Sicherheit

Strecke Berlin–Hannover: Bahn sucht mit Radar Hohlräume

Frühestens im Oktober soll klar sein, wie lange die Reparaturen an der ICE-Trasse dauern

Bahnreisende müssen auch in den kommenden Wochen damit rechnen, mit dem Zug deutlich länger als eigentlich geplant unterwegs zu sein. Grund sind die schweren Schäden, die das diesjährige Hochwasser an den Gleisanlagen in vielen Regionen angerichtet hat. Berlin ist jedoch besonders betroffen, denn die ICE-Schnellfahrstrecke zwischen der deutschen Hauptstadt und Hannover wird auch nach dem Rückgang des Wassers noch für Monate gesperrt bleiben. Als besonders problematisch gilt dabei ein etwa fünf Kilometer langer Abschnitt zwischen Rathenow in Brandenburg und Stendal in Sachsen-Anhalt, der vom Elbhochwasser komplett überspült wurde. Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) und der für die Infrastruktur zuständige Bahnvorstand Volker Kefer haben den gesperrten Abschnitt am Dienstag inspiziert.

Laut Kefer sind umfangreiche Untersuchungen notwendig, um ein genaues Bild über das ganze Ausmaß der Schäden zu bekommen. Derzeit wird mit Radarmessungen untersucht, ob sich tief unter der überspülten Bahntrasse gefährliche Hohlräume gebildet haben. „Wir brauchen Sicherheit, was den Untergrund angeht“, sagte Kefer. Die Bahn demonstrierte mit einem langsam fahrenden Bauzug, dass derzeit Wasser aus dem Beton der Trasse quillt, sobald sie belastet wird. Hohlräume wurden bei den bisherigen Radarmessungen allerdings noch nicht gefunden.

Ende September soll klar sein, welche Reparaturarbeiten an der Strecke konkret notwendig sind und wie lange diese dauern werden. Sicherheit gehe dabei vor Schnelligkeit, hatte Kefer erst jüngst betont. Spekulationen, dass die Arbeiten bis zum nächsten Frühjahr dauern, kommentierte der Bahnvorstand nicht.

Wegen der anhaltenden Sperrung der Schnellfahrstrecke lässt die Bahn ihre ICE und IC-Züge vorerst weiter nach einem Interimsfahrplan fahren. Danach werden die Fernzüge über Wittenberge, Magdeburg oder Erfurt umgeleitet, die Reisenden müssen dabei längere Fahrzeiten von 30 bis 60 Minuten in Kauf nehmen. Nach dem seit dem 29. Juli geltenden Plan werden die Züge auf der ICE-Linie 10 (Berlin–Hannover–Köln/Düsseldorf) über Magdeburg und Braunschweig geführt. Auf der ICE-Linie 11 (Berlin–Braunschweig–Frankfurt–Stuttgart–München) werden die Fernverkehrszüge über Wittenberge umgeleitet. Einige ICE halten jetzt auch wieder in Wolfsburg. Auch auf den anderen von der Sperrung der Schnellfahrstrecke betroffenen ICE-Linien gilt bis auf Weiteres ein neuer Fahrplan. So werden die ICE in Richtung Frankfurt am Main, Karlsruhe und Interlaken (ICE-Linie 12) über Erfurt ohne Zwischenhalt umgeleitet. Die Fahrzeit verlängert sich gegenüber dem Normalfahrplan je nach Richtung um 20 bis 30 Minuten.

Trotz der Einschränkungen will die Deutsche Bahn keine Fahrpreisermäßigungen gewähren. Die Reisenden sollen aber kostenlose Zeitungen und Reclam-Heftchen erhalten, mit denen sie die längere Fahrzeit überbrücken können.

Informationen über den Interimsfahrplan gibt es auf der Internetseite der Deutschen Bahn (www.bahn.de). Auch die kostenlose Servicenummer zu den Auswirkungen des Hochwassers auf den Bahnverkehr bleibt bis auf Weiteres geschaltet. Unter 08000-99 66 33 gibt es aktuelle Informationen rund um die Uhr.