Gedenken

Hinter den Splitterschutzgräben auf dem Tempelhofer Feld

Gedenktafeln zur Geschichte des Areals enthüllt

Der Direktor der Gedenkstätte Topographie des Terrors, Andreas Nachama, hat am Mittwoch vor dem Flughafengebäude am Platz der Luftbrücke zwei weitere Tafeln zur Geschichte des Areals enthüllt. Sie erinnern an die Anfänge der Luftfahrtgeschichte zu Beginn des 20.Jahrhunderts unter anderem mit dem Bau der legendären Zeppelin-Luftschiffe. Bereits vorhandene Tafeln verweisen auf die Terrorherrschaft der Nazis oder Tempelhof als Ausreisepunkt von Flüchtlingen.

Auch die Besucher, die sich an dem roten Infohäuschen am Columbiadamm versammelt haben, sind nicht gekommen, um zu entspannen. Aufmerksam hören sie Reinhard Bernbeck, dem Archäologie-Professor der Freien Universität, zu, der von düsteren Zeiten aus der Flughafengeschichte berichtet. Zu Nazi-Zeiten war das Tempelhofer Areal ein Zentrum der Rüstungsindustrie, sagt er. Auch ein Zentrum des Terrors, denn 1934 entstand am Rande des Flugfelds eines der ersten Konzentrationslager überhaupt. Während des Zweiten Weltkrieges mussten Zwangsarbeiter dort Flugzeuge produzieren.

Beim ersten Stopp am Rande des Softballfeldes in der Nähe des Columbiadamms zieht der Wissenschaftler große Fotos aus einer Aktentasche: Linien, die auf einem Luftbild zu sehen sind, zeigen die Umrisse des früheren Zwangsarbeiterlagers der Weser Flugzeugbau GmbH. Um zu wissen, wo sie graben müssen, plotten die Archäologen historische Luftaufnahmen der Royal Air Force auf neue Luftbilder. Entlang des Columbiadamms hatte die Weser Flugzeugbau mehr als 15 Baracken aufgestellt, in denen die meist aus Osteuropa stammenden Zwangsarbeiter auf engstem Raum zusammenlebten.

Beim zweiten und dritten Stopp des Archäologie-Rundgangs geht es um frühere Splitterschutzgräben. Die Forscher haben den Betonboden und den Eingang eines solchen Splitterschutzgrabens freigelegt. Darin sei nur Platz zum Stehen gewesen, die Zwangsarbeiter hätten bei Bombenangriffen dicht gedrängt gestanden, so Bernbeck – auch das ein Beleg für die Rassenideologie der nationalsozialistischen Partei. Dicht an der Oberfläche fanden die Forscher Stücke, die vom Lageralltag erzählen. Beispielsweise ein Stück eines besonders engmaschigen Stacheldrahtzauns.

Einen letzten Halt legt die Gruppe vor einer rechteckigen Grabungsfläche gegenüber dem heutigen Polizeigebäude am Columbiadamm ein. Hier befand sich früher ein Militärarrestgebäude aus Kaiserzeiten, das auch noch von Nazis genutzt wurde.

Weitere Informationen: www.ausgrabungen-tempelhof.de ; Führungen jeden Freitag, 15 Uhr, Treff am roten Info-Häuschen/Eingang Columbiadamm (neben der Mauer des Columbia-Friedhofs)