Baustellen

Bau-Marathon in den Berliner Bahnhöfen

An den Gleisen wird im Sommer viel gearbeitet – nicht alle Sanierungen kommen zügig voran

Sommerzeit ist Baustellenzeit. Diese durchaus stressige Erfahrung machen in diesen Tagen nicht nur die Autofahrer. Auch an vielen Berliner Bahnhöfen wird derzeit repariert und modernisiert. Für Fahrgäste und Anwohner bedeutet dies nicht nur Lärm und Dreck, sondern auch Umwege. Die Deutsche Bahn wirbt um Verständnis für die vielen Sommerbaustellen, die notwendig seien, um die Leistungsfähigkeit des Netzes zu erhalten. Was viele Reisende indes ärgert, ist die lange Dauer vieler Bauprojekte – oft weit über den Sommer hinaus.

Bahnhof Friedrichstraße Der Bahnhof ist einer der wichtigsten Knoten im Berliner Schienenverkehrsnetz: Regionalzüge und S-Bahnen halten hier ebenso wie U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse, etwa 190.000 Fahrgäste steigen hier jeden Tag ein, aus oder um. Doch die große Bahnhofshalle, durch die fast jeder hindurchmuss, ist bereits seit mehr als einem halben Jahr eine Baustelle. Absperrungen aus Spanplatten versperren den Passanten vielfach den Weg, die dahinter versteckten Gerüste dienen jedoch vor allem ihrem Schutz. Denn im Dezember 2012 hatte sich ein 25 Kilogramm schweres Betonteil von der Decke gelöst und war in die stark frequentierte Halle gefallen.

Wie sich später herausstellte, war bei der von 1995 bis 1999 erfolgten Sanierung des Bahnhofs Beton im Auflagenbereich der Stahlträger für die Bahnsteigkonstruktion fest verbaut worden. Doch die Träger müssen sich frei bewegen können, um Temperaturschwankungen und Schwingungen der darüber fahrenden Züge auszugleichen. Bis heute ist unklar, ob Baupfusch oder Fehlplanung die Ursache dafür war. Seit Frühjahr wird die schwer erreichbare Trägerkonstruktion für die Regionalbahnsteige saniert, es geht jedoch nur sehr schleppend voran. Einige Baugerüste konnten inzwischen abgebaut werden, doch gerade die Mittelhalle ist noch immer zur Hälfte unzugänglich. Die betroffenen Geschäfte mussten schließen, die Zeit wird von den Inhabern genutzt, um sie zu renovieren. Den Plakaten nach wollen die ersten Läden im August wieder öffnen. Wie lange die Sanierung der Bahnhofsdecke noch dauert, darüber will die Bahn „in nächster Zeit“ informieren.

Bahnhof Gesundbrunnen Eine Dauerbaustelle ist auch der 2006 eröffnete Bahnhof Gesundbrunnen. Bereits im Februar wurde der Vorplatz des wichtigen Bahnknotens im Berliner Norden – dort halten nicht nur S- und U-Bahnen, sondern auch zahlreiche Regional- und Fernzüge – großräumig abgesperrt. Nach langem Zögern will die Bahn dort nun endlich für rund sieben Millionen Euro ein Empfangsgebäude errichten. Doch die Arbeiten gerieten schnell ins Stocken. Die Bahnhofsplatte, so hatte sich herausgestellt, erwies sich nicht als stabil genug, um das geplante Gebäude aus Glas und Stahl zu tragen. Seit dem 1. Juli wird nun der Hanne-Sobek-Platz Stück für Stück aufgestemmt, um die Betonkonstruktion zu verstärken. Ende Juli, so ein Bahnsprecher, soll mit dem eigentlichen Bau des Bahnhofs-Entrees begonnen werden. Ob das Gebäude, wie ursprünglich geplant, Anfang 2015 eröffnet werden kann, ist indes sehr fraglich. Nach heftiger Kritik hat die Bahn inzwischen einiges getan, um den Reisenden die Orientierung auf dem abgesperrten Bahnhofsvorplatz zu erleichtern. Kleine Schilder an den Bauzäunen weisen ihnen den Weg zu den Bahnsteigen und vor allem zu den wenigen nutzbaren Aufzügen, mit denen auch Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen zu ihren Zügen gelangen können.

Bahnhof Zoologischer Garten Der Verbesserung der Barrierefreiheit dient auch die Teilsperrung des S-Bahnsteigs im Bahnhof Zoologischer Garten. Eine Woche lang hält kein Zug auf dem Bahnsteig in Richtung Westen. Nahe der Bahnsteigkante werdenaktuell weiße Platten mit Rillen und Noppen eingebaut. Sie sind Teile eines Leitsystems, das Blinden und sehschwachen Menschen die Orientierung im Bahnhof erleichtern. Am Montag verlagert sich das Baugeschehen auf die andere Seite des S-Bahnsteigs. Dann werden eine Woche lang die Züge in Richtung Osten nicht am Zoo halten. Wer dennoch dort aussteigen will, fährt bis Hauptbahnhof und steigt dort in einen Zug, der in die Gegenrichtung fährt, um. Die Baumaßnahme gibt einen kleinen Vorgeschmack auf die seit Längerem geplante Grundsanierung des Bahnhofs. Ende 2012 hat der Vorstand der DB AG die Planungsmittel dafür freigegeben. Voraussichtlich Ende des Jahres fällt die Entscheidung zu Umfang und Zeitplan der Arbeiten.

Bahnhof Ostkreuz Eine Dauerbaustelle ist auch der Bahnhof Ostkreuz, an dem sich insgesamt acht S-Bahn-Linien begegnen. Bis zu 360.000 Reisende passieren täglich den Bahnknoten, der seit 2006 bei laufendem Betrieb komplett umgebaut wird. Gerade erst hat die Bahn mitgeteilt, dass die Arbeiten mindestens bis Ende 2017, und damit ein Jahr länger als zuvor geplant, dauern werden. Betroffen von den Verzögerungen sind insbesondere die Nutzer der S-Bahn-Linie 3, die nun bis Sommer 2017 zwischen Ostkreuz und Erkner im Inselbetrieb verkehrt. Auch die Verbindung der S-Bahn aus der Innenstadt zum Wissenschaftsstandort Adlershof und zum Flughafen Schönefeld wird erst im August 2017, und damit mehr als zwei Jahre später als geplant, in Betrieb gehen.

S-Bahnhof Hohenschönhausen Noch keine Baustelle, wohl aber ein Dauerärgernis ist der S-Bahnhof Hohenschönhausen. Der wichtige Haltepunkt an der Linie S 75 (Wartenberg–Westkreuz) dürfte den inoffiziellen Rekord für den am längsten defekten Fahrstuhl in der Hauptstadt halten. Bereits seit zehn Monaten, so berichten Fahrgäste, funktioniert der Fahrstuhl zum Gleis 4 nicht. Der 15 Jahr alte Aufzug weise irreparable Schäden auf, er soll nach etlichen Terminverschiebungen nun zum Jahresende ausgetauscht werden, so die Bahn.

Plangemäß will die Bahn 2013 weitere zehn S-Bahnhöfe stufenfrei zugänglich machen. Geplant sind dazu der Bau von Personenaufzügen an den S-Bahn-Haltepunkten Attilastraße, Birkenstein, Eichborndamm, Friedenau, Kaulsdorf, Alt-Reinickendorf, Betriebsbahnhof Schöneweide, Wilhelmsruh, Wildau und in Berlin-Buch. Im S-Bahnhof Buch muss dafür der Nebenausgang Wiltbergstraße für Fahrgäste gesperrt werden. Vom 5. bis 23. August können dort am Gleis 2 keine S-Bahnen halten.