Sicherheit

Gefährliches Grün

Am Görlitzer Park werden Passanten durch Messer-Attacke eines 33-Jährigen verletzt. Polizei erhöht die Zahl ihrer Einsätze

In Kreuzberg vergeht kaum noch ein Tag ohne Meldungen der Polizei zu weiteren Gewalttaten im Bereich des Görlitzer Parks. Acht Verletzte, darunter zwei Polizeibeamte forderte der jüngste Vorfall dieser Art. In der Nacht zu Donnerstag schlug und stach mit einem Messer ein 33-Jähriger an der Görlitzer Straße völlig unvermittelt auf mehrere Passanten ein, auch bei seiner anschließenden Festnahme setzte er sich so heftig zur Wehr, dass zwei der alarmierten Beamten ihre erlittenen Verletzungen in einem Krankenhaus behandeln lassen mussten. Auch die sechs verletzten Passanten wurden in einem Krankenhaus behandelt. Der 33-Jährige, als Gewalttäter einschlägig bekannt, wurde noch am Donnerstag einem Haftrichter vorgeführt, der eine Unterbringung anordnete.

Wie ein Polizeisprecher am Donnerstag mitteilte, hatte der Mann in der Nacht zuvor gegen 23.30 Uhr zunächst wie aus heiterem Himmel auf drei Fußgänger eingeschlagen. Zwei weiteren Passanten fügte er anschließend mit einem Messer Stichverletzungen zu, bevor er nur wenige Sekunden später plötzlich mit einem Gürtel auf eine Frau einschlug. Der Angreifer flüchtete zunächst, konnte aber wenig später von alarmierten Polizeibeamten überwältigt und festgenommen werden.

Die Gewaltkriminalität und das Dauerproblem mit den Drogendealern im Görlitzer Park sorgen jetzt seit Wochen für Angst und Unruhe unter Anwohnern, Besuchern und Gewerbetreibenden. Auch am Donnerstag machten etliche Betroffene ihrem Unmut Luft. Einige Betroffene sprachen sich dabei für drastische Maßnahmen aus. „Ich bin für eine Schließung des Parks, denn anders kann das Drogenproblem nicht mehr behoben werden“, sagte eine junge Frau, die in einem Geschäft am Rande des Parks arbeitet. Ein Mutter kritisierte, familientauglich sei der Park schon lange nicht mehr, mit Kindern könne man sich kaum noch hineinwagen. Die einzig sinnvolle Alternative zu einer Schließung sieht sie in einem dauerhaften Wachschutz. „Allein traue ich da nicht mehr hinein“, dieser Satz ist sei Wochen von vielen Anwohnern zu hören.

Drohungen gegen Kritiker

Andere Passanten gaben der Politik die Schuld, die würde ihre Augen vor den Zuständen im Park verschließen. Ein Vater, der mit zwei kleinen Kindern im Park unterwegs war, sprach hingegen von übertriebener Aufregung, räumte aber ein, dass angesichts der jüngsten Entwicklungen etwas passieren müsse. Alle Befragten wollten sich, ungeachtet ihrer Meinung zu den gegenwärtigen Problemen, nur anonym äußern. Bei allen schwingt die Angst mit, selbst Ziel von Übergriffen zu werden. Das gilt selbst für Passanten, die ein gewisses Verständnis für die Situation der überwiegend aus Afrika stammenden Dealer äußern, die als Flüchtlinge hier unter schwierigen Bedingungen leben.

Katrin Jakob, Betreiberin des mitten im Görlitzer Park liegenden „Café Edelweiss“ kennt den Grund dieser Angst. Sie hatte offen auf die Drogenproblematik im Park hingewiesen. „Ich habe nur über Dealer gesprochen und kein einziges Mal über deren Hautfarbe oder Herkunft, doch jetzt werde ich als Rassistin beschimpft“, sagte die Frau. Tatsächlich gibt es derzeit aus dem linksautonomen Milieu nahezu täglich über einschlägige Internetportale Beschimpfungen und Bedrohungen gegen „einen rassistischen Bürgermob“, der eine „Pogromstimmung“ entfache.

Dabei bleibt es nicht nur bei Drohungen. Anfang der Woche wurden am Görlitzer Park vier Pkw in Brand gesetzt. In einem Bekennerschreiben wurde die Aktion als Protest gegen die regelmäßigen Polizeirazzien im Park bezeichnet. Dabei wurden die Polizeieinsätze als rassistische Menschenjagd tituliert. Gleichzeitig riefen autonome Gruppen offen zu weiteren Gewaltaktionen auf. Selbst gegen den Verein „Unser Görli“ wird gehetzt.

Gespräche mit allen Betroffenen

Dessen Initiatoren arbeiten seit längerem an einem Konzept, mit dem die Probleme des Parks wenn schon nicht beseitigt, so doch eingedämmt werden sollen. Der Verein sucht dazu bewusst den Kontakt zu allen Beteiligten und Betroffenen, einschließlich der Dealer. Seine Mitglieder, zu denen auch Migranten zählen, sind über jeden Verdacht der Fremdenfeindlichkeit erhaben, vor wüsten Anfeindungen schützt sie das nicht.

Die Polizei kennt die Drohungen, der örtliche Abschnitt 53 stehe allen Betroffenen als ständiger Ansprechpartner zur Verfügung, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf am Donnerstag. Die Behörde hat nicht nur die sichtbare Präsenz uniformierte Kräfte gesteigert, sondern auch den Umfang der auch verdeckten Ermittlungen.