Berliner helfen

Vorlese-Stunden für Vorschulkinder

Der Verein Lesewelt und Berliner helfen vergeben zehn Lesepakete an Kitas – jetzt bewerben

Die Nachricht war alarmierend: „Etwa 20 Prozent der deutschen Kinder unter sechs Jahren haben gravierende Sprachdefizite“, warnte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann, im Mai in der Berliner Morgenpost. Im Alter zwischen ein und drei Jahren würden die entscheidenden Weichen gestellt. „Der größte Teil der betroffenen Kinder wird zu Hause nicht ausreichend gefördert. Wir brauchen deshalb gut vernetzte pädagogische und heilpädagogische Angebote sowie Fachleute, die die Familien vor Ort unterstützen.“

Viele Kindertageseinrichtungen seien nicht in der Lage, die unzureichende Förderung der Kinder innerhalb der Familie auszugleichen. Ulrich Fegeler, Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, sagt, dass höchstens zehn Prozent der Kitas den Qualitätsanforderungen entsprechen. Das träfe auch auf Berlin zu. Wird die frühe Förderung vernachlässigt, können die Defizite in der Schule nicht mehr aufgeholt werden. „Lesekompetenz ist eine Schlüsselqualifikation par excellence und eine zentrale Voraussetzung für die Teilhabe an vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens“, stellte das Bundesbildungsministerium in einer Expertise fest.

Aber die Personalausstattung ist in vielen Kitas schlecht, die Gruppen sind zu groß, sodass zu wenig mit den Kindern gesprochen oder gelesen wird. „Vorlesen, Singen und Reimen sind wichtige Bausteine beim Spracherwerb. Sie bleiben durch die geringe Personalausstattung häufig auf der Strecke“, sagt Ursula Frommholz, Gründerin des Vereins Lesewelt e.V. In vielen sozial schwachen Familien würden überhaupt keine Bücher gelesen, es werde keine Lesekultur entwickelt. Ihr Verein Lesewelt hat diese Problematik bereits im Jahr 2000 erkannt und bietet seit 13 Jahren kostenlose Vorlesestunden in Bibliotheken, Schulen und Kindertagesstätten an. So soll bei Kindern die Freude am Lesen geweckt werden. Derzeit lesen rund 200 ehrenamtliche Vorleserinnen und Vorleser in 48 öffentlichen Einrichtungen vor.

Nun starten Berliner helfen und Lesewelt Berlin e.V. gemeinsam die Aktion „Lesewelt-Vorlesestunden in Kitas“, um die Bildungschancen benachteiligter Kinder zu erhöhen. Berliner Kitas, die in sozialen Brennpunkt-Bezirken liegen, eine geringe Personalausstattung und gleichzeitig viele Kinder aus bildungsfernen Familien und/oder mit Migrationshintergrund betreuen, können sich für eines von zehn Vorlesepaketen bewerben. Als Gewinn winkt pro Einrichtung folgendes Paket: Für ein Jahr kommen die Kinder der Vorschulgruppe in den Genuss einer wöchentlichen Lesewelt-Vorlesestunde und für die Eltern und Erzieher gibt es einen Workshop rund um das Thema „Vorlesen für Vorschulkinder“. Aus den Bewerbungsunterlagen sollte hervorgehen, warum das Vorlesepaket benötigt wird. Wichtig: Auch die Kinder sollen ihren Beitrag zu der Bewerbung leisten, zum Beispiel in Form eines selbst gemalten Bildes. Kitas, die an der Aktion teilnehmen wollen, schicken ihre Bewerbung an:

Bewerbungen an: Lesewelt Berlin e.V. Turmstr. 75, 10551 Berlin oder an info@lesewelt-berlin.org. Einsendeschluss ist der 15. September.Weitere Informationen unter www.lesewelt-berlin.org.