Polizei

Geiselnehmer legt Geständnis ab

30-Jähriger überfiel in Zehlendorf eine Bank und drohte mit einer ferngesteuerten Bombe

Leugnen war sinnlos. Thomas D., gegen den am Dienstag vor einer Moabiter Strafkammer der Prozess begann, hatte sich am 22. Dezember der Polizei freiwillig gestellt. Zuvor hatte der 30-Jährige mehr als zehn Stunden lang eine Filiale der Deutschen Bank am Teltower Damm in Zehlendorf besetzt und mit der Zündung einer Bombe gedroht, falls ihm nicht die geforderten 500.000 Euro ausgehändigt werden. Als Geisel hielt er dabei einen Bankangestellten, den er mit einer Luftdruckpistole bedrohte – die wie eine echte Waffe aussah und von dem 40-jährigen Banker auch durchaus ernst genommen wurde.

Täter ergab sich ohne Widerstand

Der Banküberfall sorgte für ein Verkehrschaos. Mehr als 300 Polizisten sicherten das Gebäude und die Umgebung ab. Spezialeinsatzkommandos waren vor Ort. Die Geiselnahme endete um 1.16 Uhr nach telefonischen Verhandlungen mit der Polizei. Thomas D. ließ seine Geisel frei und ergab sich schließlich widerstandslos den Beamten.

„Wenn ich heute in der Anklageschrift lese, was ich getan habe, dann kommt es mir vor, als ob es ein anderer Mensch war“, sagte der groß gewachsene, kräftig wirkende Angeklagte zu Beginn seines Geständnisses vor der Strafkammer. „Es war einfach nur dumm, was ich getan habe.“

Eine nachvollziehbare Begründung für diese Tat fand Thomas D. nicht. Er sprach zwar von einer „Verzweiflungstat“ und dass er sich „in einer Zwickmühle befunden“ habe. Ganz kurz, in einem Nebensatz, war auch von „Geldnöten“ die Rede. Aber ob es Schulden waren oder ob er vielleicht Geld für Drogen brauchte, kam zunächst nicht zur Sprache. Nahe liegend wäre es. Seit seinem 15. Lebensjahr soll Thomas D. Drogen genommen haben. Eine Entziehungskur blieb offenkundig erfolglos. Konkrete Nachfragen des Gerichts und der Staatsanwaltschaft will Thomas D. aber erst an einem der kommenden Verhandlungstage beantworten.

Es war nicht die erste Straftat des Thomas D., der als Kind mit seinen Eltern und einem älteren Bruder aus Moldawien nach Deutschland gekommen war. Schon als Schüler soll es Probleme mit ihm gegeben haben. Seine Schule in Wolfsburg/Niedersachsen musste er drei Wochen vor dem Hauptschulabschluss aus disziplinarischen Gründen verlassen. Eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann wurde ebenfalls vorzeitig abgebrochen, nachdem er mit einem Mädchen aus seiner Lehrgruppe versucht hatte, rund 9600 Euro zu unterschlagen. Die Auszubildende sollte die Tageseinnahmen zur Bank bringen. Thomas D. kam auf die Idee, das Geld selber einzustecken und einen Überfall vorzutäuschen. Das flog auf, und er wurde dafür im Januar 2007 vom Amtsgericht Wolfsburg zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Ohne Bewährung, weil es zuvor schon mehrere Verhandlungen vor Jugendstrafgerichten wegen Drogendelikten, Sachbeschädigung und Diebstahls gegeben hatte.

Auch im aktuellen Prozess geht es nicht nur um die Geiselnahme in Zehlendorf. Thomas D. hat zuvor in Wolfsburg zwei andere Geldinstitute überfallen und war jedes Mal ähnlich vorgegangen: Angeblich habe er eine Bombe bei sich, die er zünden werde, falls die Mitarbeiter der Bank seine Forderungen nicht erfüllt würden. Am 22. August 2011 erbeutete er auf diese Art rund 7200 Euro, am 8. März 2012 waren es in einer anderen Filiale 30.000 Euro. Zurück ließ er auch hier – wie ein als Zeuge geladener Polizist vor Gericht berichtete – aufgewühlte, traumatisierte Mitarbeiter und ein totales Verkehrschaos.

Thomas D. will diesen Prozess nun nutzen, endgültig einen Schlussstrich unter seinem bisherigen Leben zu ziehen. Er wolle sich entschuldigen, sagte er, bei den Opfern, aber auch bei dessen Angehörigen, „für die ich eine riesige Krise ausgelöst habe“. Die Zeit im Gefängnis wolle er nutzen, um den Schulabschluss nachzuholen und eine Lehre zu absolvieren. „Mir ist vollkommen klar, dass mich jetzt eine lange Haftstrafe erwartet“, so Thomas D., „das ist angesichts dieser Straftaten ganz normal.“

Der Prozess wird am Donnerstag mit Zeugenvernehmungen fortgesetzt.