Gartenlust

Die besten Rosen für Ihren Garten

Gabriella Pape über Rambler und Kletterer

Mit dieser Überschrift habe ich wahrscheinlich die Aufmerksamkeit fast aller Leser bekommen, aber ganz so einfach, wie es sich anhört, ist es dann leider doch nicht. Dennoch, wer sichergehen will, auch die Rose zu bekommen, die ihm vorschwebt, sollte jetzt nach der geeigneten Rose Ausschau halten, auch wenn es einem bei diesem Wetter als reiner Irrsinn erscheint. Denn bei perfektem Wetter – nicht zu heiß, nicht zu kalt und regelmäßig Regen – also bei englischem Wetter, gedeihen fast alle Rosen gut; doch welche auch den aktuellen dramatischen Wetterbedingungen gewachsen sind, sieht man am besten jetzt. Ich gehe momentan täglich durch die Rosen, um festzustellen, welche sich bei diesen Höchst- und Tiefsttemperaturen am besten machen. Man bedenke, dass diese Pflanzen zwischen Winter und Sommer Temperaturunterschiede von gut 60 Grad ertragen müssen, zumindest in Berlin.

Besonders fallen mir bei den Ramblerrosen, also den etwas wilderen Kletterrosen, sehr gesundes Laub und völlig unbekümmerte, glückliche Blütenpracht auf. Meine zwei Favoriten sind dabei die nicht ganz so wuchtig wachsenden Sorten Snow Goose von David Austin und Guirlande d’Amour des belgischen Züchters Lens. Bei beiden handelt es sich um weiß blühende Rosen, oder eher Röslein, denn beide haben recht kleine, zierliche Blüten, die an Blütenbüscheln, sogenannten Dolden, wachsen. Snow Goose ist eine englische Moschata-Hybride, die im Gegensatz zur Guirlande d’Amour remontierend ist, das bedeutet, dass sie öfter blüht. Letztere blüht dagegen nur zweimal, im Juni/Juli und noch einmal im Spätsommer/Herbst. Beide duften lieblich, wobei die Snow Goose durch ihre gelben Staubgefäße fast wie ein großer Gänseblümchenbusch wirkt. Sie hat, was vielen ängstlichen Eltern gefallen wird, so gut wie keine Stacheln; der Vorteil ist, sie piekst nicht, der Nachteil allerdings, sie muss aufgrund der fehlenden Stacheln, die beim Klettern helfen, sehr häufig angebunden werden. Übrigens sagt man zwar „Keine Rose ohne Dornen“, doch ist dies sachlich leider nicht richtig, denn die Rose hat Stacheln; der Unterschied ist, dass man Stacheln, wie bei den Rosen, abbrechen kann, wogegen sich Dornen nicht ohne Schere entfernen lassen, wie zum Beispiel beim Sanddorn.

Mein von Duft und Namen favorisierter Rambler, Mme Alfred Carrière, schneidet bei diesem Wetter auch recht gut ab, zumal Madame die Hitze mit üppiger Nachblüte dankt, da fallen aus meiner Sicht die etwas von Mehltau befallenen Blätter eher in den Hintergrund. Übrigens sollten Sie es bei Mehltaubefall bitte immer erst noch einmal mit zusätzlichem Dünger und vor allem mit viel Wässern probieren, bevor Sie zur Giftspritze greifen. Viele Rosen lieben diese Hitze zwar, haben aber ihre Wurzeln noch nicht tief genug ausgebildet, um ihr autonom standhalten zu können. Alten, etablierten Rosen macht die Hitze dagegen wenig aus.

Mir ist wieder einmal aufgefallen, dass die einmal blühenden Kletterrosen oft das gesündeste Laub haben. Nun wird der echte Rosenfreund natürlich zu Recht fragen: Was soll ich denn mit dem Laub, das ohnehin nicht so attraktiv ist, wenn ich die Blüten haben möchte? Das stimmt natürlich, aber es gibt durchaus Kletterrosen, die während ihrer einmaligen Blüte eine so einzigartige Show bieten, dass man fast nicht auf sie verzichten möchte. Zu dieser Kategorie gehört für mich auf jeden Fall Constance Spry, sie ist die kräftigste unter den alten Rosen, und ihre Blüten tragen alle deren Attribute: eine perfekte, rosarote Blüte mit einem betörenden Myrrheduft.

Gabriella Pape ist Leiterin der Königlichen Gartenakademie in Berlin und schreibt regelmäßig am Sonnabend an dieser Stelle.