Stadtplanung

Betonplatte am Bahnhof Gesundbrunnen nicht stabil genug

Bau des Empfangsgebäudes wird deshalb noch später fertig

Auf dem Hanne-Sobek-Platz vor dem Bahnhof Gesundbrunnen knattern die Presslufthämmer. Es sind Vorarbeiten für den Bau des dort bereits seit Jahren geplanten Bahnhofsgebäudes. Eigentlich wollten die Bauarbeiter längst viel weiter sein. Bereits im Januar hatten sie fast den gesamten Platz zwischen den Bahnhofstreppen und der Badstraße mit Bauzäunen abgesperrt. Doch wie berichtet stockten dann plötzlich die Arbeiten. Sehr zum Ärger vieler Anwohner und Fahrgäste, die beispielsweise seit Monaten die Aufzüge zu den unter dem Platz liegenden Bahnsteigen nicht mehr nutzen können, weil die Zugänge zu ihnen hinter den Absperrungen liegen. Es sei zu „Verzögerungen im Bauablauf“ gekommen, hieß es damals vonseiten der Bahn. Die Ursachen dafür blieben zunächst unklar.

Nun stellte sich heraus: Die Arbeiten kommen nicht voran, weil die riesige Betonplatte über den Gleisen, die etwas euphorisch den Namen des einstigen Hertha-Stars Hanne Sobek trägt, für größere Aufbauten nicht stabil genug ist. „Die statischen Voraussetzungen reichen nicht aus“, bestätigte am Montag ein Bahnsprecher. Nun wird mit großem Aufwand erst einmal der gesamte Platz aufgemeißelt, um Estrich und Untergrundbeton zu entfernen und neu aufzubauen. Drei Wochen werden diese Arbeiten etwa dauern. Danach soll die Platte so stabil sein, dass sie die geplante 6000 Quadratmeter große Empfangshalle aus Stahl und Glas später auch tragen kann.

Die unzureichende Tragfähigkeit der Gründungsplatte aus Beton überrascht. Denn ursprünglich war für den Anfang des neuen Jahrtausends neu gebauten und 2006 eröffneten Fern- und S-Bahnhof Gesundbrunnen sogar ein viel größeres Empfangsgebäude geplant. Ganz der heutigen Vermarktungsstrategie der Deutschen Bahn entsprechend, sollte dort eine Art Einkaufscenter mit Gleisanschluss entstehen wie bei vielen anderen Bahnhofsneubauten. Doch in Gesundbrunnen war der Shoppingcenter-Gigant ECE schneller, die Hamburger Firma errichtete unmittelbar neben dem Bahnhof das Gesundbrunnen Center.

Die Bahn-Manager fanden hingegen keinen privaten Investor für ihr Gebäude, das Projekt wurde gestoppt. Der Bahnhof Gesundbrunnen erlangte daraufhin traurige Berühmtheit als deutschlandweit einziger ICE-Halt, der kein eigenes Empfangsgebäude hat. Erst nach erheblichem politischem Druck entschied sich die Bahn-Tochter DB Station&Service doch noch, ein Zugangsgebäude für den Bahnhof Gesundbrunnen zu bauen – allerdings in deutlich abgespeckter Form. Doch erst nachdem die Pläne für das sieben Millionen Euro teure Gebäude fertig waren, stellte sich offenbar heraus, dass die Bahnhofsplatte für die dafür nötigen Fundamente – wie es heißt – „nicht geeignet“ ist.

Fristen für Regress abgelaufen

Ob Planungsfehler oder möglicherweise Baumängel die Ursache dafür sind, bleibt unklar. „Die Schuldfrage ist Gegenstand von Untersuchungen“, sagte der Bahnsprecher lediglich. Allerdings seien die Fristen für Regressforderungen abgelaufen. Unklar bleibt auch, welche Mehrkosten durch die zusätzlichen Arbeiten und die Bauverzögerungen entstehen. Die Bahn bezifferte die Kosten für das geplante Empfangsgebäude auf mehr als sieben Millionen Euro.

Für Anwohner und Reisende bedeutet dies, vorerst weiter teils erhebliche Behinderungen im Bahnhofsumfeld in Kauf nehmen zu müssen. Zumindest der Zugverkehr soll durch die Arbeiten nicht behindert werden, verspricht die Bahn. Die Deckenunterseite werde zwar während der Bauarbeiten vorsorglich beobachtet, doch eine Gefahr, dass sich Deckenteile lösen, bestehe nicht. Ab Ende Juli sollen laut Bahn die Arbeiten am Empfangsgebäude „in vollem Umfang“ beginnen. Ob es, wie angekündigt, Anfang 2014 eröffnet werden kann, gilt jedoch als fraglich.