Berliner helfen

Freundschaft statt Einsamkeit im Alter

Berliner helfen finanziert den Fahrdienst für den Verein „Freunde alter Menschen“. Ehrenamtliche begleiten Senioren zu Ausflügen

Endlich ist er da - der Sommer. Viele Berliner genießen die warmen Tage in der Stadt und im Umland, sie unternehmen Ausflüge, gehen baden oder einfach nur in die Eisdiele an der Ecke. Doch für hochbetagte Menschen, die in ihrer Mobilität oft eingeschränkt sind, kann diese schöne Jahreszeit zu einer tristen Zeit werden. Oft ist der Sommer nur noch in ihren Erinnerungen präsent.

„Ich war immer viel draußen, als ich jung war. Wasser war meine Welt.“, erzählt die Achtzigjährige Ilse S., während sie in einem Stapel Schwarz-Weiß-Fotos blättert und einige auf den Wohnzimmertisch legt. Auf den Fotos ist eine zierliche Frau, blond und im Badeanzug, zu sehen. Auch ihren Ehemann Lothar hat Ilse durch die Leidenschaft zum Wasser kennengelernt. „Ich war Schwimmerin und er Kunstspringer. Wir sind immer gemeinsam los. Unter der Woche habe ich im Blumengeschäft gearbeitet und am Wochenende sind wir raus an den See. Von früh bis spät waren wir dort. Und als unser Sohn Rüdiger kam, musste er gleich mit. Wir hatten großen Spaß und haben immer viel gelacht. Das war eine schöne Zeit.“, erzählt sie mit wehmütigem Blick auf die Fotos. Es ist still geworden in ihrem Leben geworden. Vor sechs Jahren ist ihr Lothar gestorben, und die Beine wollen auch nicht mehr wie früher. Seit zwei Jahren kann sie ohne fremde Hilfe das Haus nicht mehr verlassen. Dass sie trotzdem etwas unternehmen kann, hat sie dem Verein „Freunde alter Menschen“ zu verdanken. Er vermittelt ehrenamtliche „Freundschaften“ zwischen jungen Berufstätigen oder Studenten und Senioren, die alleine leben. Die Jungen besuchen ihre alte Freundin oder Freund, gehen mit ihnen spazieren, unternehmen etwas oder erzählen einfach nur aus ihrem Leben oder dem Stadtgeschehen.

Der ursprünglich in Frankreich gegründete Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Einsamkeit und Isolation alter Menschen zu durchbrechen und ihnen wieder mehr Lebensfreude zu schenken. In seiner Arbeit konzentriert sich der Verein mit Standorten in Kreuzberg und Mariendorf besonders auf hochbetagte Menschen, die nicht mehr sehr mobil sind. Regelmäßig werden Veranstaltungen und im Sommer vor allem Ausflüge organisiert „Das finde ich toll. Allein könnte ich ja gar nichts mehr machen“, meint Ilse S.

Ein spezieller Fahrdienst holt sie die anderen alten Menschen ab und bringt sie auch sicher wieder nach Hause. Finanziert wird er seit drei Jahren durch den Verein Berliner Helfen. „Der Fahrdienst ist für die Arbeit unseres Vereins unerlässlich. Die Finanzierung durch die Berliner Morgenpost ist für uns eine große Hilfe. Denn wir sind für unsere Arbeit im Wesentlichen auf Spenden angewiesen“, sagt der Geschäftsführer des Vereins Klaus Pawletko. So ging es mithilfe der Berliner Morgenpost in diesem Sommer bereits auf Dampferfahrt nach Potsdam und in den Britzer Garten. Weitere Ausflüge in den Treptower Park und in die Gärten der Welt sind geplant.

Der Verein „Freunde alter Menschen“ engagiert sich seit 1991 in Berlin für allein lebende hochbetagte Menschen. Viele von ihnen haben Freunde überlebt und wohnen weit weg von ihrer Familie. Die notwendige Versorgung und Pflege alter Menschen ist heute mehr oder weniger gut organisiert. Aber menschliche Nähe, Freundschaft und Zuwendung kann nicht durch Dienstleistungen ersetzt werden. Auch im Bereich der Demenz-Wohngemeinschaften haben sich die „Freunde alter Menschen“ einen Namen gemacht und 1995 die erste WG für Menschen mit Demenz in Deutschland organisiert. Unterstützung bei den Veranstaltungen erhält der Verein von seinen vielen Freiwilligen. „Wir sind eine Freiwilligenorganisation und unsere Arbeit können wir nur gemeinsam mit unseren vielen Freiwilligen realisieren.“, betont Klaus Pawletko.

Spannende Erinnerungen

Eine dieser Freiwilligen ist Robin Hong. Die 31-jährige Amerikanerin lebt seit fünf Jahren in Deutschland und suchte neben ihrem Beruf als Musikerin eine ehrenamtliche Tätigkeit. „Ich wollte mehr in Kontakt mit den Menschen und der deutschen Kultur und Geschichte kommen“, sagt Robin Hong. Jetzt hilft sie regelmäßig bei Veranstaltungen und Ausflügen und hat auch schon ein Konzert mit ihrer Bratsche im Kreuzberger Treffpunkt des Vereins gegeben. „Vor allem die Erzählungen der alten Menschen aus ihrem Leben, ihre Erfahrungen aus den Kriegszeiten und wie es in Berliner früher einmal gewesen ist, finde ich spannend.“, erzählt sie. „Besonders weil ich keine Großeltern mehr habe.“