Serie: Berliner Morgenpost fragt - Bezirksbürgermeister antworten

Kleinstadt-Flair und doch ein Teil der Metropole

Die Berliner schätzen die Spandauer Altstadt wegen ihrer Geruhsamkeit

An einem Sonntag geht es ganz gemächlich zu in der Altstadt von Spandau. Anwohner und Besucher sitzen an Tischen vor den Cafés, genießen ein Stück Kuchen oder schlendern ein paar Schritte über das Kopfsteinpflaster. So wie das Ehepaar Schmidt, das gerade ein Schaufenster der vielen kleinen Geschäfte betrachtet. „Wir leben schon seit mehr als zehn Jahren in dem Bezirk und haben in dieser Zeit viele Vorzüge schätzen gelernt“, sagt der 86 Jahre alte Rentner Heinz Schmidt. Seine Frau Renate pflichtet ihm bei. „Spandau ist vor allem wegen des Wassers und der Randlage sehr lebenswert“, sagt die 79-Jährige. Am Lindenufer ließe sich ganz wunderbar die Zeit vertreiben, beim Beobachten der vielen Schiffe zum Beispiel. Doch die zwei Rentner sehen auch Baustellen, an denen der Bezirk noch arbeiten müsse. „Nicht schön finden wir den Schmutz an der Bahnunterführung. Da müsste der Bezirk unbedingt nachbessern“, sagt Heinz Schmidt.

Mit einem Eisbecher in der Hand spaziert Diana Messilova durch die Altstadt in Richtung Reformationsplatz. Sie mag die Ruhe hier und das Kulturangebot in Spandau. „So etwas wie die Zitadelle Spandau gibt es in anderen Bezirken nicht. Die ist einmalig“, sagt die 21 Jahre alte Studentin, die aus Russland stammt. „Sehr schön ist auch der Blick, den man vom Kirchturm aus über das gesamte Viertel hat“, sagt sie. Doch es gebe auch einige Dinge, die ihr in Spandau weniger gefielen: „Ich habe das Gefühl, dass sich der Bezirk in den letzten fünf Jahren an einigen Stellen negativ entwickelt hat.“ Probleme gebe es zum Beispiel im Bereich der Integration von Zuwanderern.

An einer Bushaltestelle wartet Maria Müller. Sie schätzt den Bezirk, in dem sie wohnt, vor allem wegen seiner langen Geschichte. „Spandau ist eines der ältesten bewohnten Gebiete hier im Umkreis“, sagt die 30-Jährige. Sehr angenehm seien die vielen Grünflächen, die Parks und Orte, an denen man sich erholen könne. „In der Altstadt gibt es viele Sehenswürdigkeiten“, lobt die Historikerin – darunter ein Mahnmal für deportierte und ermordete Spandauer Juden.

Über den Marktplatz in der Altstadt laufen die zwei Freundinnen Kristina Manger und Johanna Finscher. Sie haben Einkaufstüten in der Hand, in der Konditorei um die Ecke haben sie Kuchen gekauft. Die Heilpädagogin Kristina Manger blickt über den Marktplatz. „Was Spandau ausmacht, ist, dass es Kleinstadt-Flair hat und man dennoch das Gefühl hat, zur Großstadt zu gehören“, sagt die 28-Jährige. Ihre Freundin nickt. Johanna Finscher wohnt in Wedding. Was noch für den Bezirk hier spreche? „Der Kuchen hier, das ist wirklich der beste der Stadt.“