Unwetter

Zurückbleiben bitte!

Wassermassen überfluten U-Bahnhof. 22 Kinder müssen nach Blitzeinschlag in ein Krankenhaus. Schulfrei am Arndt-Gymnasium

Am Himmel zuckt es, helle Blitze vor dunkler Wolkenwand. Dann ein lauter Knall. In der Nacht zu Montag zogen heftige Sommergewitter über die Stadt – und für vollgelaufene Keller, Tiefgaragen und einen Wassereinbruch im U-Bahnhof Walther Schreiber Platz. Die Berliner Feuerwehr musste in etwas mehr als einer Stunde zu rund 75 wetterbedingten Einsätzen ausrücken. 200 Feuerwehrleute waren im Einsatz.

Dramatische Szenen in Lübbenau

„Am spektakulärsten war wohl ein Einsatz in der Gritznerstraße in Steglitz. Hier stand eine Tiefgarage zwei Meter unter Wasser“, sagte ein Feuerwehrsprecher. Zwölf Autos seien durch die Wassermassen beschädigt worden. Ebenso heftig schlug das Unwetter am U-Bahnhof Walther-Schreiber-Platz zu. Ein Video auf der Internet-Plattform YouTube zeigt, wie die Station in Steglitz am späten Sonntagabend binnen Sekunden geflutet wurde. Wassermassen strömten die Treppen herunter, durch das Zwischengeschoss und ergossen sich rauschend auf den Bahnsteig und ins Gleisbett. Laut BVG-Sprecherin Petra Reetz sind die Bilder zwar dramatisch, aber bei extremen Regenfällen wie jenen in der Nacht zu Montag nicht ungewöhnlich. „Das kann bei Starkregen auch an anderen Stationen durchaus vorkommen“, sagte Reetz. Nach ihren Angaben kam es zu einem Kurzschluss. Eine Gefahr für Fahrgäste auf dem Bahnsteig habe nicht bestanden, weil in solchen Fällen sofort der Strom abgeschaltet werde. Der U-Bahn-Verkehr auf der Linie U9 blieb nach dem massiven Wassereinbruch am Walther-Schreiber-Platz etwa eine Stunde unterbrochen. Die Feuerwehr musste nicht eingreifen, weil das Wasser im Gleisbett versickerte. Weitere Probleme durch das Unwetter gab es bei den Verkehrsbetrieben aber nicht, wie Reetz bestätigte.

Auch andernorts – vor allem im Südwesten Berlins – sorgten Gewitter, Wolkenbrüche und Sturmböen für Chaos. In Friedenau wurden nach Angaben von Polizei und Feuerwehr mehrere Straßen geflutet, auch Keller waren vollgelaufen. In Brandenburg kam es örtlich zu Überflutungen, außerdem wurden vielerorts Bäume entwurzelt.

Am Arndt-Gymnasium in Dahlem ist am Montag der pünktliche Start ins neue Schuljahr ausgefallen. „Der erste Schultag musste komplett abgesagt werden, ein Blitzschlag hat die Haustechnik getroffen“, sagte Schulstadträtin Cerstin Richter-Kotowski (CDU). Betroffen war unter anderem das Feueralarmsystem. Die Anlage wurde zunächst provisorisch wiederhergerichtet, damit am heutigen Dienstag der Unterricht beginnen kann.

Zu dramatischen Szenen kam es auf einem Campingplatz in Lübbenau: Dort schlug am Sonntag der Blitz in eine Hecke in der Nähe eines Zeltlagers junger Sachsen ein. Die Drei- bis 15-Jährigen hatten auf dem Campingplatz am Schlosspark ihr Lager aufgeschlagen. 22 Kinder und Jugendliche mussten nach dem Blitzeinschlag zur Beobachtung in ein Krankenhaus. Ein Polizeisprecher sagte, dass es sich dabei um eine reine Vorsichtsmaßnahme gehandelt habe.

Die Kinder gehörten einer Gruppe aus Sachsen an, die alljährlich im Spreewald zeltet. Dreimal sei die Gewitterfront über den Campingplatz hinweggezogen, berichtete ein Betreuer der Gruppe. Die Kinder seien daraufhin sofort in die in der Nähe geparkten Fahrzeuge gebracht worden. Eine Betreuerin, die während des Gewitters am Elektroherd im Gemeinschaftszelt beschäftigt war, habe einen leichten Stromschlag bekommen. Von den Kindern sei glücklicherweise keins verletzt worden, das hätten die Untersuchungen in den Krankenhäusern ergeben. Der Schrecken sitze aber tief.

Auch wenn dieser Vorfall glimpflich ausgegangen ist, wirft er die Frage auf, ob Zelten bei Gewitter sicher ist und was man tun kann, um sich vor Blitzeinschlägen zu schützen (siehe auch Kasten).

Campingplatzbetreiberin Yasmine Steckelmann vom Zeltlagerplatz e.V. Berlin-Heiligensee sagte, dass bei Gewitter- und Unwetterwarnungen schnell reagiert werde. „Unsere Mitarbeiter, die die Platzbetreuung vor Ort machen, informieren die jeweiligen Gruppenleiter und Betreuer über anstehende starke Regenfälle und Gewitter“, so Steckelmann. Es gebe Unterstellplätze und überdachte Terrassen, wo die Camper Schutz finden könnten. Auf dem 20.000 Quadratmeter großen Zeltplatz werden nur Kinder- und Jugendgruppen aufgenommen.

Ein weiterer Campingplatzbetreiber ist der Berliner Camping Club (BCC), dem zwei Plätze gehören: der Platz „Breitehorn“ in Gatow und die „Bürgerablage“ in Spandau. Eine Mitarbeiterin der Geschäftsstelle sagte, dass für beide Plätze bei Gewitter gelte: „Camper helfen sich untereinander, sind über das Wetter immer bestens informiert und sehr pfiffig.“ Um die Plätze mit Baumbestand möglichst sicher zu halten, gebe es zudem jedes Jahr eine Baum-Aktion. Die Platzwarte würden mit dem Revierförster über den Campingplatz gehen und schauen, ob Gefahr im Verzug ist.

Keine absolute Sicherheit

Auch auf dem Campingplatz Krossinsee in Köpenick werden die Bäume regelmäßig kontrolliert. Das ist nötig, weil der Platz in einem Waldgebiet liegt. „Die Sicherheit steht bei uns an erster Stelle“, sagte Ingeborg König von der Campingplatz Krossinsee 1930 GmbH. Die 300 Dauercamper und auch die Gäste könnten sich zudem jederzeit in der Wetterstation an der Rezeption über das aktuelle Wetter informieren.

Die Campingplatzbetreiber sind sich einig, dass es auf den Plätzen eine hundertprozentige Sicherheit bei Unwetter nicht gibt. Ingeborg König, seit 16 Jahren auf dem Platz am Krossinsee, tätig, ist dennoch zuversichtlich: „Bei uns ist in all den Jahren noch nie etwas passiert.“