Studentenwohnungen

Buntes Wohnen in großen Fertigboxen

In Plänterwald entsteht ein ungewöhnliches Studentendorf. Die neuen Mieter sollen künftig in 307 Containern leben

Es tut sich etwas an der Eichbuschallee 51. Noch ist allerdings nichts zu sehen von Frankie, Johnny und Nelly. Das sind die Namen der Gebäudetrakte, die hier bald stehen werden. Bauherr Jörg Duske plant Wohnungen für die Berliner Studenten.

Frankie, Johnny und Nelly werden keine normalen Häuser sein. Das Studentendorf Plänterwald, wie die Anlage heißen soll, besteht ausschließlich aus Containern. Auch wenn vom eigentlichen Container kaum etwas übrig bleibt. Über die gesamte Länge der Wohneinheiten zieht sich ein großes Glasfenster. In der Mitte liegt hinter Milchglas ein kleines Badezimmer, links daneben eine Küche, rechts ein Schreibtisch und ein Bett. Es ist erstaunlich, wie viel Platz die Metallboxen bieten.

An Interessenten fehlt es nicht

Ein Dorf wird geschaffen, um miteinander zu lernen, zu leben und sich kennenzulernen. Ein Leben wie auf dem Campus. Zwischen den bunten Fronten der Containerhäuser liegen Gärten und kleine Plätze. Zwei Pools locken die Anwohner im Sommer, es gibt einen Grillplatz und eine Kletterwand an der Rückseite des Geländes. „Ich könnte mir gut vorstellen, hier zu leben“, sagt Maja Knopp. „Leute im selben Alter um dich herum, und die Container sind wirklich schön von innen.“ Die kleine Küche mit dem Zweiplatten-Cerankochfeld sei sogar schöner als ihre jetzige, scherzt die Studentin.

Das Konzept des Zusammenlebens steht im Mittelpunkt des Projekts. Natürlich bietet eine Containerwohnung nicht unbegrenzt viel Platz. Wer Gäste empfangen oder groß auftischen will, kann die Aufenthaltsräume und Gemeinschaftsküchen nutzen.

„Einer der beliebtesten Versammlungsorte wird vermutlich der Waschsalon werden“, sagt Jörg Duske. Der Mann, dessen Idee das Containerdorf war, denkt an eine Bar an den Waschmaschinen, an studentische Partys. „Damit auch mal schmutzige Wäsche gewaschen werden kann“, sagt er und grinst. Er steht auf einem Palettenstapel und deutet mit großer Geste auf das Gelände. Noch sind dort nur Baugeräte zu sehen, Erde und ein paar Container. „Ein paar von denen sind schon öfter um die Welt gereist, als wir uns vorstellen können“, erzählt er.

Die meisten der Container, die bis September 2014 hier stehen sollen, werden bereits als fertige Wohnboxen produziert. „Ein Vorteil für die Anwohner“, erklärt der Bauherr. „Das wird vermutlich eine sehr leise Baustelle werden.“ Peter Warnatz ist einer dieser Anwohner. Er steht vor dem Mustercontainer, der auf dem heißen Kies der Anlage ausgiebig bestaunt wird. Zusammen mit seiner Mutter ist er hier, um zu sehen, wie die neue Nachbarschaft wohl aussehen wird. „Früher stand hier das Institut für Lebensmitteltechnologie der DDR“, sagt er. Es verfiel im Lauf der Jahre und wurde – wie die meisten verlassenen Gebäude – Austragungsort illegaler nächtlicher Partys. Leere Flaschen, Schmutz, Müll, man kann es sich lebhaft vorstellen. „Ich freue mich auf das Studentendorf“, sagt Warnatz. Das mache die Ecke bunter, lebendiger.

307 Container sollen hier einmal Platz finden. 235 davon sogenannte Single Units, für den Ein-Mann-Studentenhaushalt. 61 werden zu zweit bewohnbar sein, weitere elf stehen als Drei-Personen-Wohnungen für „Maxi-WGs“ zur Verfügung, wie man am Bauzaun vor dem Gelände lesen kann. Es wird hier um mehr gehen, als um simple Unterbringung möglichst vieler Studenten. Das Frankie & Johnny Projekt lebt auch von seiner Ästhetik. Die Wohnungen sind hell, strukturiert, die Gras und Pflanzenflächen sind genauso geplant, dass jeder Container im Grünen liegt. Es wird sogar einen eigenen Nutzgarten geben, irgendwo zwischen Nelly und Johnny, in dem die zukünftigen Anwohner Gemüse ziehen können.

Um sein Studentendorf möglichst ansprechend zu entwerfen, rief Jörg Duske einen Architektur-Wettbewerb aus. Der Entwurf, der jetzt realisiert wird, stammt vom Büro „Holzer Kobler“ aus Zürich. Es ist ein farbiges Konzept, das den Zuschlag fand. Das passt zum Projekt. Elf Millionen Euro betragen die Kosten, die Duske bis jetzt veranschlagt. Gut ausgegebenes Geld, denn Mieter für die Container zu finden, sollte in Berlin einfach sein.

Miete wie für eine kleine Wohnung

395 Euro soll einer der Container für eine Person monatlich kosten. Nicht nur Strom und Wasser sind in dieser Warmmiete inbegriffen. Wer hier wohnt, verfügt über 16 Megabyte schnelles Internet, über Waschmaschinen, Gemeinschaftsräume und das Angebot der Grünflächen zwischen den Häusern. Die Mindestmietzeit liegt bei einem halben Jahr. Das ermöglicht auch Austauschstudenten, hier ein Zuhause zu finden. „Über 100 Mails haben uns Interessenten bereits geschrieben“, sagt Duske. Er ist sichtlich stolz.

Auf Duskes T-Shirt steht außer seinem Namen: Chefsache, Infostelle. Dabei läuft die offizielle Bewerbungsfrist erst seit Sonnabend. Sollte es mehr Bewerber als Wohnräume geben, heißt es dann: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“ Wer schnell genug ist, wird schon bald die Chance haben, hier zu leben. An Interessenten fehlt es jedenfalls nicht.