Bezirk

Bezirk mit dörflicher Atmosphäre

Die Neuköllner lieben ihre grünen Oasen und den Trubel gleichermaßen

Wenn man die Karl-Marx-Straße in Neukölln an einem warmen Sommertag herunterspaziert, kann man sich gar nicht entscheiden, welchen bunten Hügeln voller Erdbeeren, Auberginen oder Paprika man sich zuerst zuwenden soll. Martin K., 27, weicht mit seinem Fahrrad einem verlorenen Apfel am Boden aus, er hat es eilig, sein frisch eingekauftes Rindersteak in den Kühlschrank zu bringen. Der Krankenpfleger lebt seit fünf Jahren in Neukölln und schätzt vor allem die dörfliche Atmosphäre in manchen Teilen des Bezirks: „Die Nähe zum Böhmischen Dorf ist wunderbar, es fahren keine Autos, es gibt keinen Lärm, wo gibt es sonst noch etwas Vergleichbares in einer Stadt wie Berlin?“

Vor einem Schaufenster stehend bewerten Roswitha Kruse, 64, und Maria Larbig, 63, die neue Schuhmode. Beide schwärmen von ihrem soeben verspeisten englischen Frühstück im Café Rix: „Früher hätte man das nicht bekommen“ sagt Roswitha. Und fügt dann hinzu: „Aber dafür war die Karl-Marx-Straße auch noch eine echte Prunkstraße.“

Ein großes Getümmel herrscht vor den Neukölln-Arcaden ein paar Schritte die Karl-Marx Straße hinunter. Tim Schäfer, 32, steht mit seiner Tochter Rosa, 1, um die Brust geschnallt vor den großen Glastüren der Arcaden. „Mittlerweile wohnen fast alle unsere Freunde in Neukölln, früher war das noch anders, da bin ich viel mehr rumgefahren.“ sagt der Musiker. Am Morgen gehe er mit Rosa oft auf den Spielplatz in der Weichselstraße oder genieße die Ruhe in seinem grünen Hinterhof mit Schrebergarten in der Weserstraße.

Wenn man die Treppen der U-Bahn-Station Rathaus Neukölln hinuntergeht, trifft man auf Alpak Koc, 30, in seinem Zeitungskiosk. Nach zehn Jahren Neukölln kann sich der gebürtige Türke keinen anderen Wohnort vorstellen. „Die Leute in Neukölln sind aus aller Welt, helfen gerne und sind verständnisvoll“, sagt er. „Nach seiner Schicht besucht Alpak gern die Hasenheide: „Nach einem Tag im U-Bahn-Schacht brauche ich immer noch ein Stückchen Natur!“