Wasserqualität

Das Rätsel der verschmutzten Badestellen

An zwei Orten an der Unterhavel gibt es ein Schwimmverbot

Je wärmer das Wetter, desto kuscheliger wird es auch auf der Kleinen Badewiese im Spandauer Ortsteil Gatow. Kaum steigt das Quecksilber über die 20-Grad-Marke, füllt sich die Grünfläche entlang des rund 400 Meter langen Uferstreifens. Bei Temperaturen deutlich über 30 Grad werden Liegeplätze in Wassernähe knapp.

Dabei dürften die Berliner auf dieser Höhe der Wasserstraße weder am Spandauer noch am Charlottenburger Ufer ins Havelwasser tauchen. Zwar gelten Berlins Badegewässer ansonsten als sauber. Aber an der Unterhavel zwischen der Kleinen Badewiese und dem Grunewaldturm rät das Landesamt für Gesundheit und Soziales seit 2012 vom Baden ab. „Mangelhafte Qualität“ bescheinigt die Behörde den beiden Buchten. Grundlage ist die Badegewässerrichtlinie der EU, die seit 2008 Anwendung findet.

Diese gibt den kommunalen Gesundheitsbehörden nicht nur vor, welche Parameter gemessen und wie diese ausgewertet werden. Die Richtlinie verpflichtet die Kontrollorgane außerdem, für die abschließende Einstufung in die Kategorien „ausgezeichnet“, „gut“, „ausreichend“ und „mangelhaft“ jeweils die Messungen von vier Jahren in Folge heranzuziehen. In den entsprechenden Jahren waren die Grenzwerte überschritten. „Deshalb können wir das Baden für die gesamte Saison 2013 nicht empfehlen“, so der Fachgruppenleiter für Infektionsepidemiologie und umweltbezogenen Gesundheitsschutz, Jörg Bätzing-Feigenbaum. Und das unabhängig davon, ob die aktuellen Ergebnisse der turnusmäßig im Zwei-Wochen-Rhythmus stattfindenden Probeentnahmen von Land aus und auf dem Wasser kurzfristig einwandfreie Gewässerqualität bescheinigen.

Ganz neu ist die Problematik für die Gewässerexperten nicht. Grenzwertüberschreitungen bei Parametern wie E-Coli-Bakterien hatte es im oberen Teil der Unterhavel auch vor Einführung der EU-Richtline immer wieder gegeben. Warum allerdings an dieser Stelle der Havel die Verschmutzung virulent wird, während nur rund zwei Kilometer weiter flussabwärts am Breitehorn beziehungsweise – auf Charlottenburger Seite – in der Lieper Bucht dem kühlen Bad nichts im Wege steht, darüber wird unter den Fachleuten noch gerätselt. Besondere Strömungsverhältnisse in der Havel könnten für eine Ansammlung von Schadstoffen auf Höhe des Gatower Dorfkerns mitverantwortlich sein. Auch möglichen lokalen Ursachen wie nicht genehmigten Einleitungen von Anliegern oder Sickergruben würde vom Bezirk Spandau nachgespürt. Für nicht völlig ausgeschlossen hält Bätzing-Feigenbaum Einflüsse durch die ehemaligen Rieselfelder Karolinenhöhe, obwohl diese längst trockengelegt sind. „Unsere Haupthypothese ist aber, dass die Belastung von Einleitungen aus der Mischwasserkanalisation entlang der Spree herrührt“, sagt Bätzing-Feigenbaum. Denn: Regelmäßig steigen die kritischen Werte nach starken Regenfällen. Dann nämlich kann die städtische Kanalisation das Wasser nicht mehr vollständig aufnehmen, Überläufe leiten den Überschuss in die Spree. „Die Kleine Badewiese und die Badestelle Grunewaldturm sind die ersten beiden Badestellen nach der Einmündung der Spree in die Havel“, sagt Bätzing. Weiter nördlich an der Oberhavel sei die Situation unproblematisch.

Ebenfalls auf der Liste potenzieller Verursacher stand eine Zeit lang das Klärwerk Jungfernheide. Dort habe es aber Entwarnung gegeben, sagt der Sprecher der Berliner Bäderbetriebe (BWB), Stephan Natz.