Zwischenzeugnis

Wenn es aus der Wand tropft

Frau Freitag arbeitet in Berlin an einer Sekundarschule und berichtet aus ihrem Alltag

Klingelingeling, klingelingeling, klingelingeling.“ Äh? Das Telefon! Es ist 7.30 Uhr! Wer ist denn um diese Uhrzeit schon wach? „Ja, hallo?“ „Tachchen, Müller, Hausverwaltung, Sie hatten gestern angerufen, weil Sie einen Schaden in Ihrer Wohnung haben.“ „Ah, ja, ja, das stimmt. Hier läuft Wasser im Badezimmer. Also aus so einem Dings an der Wand.“ „Aus der Wand?“ „Nein, da ist so ein silbernes Teil, also zwei sind das. Und aus dem einen läuft Wasser. Das läuft in so ein Auffangdings rein, aber ich habe Angst, dass es irgendwann in die unteren Wohnungen läuft. Na, Sie wissen schon.“ „Ist dieses Dings unter der Decke?“ „Ja, genau. Ziemlich weit oben.“ „Und welche Seite ist es? Also, ist das Wasser warm oder kalt?“ „Heißes Wasser.“ „Dann gehe ich recht in der Annahme, dass es sich um die linke Seite handelt?“ „Ganz genau.“ Der Typ kennt sich aus, ich bin begeistert.

„Dann sage ich Ihnen jetzt mal, was das ist. Ihr Warmwasserstrangentlüftungsventil ist undicht. Da sind so kleine Kügelchen drin, und wenn das Ventil verstopft ist, dann kommt da Wasser raus.“ „Aha. Ist das schlimm?“ „Ja, das muss gemacht werden, denn irgendwann, wenn es ganz verstopft ist, kommt da sehr viel Wasser. Das läuft dann die Wand runter, und dann haben Sie den Salat.“ „Okay, verstehe. Was machen wir denn nun?“ Wir – mitgehangen, mitgefangen –, die Verstopfung ist jetzt auch sein Problem. „Na, Frau Freitag, Sie haben doch da so eine Nummer, vom Reparaturservice der Hausverwaltung.“ „Hä?“ „Die kam Anfang des Jahres. Müssten Sie haben.“ „Hab ich nicht. Haben Sie die Nummer?“ „Hab ich.“ „Könnten Sie mir die geben?“ „Kann ich!“ Ich hole mir einen Stift.

„Also, aufgepasst. Kostet nur sechs Cent aus dem Festnetz. Rufen Sie nicht vom Handy aus an, das könn’ Sie vergessen, Festnetz sechs Cent, egal, wie lange der Anruf dauert.“ „Festnetz, wird gemacht!“ Er diktiert mir die Nummer, dann schlägt er vor, selbst anzurufen, da er ja genau beschreiben könne, was kaputt sei, und mehr Autorität bei der Reparaturserviceeinheit habe als ich poplige Mieterin. Allerdings müsse ich ja einen Termin vereinbaren, darum solle ich dann doch lieber selber anrufen.

„Ja, hallo, Freitag mein Name, ich habe da ein Problem. Ich habe ein undichtes Warmwasserstrangentlüftungsventil. Seit Tagen läuft da heißes Wasser raus.“ „Wie jetzt?“ Die Frau hat keine Ahnung, wahrscheinlich ein Callcenter. „Das Warmwasserstrangentlüftungsventil ist kaputt und muss ausgetauscht werden. Links.“ Deutlicher kann man mein Problem eigentlich gar nicht in Worte fassen. „Sie meinen, der Hahn tropft? Oder meinen Sie den Überlauf?“ „Na, ich meine die Warmwasserstrangentlüftung. Dieses Dings unter der Decke.“ „Ah, ich glaube, ich weiß, was Sie meinen. Haben Sie schon mit dem Hauswart gesprochen?“ „Ja, eben, der meinte, ich soll Sie anrufen.“ „Ja, also, ich müsste erst mal wissen, ob der das repariert, bevor ich eine Firma beauftrage.“ Wir einigen uns, dass sie sich erkundigt, und ich warte. Falls jemand in die Wohnung muss.

Um kurz vor acht klingelt das Telefon wieder. Mein Freund geht ran. Nach zehn Minuten kommt er in die Küche: „Oh Mann. Ich konnte dem gar nicht richtig erklären, was kaputt ist.“ „Na, das Warmwasserstrangentlüftungsventil. Hatte ich doch aufgeschrieben.“ „Hab ich nicht gesehen. Der Typ meinte dann, ob das so ’ne Chrom-Schniepel sind, die da oben aus der Wand kommen.“ Schniepel! Was ist das für eine komische Reparaturfirma, die nicht mal die Fachbegriffe ihrer eigenen Branche kennt? Na, Hauptsache, die können reparieren. Und das Tropfen hört auf. Heute Nachmittag schicken die jemanden her.