Hass-Song

Klaus Wowereit stellt Strafanzeige gegen Bushido

Der Hass-Song des Rappers soll verboten werden

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen den Rapper Bushido gestellt. Das bestätigte die Senatskanzlei auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Demnach fühlt sich der SPD-Politiker durch den Song „Stress ohne Grund“ bedroht, den Bushido und der Künstler Shindy veröffentlicht haben. Dies gilt auch für den FDP-Bundestagsabgeordneten Serkan Tören, der ebenfalls in dem Song genannt wird. Er hat eine Strafanzeige gegen Bushido aus dem Ausland per Fax bei der Staatsanwaltschaft gestellt, bestätigte sein Büro. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte: „Dieses Video überschreitet alle Grenzen. Das ist jetzt ein Fall für die Justiz.“

Doch nicht nur Politiker setzen sich zur Wehr gegen die gewaltverherrlichenden Passagen in Bushidos neuestem Song. Auch die Indizierungsstelle in Bonn ist inzwischen aktiv geworden. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien untersucht, ob der Hass-Song auf den Index gesetzt wird. Danach dürfte er nicht mehr an Minderjährige verkauft und allgemein öffentlich beworben werden. „Einen entsprechenden Antrag hat das Bundesministerium für Familie und Jugend eingereicht und ersucht, die CD und das im Internet noch einsehbare Video zu verbieten“, sagte Elke Monssen-Engberding, Vorsitzende der Indizierungsstelle. Bevor die Bundesprüfstelle aber entscheiden kann, muss sie die Beschuldigten anhören. Per Fax seien Bushidos Musiklabel sowie die Vertriebsfirma für die CD und das Video aufgefordert worden, bis heute Abend zu dem Antrag der Bundesbehörde Stellung zu nehmen.

Rechtswirksam wird eine Entscheidung aber erst mit der Veröffentlichung im Bundesanzeiger. Der erscheint am 22.Juli. Die Behörde sperrt beispielsweise Lieder, die zu Gewalt aufrufen oder Menschen wegen ihres Geschlechts oder der sexuellen Neigung diskriminieren. So heißt es unter anderem in Bushidos Song: „Halt die Fresse, fick die Presse … du wirst in Berlin in deinen Arsch gefickt wie Wowereit“ und weiter: „Ich schieß auf Claudia Roth, und sie kriegt Löcher wie ein Golfplatz.“ Über den FDP-Politiker Tören wird getextet: „… und ich will, dass Serkan Tören jetzt ins Gras beißt“.

Die Zeilen haben eine heftige Debatte ausgelöst. So fordert der Schlagersänger Heino: „Der Mann muss in seiner kriminellen Energie dringend gestoppt werden. Bushidos Lieder sind in meinen Ohren menschenverachtend.“ Heino hatte bereits vor zwei Jahren protestiert, als Bushido einen Bambi verliehen bekam.

Der Polizeiliche Staatsschutz prüft derzeit die strafrechtliche Seite der von Bushido verwendeten Texte auf der CD sowie im Video. „Die Ermittlungen beziehen sich auf den möglichen Tatverdacht der Volksverhetzung, Beleidigung sowie der Aufforderung zu einer strafbaren Handlung“, so ein Polizeisprecher.

Keine Entschuldigung

Unterdessen äußerte sich Bushido am Montag in einem Interview mit dem Nachrichtensender N24. Der Rapper relativierte seinen Songtext in dem Gespräch, stellte aber klar, dass er sich nicht für die gewählten Worte entschuldigen wolle. „Ich möchte klarstellen, dass es auf keinen Fall ein Aufruf zu Gewalt sein soll. Es ist natürlich provokant. Ich habe die Mittel genutzt, die mir als Rapper zur Verfügung stehen“, sagte Bushido. „Ich glaube, ich bin ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen, aber ich werde mich auf gar keinen Fall entschuldigen.“ Als Motiv für den Text führte er an, dass die Politiker Roth und Tören ihn „schon öfter öffentlich als Antisemit und Prollarschloch betitelt“ hätten. „Das ist jetzt meine Retourkutsche“, sagte Bushido. „Wenn ich überhaupt schieße, dann nur mit Wörtern.“ Gleichzeitig freute sich der Rapper über die Werbung für ihn durch den Skandal.