Gesundheit

Zahl der Masernfälle steigt weiter an

Seit Jahresbeginn schon 399 Fälle gemeldet. Besonders Mitte ist betroffen

Die bei den Gesundheitsbehörden gemeldete Zahl von Masernerkrankungen in Berlin steigt immer noch an. Seit Jahresbeginn wurden nach Angaben der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales 399 Fälle gemeldet. Allein in der vergangenen Woche habe es 27 Neumeldungen gegeben, sagte eine Sprecherin am Wochenende.

Gegenüber den Vorwochen sei das zwar ein Rückgang der Zahl der neu gemeldeten Masernfälle. Doch bereitet vor allem der Verlauf der Erkrankungen den Gesundheitsexperten Sorge. Nach wie vor handele es sich bei den Ansteckungen nämlich um ein „diffuses Geschehen“: Nur ein Teil der Infektionen sei auf Schulen, Kitas oder Familien zurückzuführen. Wie die Meldungen der Hausärzte und Krankenhäuser zeige, seien alle Bezirke betroffen, am stärksten Mitte mit 70 Fällen.

Als außergewöhnlich beurteilen Experten die aktuellen Infektionen zudem, weil derzeit über die Hälfte der Erkrankten älter als 16 Jahre sind. Jeder Vierte hat sogar das 30. Lebensjahr überschritten. Ansonsten treffe die hoch ansteckende Infektionskrankheit – die Viren werden über Tröpfchen zum Beispiel beim Husten übertragen – überwiegend Kinder. Weil immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene von den Viren betroffen sind, empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) auch nach 1970 Geborenen eine Impfung gegen die Kinderkrankheit, sofern sie noch gar nicht oder nur einmal in der Kindheit eine Schutzimpfung erhalten haben. Bereits seit den 70er-Jahren lautet die von der Stiko ausgegebene Empfehlung, alle Kinder ab dem elften Monat zwei Mal gegen Masern impfen zu lassen.

RKI warnt vor weiteren Infektionen

Typische Symptome, unter denen Erkrankte leiden, sind neben dem charakteristischen Hautausschlag Fieber, Übelkeit, Hals- und Kopfschmerzen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) warnt vor bakteriellen Infektionen wie Bronchitis und Mittelohrentzündungen – und vor der sehr seltenen Gehirnhautentzündung. Besonders gefürchtet ist die Subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE). Diese kündigt sich zunächst mit psychischen Auffälligkeiten des Erkrankten an und bricht meistens erst Jahre nach der Masernerkrankung aus. Mehr als 82 Prozent aller Masernfälle in Deutschland verteilen sich auf nur zwei Bundesländer: Bayern und Berlin.

In der Hauptstadt hat es im Gegensatz zu anderen Bundesländern keine Todesfälle gegeben, die von der Infektionskrankheit verursacht wurden. Erst Mitte des Monats starb ein 14 Jahre alter Junge in Thüringen an den Spätfolgen der Erkrankung. Er hatte sich Jahre zuvor im Alter von fünf Monaten im Wartezimmer eines Kinderarztes angesteckt und sei in der Folge an einer chronischen Maserngehirnentzündung erkrankt, berichtete der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Auch in Düsseldorf gab es einen Todesfall.

Da die Gefahr einer Ansteckung vor allem in Praxen und Kliniken erhöht ist, werden immer wieder Stimmen laut, die fordern, eine Impfpflicht für Ärzte einzuführen. Nach derzeitiger Rechtslage gilt eine solche Pflicht weder für Ärzte noch für Pfleger, Rettungsassistenten oder anderes medizinisches Personal.

Ein Großteil der 399 in der Hauptstadt gemeldeten Erkrankten sei nicht geimpft gewesen, hieß es nun aus der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales. Ein Grund für die vermehrt auftretende Erkrankung könnte auf die Impfmüdigkeit der Berliner zurückzuführen sein. Die Senatsverwaltung für Gesundheit rief Erwachsene in Berlin daher schon vor einiger Zeit dazu auf, ihren Impfstatus beim Hausarzt prüfen zu lassen.