Unglück

Kleinkind stirbt nach Sturz aus dem zweiten Stock

Junge hatte am Sonntagabend in Wedding offenbar von der Mutter unbemerkt das Fenster geöffnet

Schon vor der Eingangstür des Hauses an der Dubliner Straße in Wedding hört man Frauenschreie, die einem das Herz zerreißen. Die weißen Vorhänge an den Fenstern der Wohnung im Vorderhaus sind zugezogen. Kaum vorstellbar, was die Familie hinter diesen Wänden gerade erlebt. Im Treppenhaus des Gebäudes werden die Schreie immer deutlicher: „Ich will nicht mehr leben.“ Eine Mutter hat am Sonntagabend hier ihren Sohn verloren.

Gegen 21 Uhr passierte das Unglück, das seitdem die ganze Straße in tiefe Trauer versetzt. Anderthalb Jahre alt war der kleine Zan, der im zweiten Obergeschoss aus dem Fenster gefallen ist. Laut Polizei hat die 26 Jahre alte Mutter Jacqueline P. ausgesagt, ihr Kind sei in einem unbeobachteten Moment im Wohnzimmer auf die Couch geklettert und habe dort das Fenster geöffnet. Dann fiel der Junge in die Tiefe. Am Montag ist auf dem Bürgersteig noch das weiße Pulver zu sehen, mit dem die Feuerwehr die Spuren am Unglücksort beseitigt hat. Bis in die Nacht hinein war auch die Kriminalpolizei hier vor Ort.

Schwere Kopfverletzungen

Das Lokal „Opatija Grill“ befindet sich unten in dem weiß-rosa Gebäude. Der Inhaber des kroatischen Restaurants hat den Sturz des Kleinkindes gesehen. Er sei sofort mit seinem Sohn zu dem Jungen gerannt und wollte helfen, erzählt er. Schnell habe er die Polizei verständigt, die auch in weniger als fünf Minuten da gewesen sei. „Ich kannte die Familie nur vom Sehen“, sagt er. „Sie sind sehr freundlich und haben immer gegrüßt.“

Rettungskräfte brachten den Jungen ins Krankenhaus. Er habe durch den Sturz schwere Kopfverletzungen erlitten, sagte die Polizei. Die Ärzte konnten ihn nicht mehr retten. Kurz vor Mitternacht starb der Anderthalbjährige an seinen Verletzungen. Die Mutter war nach Angaben der Polizei während des Unglücks in der Wohnung. Gegen sie laufen nun Ermittlungen wegen des Verdachts der Verletzung der Fürsorgepflicht, die das zuständige Fachkommissariat des Landeskriminalamtes übernommen hat.

Eine Nachbarin in der Dubliner Straße erfährt am Montag erst von dem Unfall. Schockiert drückt sie instinktiv ihr Baby fester in den Arm. „Was für ein tragischer Vorfall“, sagt sie. So schnell könne so etwas passieren. Das Unglück hat sich sofort in der ganzen Nachbarschaft herumgesprochen. Manche Passanten bleiben vor dem Haus stehen, dessen Tür weit geöffnet ist. Im Gebäude selbst haben viele Nachbarn am Sonntagabend das Unglück gar nicht mitbekommen. Viele von ihnen kamen an dem sonnigen Tag spät nach Hause. Die wenigen, die dort waren, möchten nicht darüber sprechen. Es sei alles furchtbar, sagen sie.

Vor der Tür, hinter der die Mutter weint, stehen zwei Paar Schuhe. Das Namensschild wurde entfernt, um die Anonymität der Eltern zu wahren. Die Polizei gibt von dem Fall nur wenige Details bekannt. In Fällen wie diesen würden immer Seelsorger bereitgestellt, um die Angehörigen zu betreuen, sagte eine Polizeisprecherin. Am Mittag soll Jacqueline P. vom Roten Kreuz zur Betreuung abgeholt worden sein.