Stadtplanung

Teures Pflaster

Am Zeltinger Platz in Frohnau entstehen drei neue Zebrastreifen – nach jahrelanger Debatte

Die Straßen rund um den Zeltinger Platz sind nicht nur stark befahren. Sie sind auch seit Jahren Anlass für eine Debatte, in der Interessen der Autofahrer mit denen von Anwohnern kollidieren. Viele Fußgänger klagten immer wieder darüber, dass die Überquerung der Straße ein Sicherheitsrisiko darstelle. Nun scheint eine Lösung gefunden: Drei neue Zebrastreifen sollen entstehen. Doch der Plan sorgt schon wieder für Streit. Denn die Umbauarbeiten werden nicht nur weitreichende Folgen für den Verkehr haben, sondern auch richtig teuer werden: Das Tiefbauamt hat Kosten von rund 240.000 Euro errechnet.

Bezirksstadtrat Martin Lambert (CDU) blickt deshalb auch mit gemischten Gefühlen auf das, was da in seinem Bezirk geschieht. Zudem sollen nämlich Kosten in sechsstelliger Höhe entstehen, weil zwei Bushaltestellen umgesetzt und neue Regenwasserleitungen verlegt werden müssen. Die Verkehrslenkung, eine Landesbehörde, die zur Senatsverkehrsverwaltung gehört, hat den Umbau angeordnet. „Dem müssen wir jetzt Folge leisten“, sagt Bezirksstadtrat Lambert.

Im Detail sieht die Verordnung der Senatsverwaltung einen Zebrastreifen vor, der von dem am Zeltinger Platz gelegenen Supermarkt Reichelt zur Platzmitte führt. An dieser Stelle soll die Fahrbahn auf eine Spur verengt werden, die Breite schrumpft von mehr als zehn auf vier Meter. Der Eingriff hat baurechtliche Gründe: Denn seit 1984 erlaubt die Verkehrsverordnung Übergänge nur noch an einspurigen Fahrbahnen. Es besteht sonst die Gefahr, dass überholende Fahrzeuge Fußgänger gefährden könnten. Die Finanzierungszusage der Senatsverkehrsverwaltung steht, sagt der Bezirksstadtrat.

Kein Probebetrieb möglich

Einige Anwohner befürchten nun allerdings, dass es zu Staus kommt und dass die Autofahrer auf Umwege durch die Wohngebiete ausweichen. „Wir haben große Sorge deshalb“, sagt der Frohnauer Frank Marten, der auch Mitglied im Verkehrsausschuss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) ist. „Es herrscht jetzt schon starker Verkehr auf dem Kasinoweg und in den kleinen Seitenstraßen.“ Deshalb habe man einen Probebetrieb vorgeschlagen, um auszuprobieren, wie sich die Zebrastreifen auswirken, bevor man solche großen Geldsummen in die Hand nehme und verbaue. Man hätte Linien auf der Straße ziehen und Blumenkübel als Begrenzung aufstellen können, meint der CDU-Verordnete. „Das ist für ein paar tausend Euro wieder abgeräumt und beseitigt, wenn es nicht funktioniert.“

Viele Bezirkspolitiker sind jedoch erleichtert, dass es für Fußgänger endlich eine Verbesserung am Zeltinger Platz geben wird. „Ich begrüße es sehr, dass die Zebrastreifen angelegt werden“, sagt der SPD-Bezirksverordnete Klaus Teller. „Der Reichelt-Markt und die Postfiliale müssen irgendwie für Fußgänger erreichbar sein.“ Die Umbauten, etwa die Fahrbahnverengung, seien der Sicherheit geschuldet. Dadurch werde das Vorhaben teuer. „Das ist nun mal so.“ Die BVV beschäftige sich seit den 70er-Jahren mit den Zebrastreifen, sagt Teller. „Zu dem Kompromiss haben wir uns in der vergangenen Wahlperiode durchgerungen.“ Er halte die Lösung für sinnvoll. „Wir haben jahrelang um die Zebrastreifen gekämpft“, sagt auch der CDU-Bezirksverordnete Klaus Fehling. Doch der Preis, der genannt werde, sei sehr hoch. „Es artet ein bisschen aus.“ Aber für Fußgänger müsse eine Regelung gefunden werden. Der Reinickendorfer Bundestagsabgeordnete Frank Steffel (CDU) forderte stattdessen, dass der „Bau-Unsinn“ gestoppt werde. Dabei würden „sinnlos Steuergelder verschwendet“, so Steffel.

Das Bezirksamt will das Bauprojekt so schnell wie möglich beginnen und noch in diesem Jahr vollenden. „Wir kümmern uns jetzt um die Ausschreibung für die Baumaßnahmen“, sagt Bezirksstadtrat Martin Lambert. Er bedauert, dass die Senatsverwaltung „auf mehrere Briefe“ nicht reagiert habe. „Unser Vorschlag ist immer gewesen, das Ganze erst einmal in einem Probebetrieb zu testen“, sagt Lambert. Leider habe er dafür kein grünes Licht von der Senatsverwaltung bekommen. „Mit der nun verordneten Lösung legen wir uns fest und können die nächsten 40 oder 50 Jahre nichts an den Umbauten ändern“, sagt Lambert.

Außergewöhnlich hohe Kosten

Die Sprecherin der Senatsverkehrsverwaltung hebt hingegen hervor, dass die Behörde im Sinne der Sicherheit der Fußgänger handele. „Wir haben sorgfältig geprüft, ob in diesem Bereich aus Gründen der Verkehrssicherheit ein Umbau notwendig ist und sind zu diesem Ergebnis gekommen“, sagt die Sprecherin. Außergewöhnlich hoch seien die Kosten am Zeltinger Platz, weil der Abschnitt der Straße unter Denkmalschutz stehe und nach dem Umbau wieder hergestellt werden müsse.