Umzugskarussell

Den Pass gibt’s bald im Einkaufscenter

Bürgeramt zieht vom Rathaus in die Wilmersdorfer Arcaden

Das Umzugskarussell dreht sich auch in Charlottenburg-Wilmersdorf. Mehr als 500 Arbeitsplätze werden vom Rathaus Wilmersdorf ins Rathaus Charlottenburg, in das Verwaltungsgebäude am Hohenzollerndamm sowie in Nebenstandorte verlegt. Damit der Umzug der Mitarbeiter bis Ende 2014 abgeschlossen ist, zieht das Bürgeramt zum Jahresende aus dem Rathaus Charlottenburg in die Wilmersdorfer Arcaden. Durch effektive Raumnutzung wird dort nur etwa die Hälfte der Fläche benötigt, die jetzt noch im Rathaus an der Otto-Suhr-Allee zur Verfügung steht. Dort werden dann mehr als 500 Quadratmeter frei.

Entspannung erhofft

Für Stadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU), der das Umzugskarussell plant, ist der Umzug des Bürgeramtes an die Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße keine Verschlechterung. Im Gegenteil. Der große Vorteil sei, dass das Bürgeramt dann „dichter an den Menschen“ sei. Auch Lichtenberg hat seit einigen Monaten ein Bürgeramt in einem Einkaufscenter untergebracht: im Bärenschaufenster an der Otto-Schmirgal-Straße in Friedrichsfelde. Gröhler erhofft sich am neuen Standort auch eine entspanntere Atmosphäre. Einige Besucher hätten doch einen recht rüden Ton, wenn sie mit den Mitarbeitern im Bürgeramt sprächen. „Wenn die Senatsverwaltung für Finanzen zustimmt, werden wir am 2. Januar dort ein modernes Bürgeramt eröffnen. Es wird auch sonnabends geöffnet sein, und die Kunden müssen nicht auf den Gängen warten, sondern können ihren Besuch beim Amt mit einem Einkaufsbummel verbinden“, sagte Gröhler.

Auch künftig wird das Bürgeramt Charlottenburg für Spontankunden geöffnet haben. Im Gegensatz zu Tempelhof-Schöneberg, wo komplett auf Terminvergabe umgestellt wurde, will Gröhler die jetzige Praxis beibehalten: „Wir empfehlen zwar Termine, aber es gibt mehr Menschen, als man denkt, die keine Termine vereinbaren wollen, sondern spontan kommen wollen.“ Das Amt an der Heerstraße sei komplett auf Termin-Geschäft umgestellt. Das Bürgeramt am Halemweg, in das vor Kurzem eingebrochen wurde, hat noch geschlossen. Die Täter waren an dem Tresor gescheitert, dennoch werden zusätzliche Einbruchsicherungen eingebaut.

Der Umzug des Bürgeramtes ist nur ein Glied von vielen in der Umzugskette. Auch für die Bibiotheken hat Gröhler den Bezirksverordneten einen Plan mit mehreren Varianten vorgelegt, die sie nach der Sommerpause diskutieren müssen. Eine der Möglichkeiten ist eine bezirkliche Zentralbibliothek statt mehrerer kleiner Bibliotheken. Gröhler macht keinen Hehl daraus, dass er die Zentralbibliothek befürworten würde. Mehr als 20 Standorte hat er geprüft. Darunter waren auch die Wilmersdorfer Arcaden, die Gröhler für „eine interessante Möglichkeit“ hält.

Bibliothekenvielfalt in Gefahr

Sollten sich die Bezirksverordneten für die bisherigen dezentralen Bibliotheksstandorte aussprechen, müsste geklärt werden, wie dies personell in Zukunft zu machen sei. „Die Standorte sind mit dem jetzigen Personal, das sich altersbedingt reduziert, nicht zu halten. Wir müssten über Schließungen nachdenken oder über Ehrenamtliche, die einspringen“, so Gröhler.

Wenn das Rathaus am Fehrbelliner Platz Ende 2014 leer ist, wird der Bezirk für die Umzüge und den Umbau in den Immobilien bis zu drei Millionen Euro investiert haben. Ins Rathaus Wilmersdorf soll ab 2015 der Landesrechnungshof einziehen. Außerdem dient der markante Bau als Umzugsscheibe und temporäre Unterkunft für die Mitarbeiter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am Fehrbelliner Platz, deren Häuser grundsaniert werden. Ende 2018 sollen dann, so der Plan, das Arbeitsgericht und das Landesarbeitsgericht vom Magdeburger Platz in Tiergarten dauerhaft ins Rathaus Wilmersdorf ziehen.