Debatte

„Macht mehr Reklame für den Tierpark“

Zahlreiche Leser debattieren eine mögliche Schließung des Tierparks. Der Förderverein der Hauptstadtzoos veranstaltet nun Zukunfts-Dialoge

Die Situation im Tierpark Berlin erhitzt die Gemüter, seitdem der FDP-Bundestagsabgeordnete Lars Lindemann Ende Juni die Schließung des 1955 eröffneten Tierparks in Friedrichsfelde gefordert hat. Im Berliner Abgeordnetenhaus aber ist davon gar keine Rede – im Gegenteil: Das Land will die Einrichtung weiter fördern – aktuell ist ein Zuschuss von je 6,22 Millionen Euro für 2014 und 2015 vorgesehen, dazu kommen Investitions- und Lottomittel ebenfalls in Millionenhöhe. Allerdings kritisieren zahlreiche Berliner Parlamentarier, dass die Geschäftsführer Bernhard Blaszkiewitz und Gabriele Thöne immer noch kein tragfähiges Zukunftskonzept für den Tierpark, seine 193 Mitarbeiter und mehr als 7359 Tiere vorgelegt haben. Nun greift der Förderverein von Tierpark und Zoo die Idee der CDU-Abgeordneten Danny Freymark und Alexander J. Herrmann auf, Dialog-Abende parallel zur Masterplanung für den Tierpark auszurichten. „Wir brauchen eine neue Qualität in der Diskussion, um den Tierpark für die Zukunft stark zu machen. Er muss wieder in der Mitte der Gesellschaft verankert sein“, sagte Thomas Ziolko, Vorsitzender vom Förderverein. Der erste „Zukunfts-Dialog“ findet am Donnerstag, dem 1. August, um 18 Uhr im Schloss Friedrichsfelde im Tierpark statt. Thema ist die Service-Qualität. „Wir suchen Vorschläge, die sofort bis mittelfristig den Service stärken können“, so Ziolko. Später würden Sponsoring, Spenden, Werbung und Veranstaltungen diskutiert. Der Verein möchte Vertreter aus der Politik und Wirtschaft einbinden sowie die Besucher. Ziel ist es, viele Unterstützer für den Tierpark zu gewinnen. In der Debatte über eine mögliche Schließung des Tierparks haben sich zahlreiche Leser der Berliner Morgenpost zu Wort gemeldet. Die Debatte:

Der Tierpark ist ein Park der Superlative, nur erfährt es der Besucher nicht. Durch gezielte Wegeführung mit Hinweisen auf besondere Höhepunkte würde der Tierpark sehr gute Eigenreklame betreiben. Und eine Million Besucher sind für einen langweiligen und abgelegenen Tierpark doch beachtlich. Die Gehege sind für die Besucher recht langweilig, jedoch für die Tiere gibt es generell mehr Platz als im Zoo. Schauen wir optimistisch in die Zukunft, der Tierpark hat ein sehr gutes Potenzial, lasst es uns nutzen.

Karl, auf morgenpost.de

Der Tierpark gehört zu Berlin genau wie der Zoo. Der Tierpark sollte nicht totgeredet werden, sondern endlich Konzepte entwickelt werden, damit die Umsätze steigen. Wenn der Zoo doch keine Zuschüsse benötigt, so kann der Tierpark gefördert werden. Wenn die Geschäftsführung nicht in der Lage ist, die Verhältnisse zu ändern, so muss sie ausgetauscht werden. In Berlin wird alles, was die Berliner lieben, vernichtet. Erst der Tempelhofer Flughafen, der bestimmt erhalten hätte werden können. Die Deutschlandhalle, die angeblich nicht mehr ausgereicht hat. Jetzt ist das ICC im Gespräch, um es zu vernichten. Wann begreifen die Berliner Politiker, die immer noch in der Vergangenheit leben, endlich, dass sie Volksvertreter sind, und nicht ihre eigenen Interessen vertreten sollen? Jede Stadt der Erde wäre froh, wenn sie so einen schönen Tierpark hätte.

Karl-Heinz Hoffmann, per E-Mail

Natürlich „braucht“ Berlin den Tierpark Friedrichsfelde nicht. Berlin „braucht“ auch den Zoo nicht. Beide Einrichtungen sind so unterschiedlich und so „nötig“ wie Hertha und Union, Komische Oper und Deutsche Oper, Gorki-Theater und Schaubühne. Ja, Zoo und Tierpark sind Luxus, der Tierpark zudem ein teurer Luxus (wie Opernhäuser und Museen auch). Aber wir sollten uns diesen Luxus leisten. Anstatt die unsinnige Frage zu stellen, ob wir den Tierpark brauchen, sollten wir also lieber dafür werben, dass mehr Berliner und Berlin-Besucher diese leider abseits der Verkehrsströme gelegene, wunderschöne Einrichtung besuchen, ohne dass diese dafür ihre Eigenart (um nicht zu sagen: Einmaligkeit) verliert.

Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann, Schöneberg

Berlin sollte sich wirklich Zoo und Tierpark erlauben. Beide Anlagen weisen einen hohen Wert auf für Bürger und Touristen. Und wenn der Tierpark umfunktioniert würde, welche Unsummen kostet das? Was wird an Provisionen gezahlt werden für Entwürfe und Auftragsvergaben? Mit derlei Beträgen kann auch etwas subventioniert werden, auch etwas modernisiert werden. Auch an die Betriebswirtschaft sollte gedacht werden.

wpev, auf morgenpost.de

Die Diskussionen über den Tierpark bedrücken unsere gesamte Familie. Der Tierpark ist eine wahrhafte Idylle in unserer hektischen Metropole Berlin, er ist einzigartig. Natürlich ist alles auch ein finanzielles Problem. Eintrittspreise zu erhöhen ist nicht der richtige Weg. Mehr Besucher müssen angelockt werden. Aber wie? Ich erinnere mich noch sehr gut daran, welche einmalige Anziehungskraft die Berliner Buddy Bären auf die Touristen und Berliner hatten, als sie auf dem Bebelplatz ausgestellt waren. Dieses Besondere – alle Länder der Welt vereint zusammen – wäre doch für den Tierpark eine Überlegung wert.

Familie Kurt Scheibert, Hellersdorf

Bitte, lasst uns den Tierpark, für Familien, die einfach mal einen Tag toll verbringen möchten, ist dieser Park doch ideal. Macht einfach mehr Werbung, dann kommen auch die Besucher.

Vicy, auf morgenpost.de

Abgesehen davon, dass die Zoo-Haltung von Tieren ganz einfach Tierquälerei zur Volksbelustigung ist, sollte man den Tierpark entweder schließen oder mangels tragfähiger Besucherzahlen privatisieren. Wenn der Tierpark eine Zukunft haben könnte, wird ein renditeorientierter Investor das Geschäft machen. Mit Bildung, Forschung und Wissenschaft hat das ganze Tierparkunwesen sowieso nichts mehr zu tun.

Wolfram Eschenbach, auf morgenpost.de

Sicher könnte man auch das ICC abreißen, den Funkturm absägen, und es finden sich noch diverse andere Leuchttürme, die nur unnütz Geld kosten. Ich bin eher selten im Tierpark gewesen, finde aber, dass wir diese Einrichtung nicht aufgeben sollten. Eine sinnlose Brache à la Tempelhof reicht mir eigentlich. Und es geht ja hier nicht um ein Luftschloss, sondern darum, Gewachsenes zu erhalten. Die Besucherzahlen müssen nicht identisch sein, wenn beide Einrichtungen zusammen sich tragen.

Rainer Girbig, per E-Mail

Anstatt dass wir uns in Berlin freuen, etwas Besonderes zu haben, etwas, was es so nirgends auf der Welt gibt, machen wir uns Gedanken, wie wir es kaputtreden können. Das gelingt natürlich am einfachsten mit dem „Totschlagargument“ Kosten. Aber Politiker und Führungspersönlichkeiten bekommen ihr Geld nicht nur dafür, wenn ein Objekt Probleme bereitet, es mit dem Argument ‚zu teuer‘ abzuschaffen. Vielmehr sind sie gefordert, Ideen zu entwickeln, wie Kosten eingespart werden können oder zusätzliche Einnahmen erzielt werden können, damit so interessante Dinge wie zum Beispiel. der Tierpark am Leben gehalten werden können. Ein autoritär denkender Mann wie Herr Blaszkiewitz ist total ungeeignet, hierzu seine Meinung abzugeben. Führung ohne Konsens ist unmöglich!

Werner Otto, Lichtenrade

Die Argumente für eine Schließung des Tierparks sind doch sehr ärgerlich. Der Erholungswert dort ist doch wesentlich höher als im Zoo, und weit draußen ist er auch nicht. Vom Zoo sind es nur 35 Minuten mit der Bahn. Um mehr Besucher anzuziehen, sollte der Tierpark viel mehr Reklame machen mit seinem Tierbestand, der einige Kostbarkeiten zeigt: drei Takinarten, viele verschiedene Hirsche, als Neuheit Giraffengazellen, Afrikanische Elefanten und viele vom Aussterben bedrohte Katzen und so weiter. Dabei könnten die Medien auch helfen, statt ständig negativ zu berichten.

Bärbel Kusserow, auf morgenpost.de

Die große Bedeutung des Tierparks Berlin für den Artenschutz ist für die meisten Besucher auf den ersten Blick nicht erkennbar. Bereits seit seiner Gründung im Jahre 1955 stand der Tierpark unter der Leitung eines Zoologen, Prof. Dr. Heinrich Dathe, der nicht nur einen Zoo für den Ostteil Berlins schaffen wollte, sondern von Anfang an auch die Zucht und Erhaltung zahlreicher Tierarten beabsichtigte, die von der Ausrottung durch den Menschen betroffen sind. So zeigte mir ein Kollege aus der Leitung des Tierparks vor 1990 eine Herde der seltenen Saiga-Antilopen, der einzigen europäischen Antilopenart, die dem Publikum aber nicht gezeigt wurde, weil diese Steppentiere äußerst schreckhaft sind und beim Anblick vieler Menschen in den Zaun des Geheges gerannt wären. Wenn wir kommenden Generationen seltene Tierarten nicht nur ausgestopft oder in Alkoholpräparaten im Naturkundemuseum zeigen wollen, brauchen wir weltweit Einrichtungen wie den Tierpark Berlin. Der unter der Leitung des Zoologen Dr. Blaszkiewitz in der Tradition des Tierparks praktizierte Artenschutz verdient höchste Anerkennung durch die Bürger und Politiker Berlins und ganz Deutschlands, aber nicht kleinliches Gezänk um Besucherzahlen. Wer aus dem Tierpark eine Art Disneyland machen will, hat nicht begriffen, dass die biologische Uhr auf dieser Erde bereits wenige Minuten vor Mitternacht steht. Die großen, weitläufigen Gehege des Tierparks erfordern sicherlich längere Wege, sie ermöglichen es den Besuchern aber auch in besonderem Maße, Tiere in ihrem natürlichen Verhalten zu beobachten. Der Zoo Berlins eignet sich hervorragend dafür, Besuchern und insbesondere Touristen einen schnellen Überblick über die Tierwelt zu verschaffen. Beide Einrichtungen, Tierpark und Zoo, haben ihre jeweiligen Aufgaben und beide sollten weiterhin – so wie sie sind – erhalten bleiben und gefördert werden.

Dr. rer. nat. Joachim R. Walther, Diplombiologe (Zoologe), per E-Mail

Ich finde, der Zoo ist für Touristen gedacht, die viel in kurzer Zeit sehen wollen. Aber für die Menschen, die in der Stadt wohnen und arbeiten, eignet sich der Tierpark für das Entspannen am Wochenende doch eher. Zum Beispiel als Tagesausflug an einem schönen Sommertag. Während der Zoo eher das Hektische der Stadt widerspiegelt.

Lüfter,auf morgenpost.de

Ich frage mich als Berliner, warum ich im Moment überall Werbung vom Zoo in Leipzig in der Stadt sehe, aber keine Werbung für den Berliner Tierpark? Auch habe ich anderswo schon geschrieben, dass es an den überteuerten Eintrittspreisen liegt, dass kein Normalverdiener es sich mehr leisten kann, in den Tierpark oder in den Zoo zu gehen. Der Grund, weshalb der Zoo mehr Besucher hat, liegt einfach daran, dass er mitten in der Stadt liegt und von den Touristen förmlich überrannt wird. Würde man die Eintrittspreise senken, würden auch wieder viel mehr Besucher in den Tierpark kommen, denn gerade bei den Berlinern ist der doch wesentlich beliebter. Mehr Besucher würde im Umkehrschluss auch mehr Einnahmen bedeuten. Ich bin dafür, den Tierpark zu erhalten und über diese Art der Finanzierung einmal nachzudenken, und wenn es nur als Pilotprojekt für ein Jahr läuft. Wenn ich mir die ganze Diskussion der letzten Jahre aber anschaue, dann scheint es mir, der Tierpark soll mit Absicht in den Ruin geführt werden.

Miry, auf morgenpost.de

Ich weiß gar nicht, wann ich als Zugezogener von der Existenz des Tierparks erfahren habe, hat aber ziemlich lange gedauert. Man könnte sicher viele Touristen dort hinlocken, wenn sie nur davon wüssten. Vom Alexanderplatz ist man in 16 Minuten mit der U-Bahn dort. Die meisten Touristen, vor allem jüngere, wohnen ohnehin eher im Osten der Stadt beziehungsweise im historischen Zentrum.

Nico Thien, auf morgenpost.de

Die Leserbriefe werden auch im Internet auf www.morgenpost.de veröffentlicht. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe zu kürzen.