Stadtplanung

Neues Spiel, neues Glück

Am heutigen Mittwoch soll der Erbbauvertrag für den Spreepark versteigert werden

Für Berliner und vor allem für Treptower mag es unglaublich klingen: eine Perspektive für den Spreepark im Plänterwald? Für den sich schon etliche Investoren beworben haben – und wieder abgesprungen sind? Dessen Riesenrad schon seit mehr als zehn Jahren stillsteht? Tatsächlich gibt es einen Termin für den Neustart. Am heutigen Mittwoch wird das Erbbaurecht für den Spreepark versteigert – ab 10 Uhr im Amtsgericht Köpenick, Mandrellaplatz 6. Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen rund um den Vergnügungspark.

Warum kommt es zur Zwangsversteigerung?

Die Zwangsversteigerung am 3. Juli geht auf den Antrag des Finanzamtes Treptow-Köpenick zurück. Die Behörde bekam über Jahre keine Grundsteuer von der Betreibergesellschaft – der Spree-Park Berlin Vergnügungs- und Freizeitpark GmbH & Co. KG. Nun hofft das Finanzamt, zumindest einen Teil der Summe zu erhalten. Beantragt hatte es die Versteigerung bereits Ende 2008. Doch es dauerte Jahre, bis das Gutachten zum Verkehrswert für das Erbbaurecht vorlag. Dieser Wert wird mit 1,62 Millionen Euro angegeben. Das Mindestgebot muss 70 Prozent dessen betragen, also 1,13 Millionen Euro. Sollte sich niemand finden, der diese Summe bietet, dann kann ein neuer Termin angesetzt werden. Die alten Schulden muss der neue Betreiber nicht übernehmen.

Wem gehört der Spreepark?

Das Spreepark-Grundstück von etwa 30 Hektar Größe gehört dem Land Berlin. In den 90er-Jahren übernahm die Hamburger Schaustellerfamilie Witte das Vergnügungsareal auf der landeseigenen Fläche. Es wurde ein Erbbaupachtvertrag zwischen Berlin und der Betreibergesellschaft abgeschlossen. Er endet im Mai 2061. Persönlich haftende Gesellschafterin der Betreiberfirma ist Pia Witte. In diesen Vertrag soll derjenige eintreten, der das Erbbaurecht bei der Zwangsversteigerung bekommt. Teil des Vertrages ist das denkmalgeschützte Ausflugslokal „Zum Eierhäuschen“ am Spreeufer. Es liegt neben dem Freizeitpark und verfällt seit Jahren.

Warum ist der Spreepark so hoch verschuldet?

In der Witte-Ära wurde das Grundstück beliehen. Auf etwa elf Millionen Euro beläuft sich diese Summe. Sie ist im Grundbuch eingetragen. Hauptgläubiger ist die Deutsche Bank. Zu den Gläubigern gehört auch der Liegenschaftsfonds, der jahrelang keinen Pachtzins bekam, aber Geld für Schneebeseitigung und Wachdienst zahlte. Rund 4,5 Millionen Euro gab der Fonds als Summe an, die ihm die Spreepark-Gesellschaft schuldig ist. Das Insolvenzverfahren zum Spreepark scheiterte. Es wurde 2002 eröffnet und 2008 wieder eingestellt, weil es nicht mehr finanziert werden konnte. Das Grundstück ging an die insolvente Betreibergesellschaft zurück.

Warum konnte der Spreepark nicht längst an einen Betreiber übergehen?

Mehr als 30 Interessenten haben sich in den vergangenen Jahren um den Spreepark bemüht. Doch sie sollten einen großen Teil der Schulden übernehmen. Darauf hatte der Hauptgläubiger, die Deutsche Bank, bestanden. An dieser Bedingung sind die Verhandlungen bisher gescheitert. Ausländische Unternehmen wie Tivoli, die französische Gruppe Grevin und die belgische Plopsa-Gruppe legten Konzepte vor, verhandelten mit dem Liegenschaftsfonds und dem Bezirksamt Treptow-Köpenick. Und zogen sich wieder zurück. Ebenso die inländischen Bewerber wie ein Schausteller aus Süddeutschland, die Studentengruppe, die Permakultur auf dem Gelände betreiben wollte, und ein Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern, das einen Geschichtspark plante.

Was will Berlin?

Der Spreepark soll ein Freizeit- und Kulturareal bleiben. Das haben die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und das Bezirksamt Treptow-Köpenick vor wenigen Tagen noch einmal bekräftigt. Der Flächennutzungsplan werde nicht geändert, andere Nutzungen seien nicht zulässig. Die Stadtplaner des Bezirks haben bereits ein Bebauungsplan-Verfahren mit früheren Interessenten begonnen. Es soll mit dem neuen Investor weitergeführt werden. Darin wird festgelegt, wie stark die Fläche bebaut werden darf, wie viele Parkplätze zulässig sind, wie hoch neue Bauten sein dürfen. Ein Verkehrsgutachten hat festgestellt, dass der Park nur 500.000 Besucher im Jahr verkraftet. Der Treptower Grünen-Abgeordnete Harald Moritz fordert, dass sich der Senat an der Zwangsversteigerung beteiligt, damit Berlin wieder die Verfügungsgewalt über das Grundstück bekommt. Dann könnte der Freizeitpark neu ausgeschrieben werden.

Welche Vorschläge gibt es?

Über die Zukunft des Spreepark-Geländes ist viel diskutiert worden. Unter Anwohnern gab es die Forderung nach Renaturierung und Befürchtungen, dass in Zukunft Wohnungen auf dem Gelände gebaut werden könnten. Andere wünschen sich einen familienfreundlichen Park. Eine neue Initiative schlägt vor, einen Bürgerpark im Plänterwald zu schaffen. Das Projekt soll über Crowd-Funding realisiert werden. Die Initiative will das Konzept zusammen mit interessierten Berlinern entwickeln (www.plänti.de). Unter den jetzigen Bedingungen sei ein Vergnügungspark nicht wirtschaftlich zu betreiben, meint Projektleiter Nils Sautter. Er will Gespräche mit dem Liegenschaftsfonds führen.

Seit wann ist der Park geschlossen?

Vor zwölf Jahren hatte der Spreepark seine letzte Saison. Im Herbst 2001 wurde er geschlossen. Anfang 2002 reiste Familie Witte mit mehreren Fahrgeschäften per Schiff nach Südamerika. Dort wollte sie den Luna-Park eröffnen. Schlagzeilen machten der Spreepark und seine Betreiber durch ein geplantes Rauschgiftgeschäft in Peru. 2003 wurden Norbert Witte und sein Sohn verhaftet. In einem Hohlraum des Fahrgeschäfts „Fliegender Teppich“ waren Beutel mit Kokain eingeschweißt, rund 170 Kilogramm insgesamt. Der „Fliegende Teppich“ sollte nach Europa verschifft werden. Norbert Witte ist seit 2008 wieder frei. Marcel Witte verbüßt noch immer seine Strafe in Südamerika.

Was befindet sich heute auf dem Gelände?

Die Fahrgeschäfte sind größtenteils nicht mehr nutzbar. Ein Teil des Areals wird an Wochenenden geöffnet. Die kleine Parkbahn ist wieder in Betrieb, Führungen finden statt. In den vergangenen Jahren wurden auch Konzerte im Spreepark veranstaltet. Im Juni 2013 war die Theateraufführung „Spuk unterm Riesenrad“ zu sehen, nach der gleichnamigen Fernsehserie aus der DDR-Zeit.