de Resht, die ja wohl in diesem Jahr so stark geblüht und geduftet hat, dass sie bei kaum einem Züchter mehr zu bekommen war.

Um sicherzugehen, wie gesund und wie anhaltend eine Rose blühen kann, empfehle ich, jetzt nach der geeigneten Rose bei Züchtern und in Gärtnereien Ausschau zu halten. Denn spätestens jetzt, nach all den heißen Wochen und den heftigen Gewittern, kann man die wahren Gewinner erkennen. Es gibt durchaus auch regionale Unterschiede, denn was sich in Köln pudelwohl fühlt, muss in Berlin noch lange nicht funktionieren. Dass Rosen nun beginnen, im Inneren des Strauches ein paar gelbe Blätter zu entwickeln, ist vor allem bei öfter blühenden Rosen ganz normal, denn sie wurden durch das ständige Blühen besonders beansprucht. Ihnen würde eine späte Düngergabe helfen, noch galant in den Spätsommer und den Herbst zu kommen. Unsere absoluten Favoriten, die auch in diesem Jahr sehr gesundes Laub und traumhafte Blüten zeigen, sind einige der Austin Rosen, wie die dunkelrote Rose „Darcy Bussel“, die eine sehr schöne aufrechte Blüte hat – ein Kriterium, auf das ich übrigens beim Kauf von Rosen sehr achte.

Auch um die Willigkeit der Rosen zu testen, ihre Blüten gen Himmel zu strecken, ist jetzt ein guter Moment. Ich finde nämlich nicht, dass man die Zeit findet, jede Rose einzeln in die Hand zu nehmen, um deren Blüte zum Gesicht zu drehen, wenn Sie wissen, was ich meine. Auch das reduziert die Auswahl, denn viele Rosen lassen ihre schönen Blütenköpfe nach unten hängen und können gar nicht vom Passanten genossen werden. Zu den wunderschön aufrechten zählen R. „Queen of Sweden“ (sanft rosa), R. „Kew Gardens“ (reinweiß/einfachblühend ohne Stacheln). Letztere könnte sich auch als Hecke eignen, da sie so kräftig und gesund wächst.

Aber natürlich gibt es Tausende von Sorten, und gerade deshalb finde ich diese Jahreszeit so perfekt, um den schlechten auf die Schliche zu kommen, auch wenn jetzt nicht die ideale Pflanzzeit ist. Hier noch ein Pflanztipp: Bei Hitze immer abends pflanzen und das ausgehobene Pflanzloch einmal gänzlich mit Wasser fluten, dann die Rose einpflanzen und anwässern. Bitte kaufen Sie keinesfalls nur nach dem Namen, denn es hat sich schon so manch rassige Lady in einen unerwünschten Gartenbewohner verwandelt.

Gabriella Pape ist Leiterin der Königlichen Gartenakademie in Berlin und schreibt regelmäßig am Sonnabend an dieser Stelle.