Bauarbeiten

Sommer am Gleis

Bauarbeiten behindern an vielen Stellen den S-Bahn-Verkehr. Erst ab 5. August können die Züge wieder über den Südring fahren

Der Ring der Berliner S-Bahn ist zurzeit nur ein Dreiviertelkreis. Seit drei Wochen schon fehlt dem 37 Kilometer langen Schienenoval, das von den Zügen in exakt einer Stunde umrundet werden kann, ein wichtiges Stück: Im Südwesten ist der Zugverkehr zwischen Bundesplatz und Südkreuz komplett unterbrochen. Zehntausende S-Bahn-Nutzer müssen in Busse umsteigen, die als Ersatz fahren. Das ist nicht nur unbequem, es kostet vor allem Zeit – bis zu 15 Minuten mehr müsse man für den Arbeitsweg einplanen, berichten Fahrgäste, die täglich auf die Ringbahn angewiesen sind.

Ingulf Leuschel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Berlin, kann den Ärger vieler S-Bahn-Kunden nachvollziehen. Doch er bittet um Verständnis: „Die Ringbahn ist eine der am stärksten beanspruchten S-Bahn-Strecken, nach 20 Jahren sind die Gleisanlagen am Ende und müssen einfach erneuert werden.“ Analog zum Straßenbau würde auch die Bahn versuchen, einen Großteil der notwendigen Instandhaltungsarbeiten möglichst in die Schulferien zu legen. „Da sind weniger Berufspendler betroffen und der Ersatzverkehr lässt sich leichter organisieren“, so Leuschel. In der Bundeshauptstadt investiere die Bahn in diesem Jahr immerhin 266 Millionen Euro. „Damit sind wir nicht nur der größte Arbeitgeber in der Stadt, sondern auch einer der größten Investoren“, sagt Leuschel. Ein verbaler Seitenhieb auf die Kritiker insbesondere beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), die der Bahn immer wieder mangelnde Bereitschaft zur Modernisierung ihrer Infrastruktur vorwerfen. „Gerade eine Langsamfahrstelle gibt es derzeit im Berliner S-Bahn-Netz, weniger ist im Alltag kaum machbar“, hält Leuschel selbstbewusst dagegen. Als Langsamfahrstellen werden Abschnitte im Schienennetz bezeichnet, die von den Zügen aufgrund von Baumängeln nicht mit der eigentlich zulässigen Höchstgeschwindigkeit befahren werden dürfen. Bei der S-Bahn ist dies aktuell am Hauptbahnhof bei der Überfahrt über die Brücke am Humboldthafen so. Doch auch diese Langsamfahrstelle, so betont Leuschel, werde bis Jahresende beseitigt sein.

Zeit für den „Feger“

Damit solche Langsamfahrstellen gar nicht erst entstehen, wird das Streckennetz nach vorgeschriebenen Intervallen kontrolliert und erneuert. Am Südring wird zwischen Bundesplatz und Südkreuz bereits seit 21. Juni gebaut. Ein insgesamt 2,1 Kilometer langer Streckenabschnitt wird erneuert. Das heißt nicht nur der Austausch von Schwellen und Schienen. Auch das Schotterbett wird frisch aufgeschüttet und die Sicherheitstechnik instand gesetzt.

Noch bis 5. August sollen die insgesamt 4,5 Millionen Euro teuren Arbeiten dauern. Zeit also für eine Halbzeit-Bilanz. Die gute Nachricht aus Sicht der Fahrgäste: „Wir liegen gut im Zeitplan“, wie Gabriele Neumann, Projektleiterin von DB Netz, sagte. Was durchaus keine Selbstverständlichkeit für das Bauvorhaben ist. Denn wie so häufig bei Sanierungsarbeiten gab es auch am Südring Überraschungen. Eine davon war, dass die Gummimatten, die unter dem Schotter liegen, an vielen Stellen kaputt gegangen sind. Diese Matten haben gleich zwei wichtige Funktionen: Sie sollen einerseits die darunter liegenden Brückenteile aus Stahl vor Nässe und damit vor Korrosion schützen. Zum anderen dämpfen die fingerdicken Gummilagen auch den Lärm, den die tonnenschweren Züge beim Drüberfahren verursachen. Der komplette Austausch der Matten musste kurzfristig organisiert werden. Für eine weitere Verzögerung sorgte der Diebstahl von wichtigen Buntmetallen – trotz ständiger Bewachung der Baustelle. „Erst vorige Woche waren bei uns Diebe zugange“, berichtet Projektleiterin Neumann.

Inzwischen konnte der Zeitverzug an der Südring-Baustelle wieder aufgeholt werden. „Durch den Einsatz von mehr Arbeitern und mehr Maschinen“, sagte Andreas Hempel, Bauleiter der mit den Arbeiten beauftragten Firma Balfour Beatty Rail. Bis zu 45 Arbeiter sind derzeit am Südring in zwei Schichten im Einsatz. Nachtschichten, die ein noch schnelleres Bautempo ermöglicht hätten, seien vom Senat aus Lärmschutzgründen bis auf einigen Ausnahmen untersagt worden.

Auf dem rund 800 Meter langen zweigleisigen Abschnitt zwischen den Bahnhöfen Südkreuz und Schöneberg sind inzwischen die neuen Schienen und Schwellen größtenteils verlegt. Jetzt haben der „JumboTec“ und der „Feger“ ihren großen Aufritt. „JumboTec“ ist ein 28 Meter langes und 76 Tonnen schweres Ungetüm, das die Gleise genau in die richtige Position legt und dafür den Schotter richtig durchrüttelt.

Als „Feger“ bezeichnen die Gleisbauer die Maschine, die anschließend das Schotterbett planiert. Gut zu erkennen an der großen Staubwolke, die sie ständig begleitet. Nebenan montieren die Arbeiter bereits die Stromschiene und die Sperren, ohne die die S-Bahn in Berlin nicht fahren kann. Ab kommenden Montag kann die S-Bahn zumindest wieder einen Pendelzug im Zehn-Minuten-Takt zwischen Südkreuz und Schöneberg fahren lassen. Zwischen Schöneberg und Bundesplatz heißt es allerdings weiter: umsteigen in Busse. Beschwerden habe es vor allem zu deren Linienführung gegeben, so ein Bahnsprecher. So müssten die Busse etwa über Rheinstraße/Kaisereiche fahren, ein Straßenzug, der häufig zugestaut ist. Alternativen Routen, etwa durch häufig zugeparkte Anwohnerstraßen, würden allerdings auch nicht schneller sein, heißt es von der Bahn.

Ab 5. August, so verspricht die Bahn, wird der S-Bahn-Ring wieder komplett befahrbar sein. Auch die S45 (Flughafen Schönefeld – Südkreuz), S46 (Königs Wusterhausen – Westend) und S47 (Spindlersfeld – Hermannstraße) können dann wieder ohne Einschränkungen fahren. Es wird allerdings nicht die letzte Sperrung am Südring sein. Bei den aktuellen Arbeiten wurden Schäden an der Brücke über der Gotenstraße in Schöneberg entdeckt. Die sollen dann 2016 oder 2017 beseitigt werden.