Bildung

Schulfach Ethik bei Lehrern und Schülern unbeliebt

CDU-Bildungsexpertin schließt Verpflichtung zur Weiterbildung von Pädagogen nicht aus

Das Konzept des Ethik-Unterrichts an Berliner Schulen ist gefährdet. An Sekundarschulen werden 65 Prozent der erteilten Stunden, an Gymnasien knapp 35 Prozent der Stunden von Lehrern gegeben, die dafür nicht ausgebildet sind. „Das Fach ist extrem unbeliebt, sowohl bei den Lehrern als auch bei vielen Schülern“, sagt Paul Schuknecht, Vorsitzender der Vereinigung Berliner Schulleiter und Leiter der Friedensburg-Sekundarschule in Charlottenburg. Die meisten Lehrer würden sich nicht freiwillig dafür melden, denn Ethik gelte als schwer zu unterrichten. Deshalb sei auch die Bereitschaft, sich fortzubilden, eher gering. „Viele Lehrer würden sich allenfalls zutrauen, Ethik in ihrer eigenen Klasse zu unterrichten, deshalb hatten wir an unserer Schule versucht, das Fach als Klassenleiterstunde zu etablieren“, sagt Schuknecht. Langsam wachse aber die Akzeptanz und es gebe auch einige Nachfragen nach Weiterbildungen.

„Bei den Schülern wird das Fach häufig als sinnlos angesehen. Das hängt auch mit der gesellschaftlichen Akzeptanz zusammen“, sagt Schuknecht. Schließlich seien viele Eltern und Schüler anfangs gegen die Einführung des Pflichtfaches gewesen, weil sie stattdessen lieber Religion weitergemacht hätten, so Schuknecht. In der Rangordnung für die Schüler stehe Ethik weit hinter Musik, obwohl es für Musik eine Stunde weniger pro Woche gebe. Und durch den Fachkräftemangel falle Ethik auch häufiger als andere Fächer aus.

Tatsächlich war der Widerstand gegen die Einführung des Faches groß. Vor allem die Kirchen fürchteten, dass die Schüler dann weniger bereit wären, zusätzlich noch den freiwilligen Religionsunterricht zu besuchen. Zumal die Belastung vor allem an den Gymnasium durch eine hohe Pflichtstundenzahl ohnehin groß ist. Rechtsanwalt Christoph Lehmann startete 2006 die Initiative Pro Reli, die sich für eine Wahlfreiheit zwischen beiden Fächern einsetzte. Ein Volksbegehren blieb jedoch ohne Erfolg. Zwar kamen gut 713.000 Berliner in die Wahllokale, 51,3 Prozent votierten jedoch mit Nein.

Schon 2010 hat der Fachverband der Ethik-Lehrer die Bildungsverwaltung aufgefordert, aktiv zu werden und auf verstärkte Aus- und Weiterbildung zu drängen, doch ohne Erfolg. Die Bildungsverwaltung will die Situation nun verbessern, indem die Weiterbildung für Ethik ab August von drei auf zwei Semester verkürzt wird. Dafür sollen die Lehrer statt bisher fünf Stunden dann acht Stunden pro Woche fortgebildet werden. Zudem sei es nötig, dass beide Universitäten, FU und HU, ihre Studiengänge für Ethik erhalten, so Staatssekretär Rackles. Das reiche nicht aus, sagt die bildungspolitische Sprecherin der CDU, Hildegard Bentele. „Wichtig wäre es, Anreize zu schaffen, damit sich die Lehrer für die Fortbildung entscheiden“, so Bentele. Andernfalls müsse man über eine Verpflichtung zur Weiterbildung nachdenken. Zudem müsse dafür gesorgt werden, dass die Universitäten genügend Fachkräfte hätten.