Gewalt

„Ich bin erschrocken über mich selbst“

Drei Männer sollen Opfer schwer misshandelt haben

Sergej S. hat ein Martyrium durchgemacht. In der Anklage steht, er sei geschlagen und stranguliert worden. Eine „Bestrafungsaktion“, die sich etwa fünf Stunden lang hingezogen habe. Die drei Täter sitzen nun im Moabiter Kriminalgericht auf der Anklagebank: die 41 Jahre alte gebürtige Russin Irina M. Ihr zwölf Jahre jüngerer Lebensgefährte Mike F., er wurde in Berlin geboren. Und der aus Polen stammende Damian P.

Mike F. und Irina M. hatten den Ukrainer Sergej S. im Juni vergangenen Jahres kennengelernt. Sie hatten wenig Geld, wohnten in einem Heim in Wittenau. Sergej S. soll ihnen damals versprochen haben, dass er sie geschäftlich unterbringen könne. Es gehe um eine IT-Firma in seiner Heimat. Die beiden nahmen das ernst und fuhren tatsächlich in die Ukraine – mit einem Auto. Mike F. hatte noch seinen Hund Tiger dabei. Allerdings, so ihre Erklärungen vor Gericht, gab es dort gar keine IT-Firma. Sergej S.’ vermeintlicher Geschäftsfreund habe sich überrascht von ihrem Kommen gezeigt und sich auch nur einmal sehen lassen. Und auch Sergej S. beließ es bei nebulösen Erklärungen.

So fuhren Irina M. und Mike F. also wieder zurück nach Berlin, diesmal im Bus. Deswegen habe er auch seinen Hund Tiger nicht mitnehmen können und ihn Sergej S. zur sorgsamen Pflege überlassen, sagte Mike F. Wenig später kam aber auch Sergej S. nach Berlin. Ohne Hund. Zu diesem Zeitpunkt glaubte ihm Mike F. noch, dass Tiger gut untergebracht sei. Das änderte sich jedoch, als es Silvester 2012 mit Sergej S. weitere Probleme gab. Der Ukrainer war angetrunken zu der Silvesterfeier gekommen. Dort hatte er auf Russisch auf Irina M. eingeredet. Später stellte sich heraus, dass er die Frau überreden wollte, sich von Mike F. zu trennen und stattdessen ihn selbst zu heiraten. Dabei ging es nicht nur um Liebe, sondern auch um seinen Aufenthaltsstatus als Ausländer: Irina M. hat die deutsche Staatsbürgerschaft. Heraus kam auch, dass Mike F. vergebens darauf hoffte, seinen Hund Tiger wiederzubekommen. Sergej S. gab zu, das Tier verkauft zu haben.

In der Konsequenz wurde Sergej S. von dem Pärchen und dem großen, kräftigen Damian P. verprügelt. Mike F. gab vor Gericht zu, Sergej S. mehrfach eine Suppenkelle auf den Kopf geschlagen zu haben. Auch mit den Fäusten habe er ihn traktiert. „Ich bin erschrocken über mich selbst und entschuldige mich“, sagte er vor Gericht. Irina M. soll Sergej S. Haare ausgerissen und ihn, so der Anklagesatz, „mit einer Schnur stranguliert haben, wodurch es zu Blutstauungen im Kopf des Geschädigten gekommen“ sei. „Wir wollten, dass der Mann für immer aus der Wohnung, aus Berlin und auch aus unserem Leben verschwindet“, sagte sie. Doch sie werden Sergej S. erneut begegnen: am nächsten Prozesstag.