Meine Woche

Warten auf einen Termin

Christine Richter über den BER, Teileröffnungen und Absagen

Interessiert Sie eigentlich noch der BER? Also dieser so moderne Hauptstadtflughafen, der am 3. Juni vergangenen Jahres eröffnet und dann Schritt für Schritt zu einem internationalen Drehkreuz entwickelt werden sollte? Im Rückblick schäme ich mich ein bisschen, weil ich im Frühjahr 2012, nach meinem letzten Flug von Miami nach Berlin, schon Abschied vom Flughafen Tegel genommen hatte – dem übersichtlichen Flughafen, den ich, zugegeben, so sehr mag. Und im Rückblick frage ich mich – aber Sie wahrscheinlich auch –, was da eigentlich eröffnet werden sollte in Schönefeld.

Seitdem haben wir und all die anderen Medien viel über die Probleme am BER berichtet, auf ein neues, ein endgültiges Eröffnungsdatum warten wir jedoch immer noch. Mal hieß es, es werde 2014, Frühjahr oder Herbst werden, in den vergangenen Wochen verdichteten sich die Informationen, dass es wohl das Jahr 2015 wird. Frühjahr oder Herbst – beide Termine sind im Gespräch. Der für die BER-Genehmigung zuständige Landrat Stephan Loge aus Dahme-Spreewald gab dazu jetzt den interessanten Hinweis, dass die Baugenehmigung für den Flughafen nur bis zum Frühjahr 2015 gilt. Wenn der Airport bis dahin nicht fertig werde, beginne das ganze Genehmigungsverfahren von vorne, so Loge. Das will ich mir lieber nicht vorstellen.

Der Eröffnungstermin wird wohl der einzige Punkt sein, der Sie noch interessiert. Umso absurder ist deshalb auch die jüngste Nachricht zum BER. „Jetzt wird auch die Teileröffnung des BER verschoben“, lautete die Botschaft dieser Woche. Hartmut Mehdorn, der Flughafenchef, der leider viel zu häufig laut denkt und damit zum Verdruss über den BER beiträgt, hatte nämlich kürzlich angekündigt, dass er noch in diesem Jahr einen Teil – den neuen Nordpier am Flughafen – eröffnen will. Mal sprach Mehdorn vollmundig von „Teileröffnung“, dann wieder von einem „Probebetrieb“ mit 2000 Passagieren am Tag. Die sogenannten Billigflieger sollten schon einmal umziehen und die Abläufe am BER testen. Nun, daraus wird wohl nichts.

Im Frühjahr kommenden Jahres könnte der Testlauf beginnen, aber auf keinen Fall früher, heißt es jetzt in Regierungskreisen. Tröstet es da, dass der Termin für die BER-Teileröffnung immer nur von Mehdorn genannt wurde, nicht aber offiziell vom Flughafen-Aufsichtsrat beschlossen worden war? Ein bisschen.

In gut einem Monat, Mitte August, will der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft zu seiner nächsten Sitzung zusammenkommen und dann beraten – über den Baufortschritt, die Brandschutzanlage, den Lärmschutz, die finanziellen Mehrkosten. Und wahrscheinlich auch darüber, wie es im Aufsichtsrat selbst weitergeht. Denn der Aufsichtsratsvorsitzende, der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), ist gesundheitlich angeschlagen. Er erholt sich derzeit von einem leichten Schlaganfall. Ob und wie lange er noch sein Amt, besser gesagt, seine Ämter wahrnehmen will, das möchte Platzeck nach dem Urlaub entscheiden. In Potsdam, aber auch im Berliner Senat rechnen viele damit, dass Platzeck seine Posten aus gesundheitlichen Gründen aufgibt. Ob er diese Entscheidung aber noch vor der Bundestagswahl am 22. September öffentlich mitteilt, da ist man sich in Potsdam und Berlin nicht sicher. Schließlich ist Platzeck ein engagierter SPD-Politiker und will seiner Partei mit einem Rücktritt nicht schaden. „Wir warten ab“, heißt es im Senat. Das werde ich auch machen – und auch in den nächsten Monaten den Flieger von Tegel aus nehmen.

Christine Richter leitet gemeinsam mit Gilbert Schomaker die Lokalredaktion. Nächsten Sonntag schreibt Gilbert Schomaker über seine Woche in Berlin.