Interview

Waldorf-Astoria greift nach dem Stern

Hilton-Manager Jochem-Jan Sleiffer zu Plänen für weitere Hotels in Berlin und das Restaurant „Les Solistes“

Hilton-Manager Jochem-Jan Sleiffer ist für 24 Hotels der Gruppe in Deutschland, Schweiz, Österreich und Skandinavien verantwortlich. Dazu gehören auch die drei Häuser in Berlin, das Hilton am Gendarmenmarkt, das Hampton by Hilton an der Uhlandstraße und das Waldorf Astoria im Zoofenster. Sleiffer ist Holländer, 46 Jahre alt, lebt in Paris. Bald wird er nach Frankfurt am Main ziehen, wo die Deutschlandzentrale des Unternehmens ist. Morgenpost-Redakteurin Brigitte Schmiemann sprach mit ihm über den Tourismusmarkt in Berlin und seine Pläne für die Hilton-Gruppe.

Berliner Morgenpost:

Herr Sleiffer, die amerikanische Hilton-Gruppe ist seit 55 Jahren in Berlin aktiv. Das jüngste Haus ist das Waldorf Astoria. Stört es Sie eigentlich, dass gleich neben Ihrem Luxushotel ein Motel One ins Hochhaus „Upper West“ ziehen wird?

Jochem-Jan Sleiffer:

Nein, gar nicht. Das ist ein anderes Geschäft. Kein Problem. Am Flughafen in Frankfurt haben wir unter einem Dach auch zwei unterschiedliche Marken von uns vereint. Eine Auswahl, das ist doch gut.

Wie hat sich das Waldorf Astoria in den ersten sechs Monaten entwickelt?

Wir sind zufrieden. Absolut. Besonders an den Wochenenden ist es gut besucht. Aber natürlich muss man immer mit einer Anlaufzeit rechnen. Den Konferenzbereich wollen wir noch ausbauen. Sehr zufrieden sind wir aber bereits mit unserem Restaurant „Les Solistes by Pierre Gagnaire“. Wir streben dort einen Michelin-Stern an. Chefkoch Roel Lintermans hat bereits mit Pierre Gagnaire, der das Restaurant-Konzept geliefert hat, im Sterne-Restaurant „Sketch“ in London zusammengearbeitet.

Warum hat US-Präsident Obama nicht im Waldorf Astoria, sondern im Ritz Carlton gewohnt?

Das habe ich unseren Generaldirektor dort auch gefragt. Wir glauben, dass das vielleicht mit gewachsenen Beziehungen zusammenhängt. Vielleicht auch damit, dass das Ritz Carlton sich in der Nähe der US-Botschaft und dem Regierungsviertel befindet. Es braucht aber auch immer Zeit, solche Kontakte aufzubauen. Unabhängig davon haben wir während des Besuchs des Präsidenten eine große Delegation in unserem Hotel am Gendarmenmarkt beherbergt. Wir hatten ein sehr gutes Geschäft dadurch.

In einem TV-Beitrag hieß es vor Kurzem, dass die Zimmermädchen im Berliner Waldorf Astoria zu Dumping-Löhnen arbeiten.

Wir beschäftigen einen externen Dienstleister für die Reinigungsarbeiten. Das ist eine in der Hotellerie übliche Vorgehensweise. Als verantwortungsvoller Arbeitgeber wählen wir unsere Vertragspartner anhand strikter Qualitätskriterien aus. Im Bereich Housekeeping arbeiten wir mit dem Dienstleister GRG Services Group zusammen. Zu keinem Zeitpunkt lagen uns Informationen unseres externen Dienstleisters vor, die darauf hätten schließen lassen, dass Änderungen der vertraglich vereinbarten Tarife vorgenommen wurden oder dass die in unserem Hotel eingesetzten Reinigungskräfte nicht den vertraglich vereinbarten tarifrechtlichen Stundenlohn erhalten haben. Wir erwarten und setzen voraus, dass unsere Dienstleister die gültigen Gesetze in Bezug auf Mindestlöhne, Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen einhalten. Nach der Ausstrahlung der RTL-Sendung haben wir in Bezug auf GRG schnell gehandelt, Untersuchungen durchgeführt und diese ohne die Entdeckung jeglicher Unregelmäßigkeiten abgeschlossen. Hilton ist für seine exzellenten Standards im Bereich Housekeeping bekannt.

Die Übernachtungspreise in Berlin sind, verglichen mit anderen europäischen Metropolen, nach wie vor günstig. Gleichzeitig gehen immer neue Hotels an den Start. Macht Ihnen dieser Preiskampf zu schaffen?

Nein, denn Berlin hat mit fast elf Millionen Hotelgästen und gut 25 Millionen Übernachtungen im vergangenen Jahr abermals seine bisherigen Rekorde gebrochen. Das ist unglaublich. Das ist fantastisch. Berlin ist die Nummer drei in Europa nach London und Paris. Vorher waren es immer London, Paris, Rom. Der Markt wächst, und die Hotels wachsen momentan nicht so schnell hinterher. Im Luxusbereich zahlt man in Berlin zwar deutlich weniger als in London oder Paris. Aber die Preise sind auch unterschiedlich, ob man während der Woche kommt oder am Wochenende. Der Markt wächst jedes Jahr ebenso wachsen die Hotelpreise. Und durch die große Auswahl, die es in der Stadt gibt, muss sich jedes Hotel anstrengen, Sanierungen sind da Pflicht. Das ist auch gut.

Planen Sie weitere Hotels in Berlin?

Heute habe ich noch nichts unterzeichnet, aber wir arbeiten daran. Ja, wir hätten gerne mehr Hotels in Berlin.

Wo wird Berlin in zehn Jahren stehen? Was muss Berlin tun, um so attraktiv zu bleiben?

Es läuft ja schon sehr gut. Berlin entwickelt sich fantastisch. Solange die Stadt weiterhin in Kultur, in die Museen investiert, und dafür sorgt, dass es genug zu unternehmen gibt in der Stadt so wie jetzt, auch große Ausstellungen und Konzerte holt, sehe ich da keine Hürde. Berlin hat eine große Chance, im Tourismus weiter zu wachsen. Vielleicht ist es in zehn Jahren so, dass dann keine nennenswerten Hotels mehr gebaut werden und die Übernachtungsraten steigen. Das ist aber sehr schwer vorhersagbar.

Was halten sie von der City Tax, die der Berliner Senat einführen will? Er rechnet mit 25 Millionen Euro Einnahmen für die Stadt dadurch. Haben Sie Erfahrungen in anderen Städten damit?

Ja, es gibt sie in Brüssel und vielen anderen Städten. Aber in Berlin soll die Tax nur für Touristen und nicht für Geschäftsleute sein. Wir müssen unsere Gäste also befragen. Allein das ist schon befremdlich. Die Übergänge sind ja auch fließend. Ich bin nicht ganz sicher, dass diese „Bettensteuer“ wirklich klug auch für Berlin ist. Sie erhöht die Raten um fünf Prozent, die wir in Berlin im Vergleich zu anderen Städten teurer werden müssen. Das könnte Berlin-Gäste abschrecken. Ich würde das nicht machen. Der Hotelmarkt ist sehr sensibel.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Für eine Familie mit zwei Kindern, die zwei Zimmer für je 120 Euro bucht und zwei Nächte bleibt, sind das 24 Euro.

Was fasziniert Sie an Berlin, was glauben Sie, schätzen die Touristen an der Stadt?

Es gibt überall Kultur, zudem ist die Stadt ein bisschen unkonventionell, es gibt viele unterschiedliche Viertel. Überall ist etwas los, die Menschen sind draußen. Berlin ist eine sehr offene Stadt. All das lieben die Menschen, die hierherkommen. Und alle wollen Berlin deshalb sehen. Berlin ist Kunst, Freizeit, Geschichte. Alles. Ich jogge beispielsweise. Wenn ich am Waldorf Astoria loslaufe, bin ich ganz schnell im Tiergarten, man läuft an all den Botschaften vorbei. Mein Kurs ist exakt 8,5 Kilometer lang. Dabei komme ich an der Siegessäule vorbei, am Brandenburger Tor. Wo kann man sonst mitten in der Stadt im Grünen joggen und kommt an solchen Wahrzeichen vorbei? Ich glaube, dass es das sonst nirgendwo auf der Welt gibt.

Die Verzögerung beim Flughafen BER, spüren Sie die?

Je schneller er eröffnet wird, desto besser, weil ein Flughafen Gäste in die Stadt bringt. Vor allem für das Konferenzgeschäft, das wir anstreben, ist eine gute Infrastruktur wichtig. Aber Klagen von unseren Gästen über den Flughafen Tegel, der sehr nah und praktisch ist, habe ich noch nicht gehört.

Was sehen Sie als wichtigste Aufgabe an, die Hilton in den nächsten Jahren lösen muss?

Das wird vor allem sein, gutes Personal mit der richtigen Einstellung zum Service zu finden. Das ist schwer. Wir werden in unserem Unternehmen in den kommenden Jahren sehr schnell wachsen. Bis 2015 wollen wir in Europa 135 neue Hotels eröffnen, davon allein in Deutschland und Österreich zehn. Dafür brauchen wir viele Leute.