Neuberechnung

Gebühren für Urnengräber sollen erhöht werden

Grund ist die sinkende Zahl der Sargbestattungen

Die evangelische Kirche wird in Berlin wahrscheinlich die Gebühren für Urnengräber auf den 103 geöffneten und von ihr verwalteten Friedhöfen erhöhen. „Die letzte Erhöhung der Gebühren datiert aus dem Jahre 2007, die davor datiert ins Jahr 2001 zurück. Es ist klar, dass nach so einer langen Zeit untersucht werden muss, welche Kostensteigerung wir haben“, sagt der Pressesprecher der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Volker Jastrzembski . Derzeit würden Kennzahlen erhoben, um reale Preise darzustellen. „Wir müssen als Körperschaften des öffentlichen Rechts unsere Gebührenordnung an echte Kosten anpassen, wir sind kein gewinnorientierter Betrieb.“ Ab wann neue Gebühren gelten, lässt der Sprecher offen. Entsprechende Pläne werde das Konsistorium der Kirchenleitung vorlegen, die dann entscheide.

Anlass für die Neuberechnungen sind Vorschläge aus dem Verband der Friedhofsverwalter, dem in Berlin 60 kommunale, evangelische und katholische Verwalter angehören und deutschlandweit 695 Mitglieder mit geschätzt 15.000 Friedhöfen. Die Vorschläge stammen aus einer Arbeitsgruppe der evangelischen Verwalter. Demnach könnten Urnengrabplätze um fünf Prozent teurer werden. Derzeit beträgt das Nutzungsrecht für das preisgünstigste Urnenreihengrab in einer Größe von 0,5 Meter mal 0,5 Meter zehn Euro im Jahr. Zum Vergleich: Der Erwerb des Nutzungsrechtes für eine Wahlgrabstelle kostet zwischen 25 und 104 Euro im Jahr, für eine Reihengrabstätte sind elf bis 22 Euro aufzubringen. Eine Urnenwandgrabstätte mit Verschlussplatte kostet je nach Art und Größe der Platte 145 bis 371 Euro. Dazu kommen Bestattungsgebühren, Leistungen bei Trauerfeiern, Kosten für Grabmäler und Einfassungen und Fundamente.

Angehörige achten auf Kosten

Der Vorschlag sei vor dem Hintergrund der wachsenden Nachfrage nach Urnengräbern zu sehen, sagt der Berliner Regionalgruppenvorsitzende Bernd Thürling , der zugleich Geschäftsführer im Evangelischen Friedhofsverband Berlin-Südost ist. Dort liegt der Anteil der Urnenbeisetzungen inzwischen bei 75 Prozent, der von Erdbestattungen nur noch bei 25 Prozent. Der Trend zeigt sich bundesweit wenngleich schwächer, wie Michael Albrecht vom Verband der Friedhofsverwalter sagt: „Die Sargbeisetzung ist rückläufig, es gibt mehr als 50 Prozent Urnenbeisetzung. Das liegt auch im preislichen Unterschied.“ Vor zehn Jahren sei das Sterbegeld weggefallen, die Angehörigen würden seitdem mehr auf die Kosten achten. Jastrzembski spricht sogar von einem 80-prozentigen Anteil der Urnengräber an Beisetzungen. „Die Bestattungskultur spiegelt die Entwicklung der Gesellschaft“, ergänzt er. Urnengräber entsprächen dem Hang zur Anonymisierung, außerdem sei der Wunsch nach Individualisierung in der Gestaltung der Gräber und – mit der Zunahme von Bestattungen unter Bäumen – eine neoheidnische Naturverständnis zu beobachten.

Thüling bezieht sich auf Erhebungen seiner Friedhofsverwaltung Südost, die im vergangenen Jahr etwa 800 Beisetzungen auf fünf Friedhöfen durchgeführt hatte. Deutschlandweit liegt die Zahl der Sterbefälle bei etwa 900.000. Friedhofsverwaltungen haben in der jüngsten Zeit viele neue Formen von Urnengemeinschaftsanlagen und individuellen Urnenwahlstellen entwickelt, die in der bisherigen Gebührenordnung nicht oder nur unzureichend ausgewiesen sind. Deren Gebühr sollte in einer Gestaltungsvorschrift des jeweiligen Friedhofsträgers geregelt werden, fordert Thüring.

Mit ihren Überlegungen zu Preiserhöhungen steht die evangelische Kirche offenbar allein da. So heißt es bei der katholischen Kirche ganz allgemein, dass keine Erhöhungen geplant seien. Auch für die 63 landeseigenen Friedhöfe sind keine Verteuerung geplant.