Gespräche

Nach Gewalt: Runder Tisch zum Flüchtlingscamp in Kreuzberg

Die Situation ist angespannt. Nach den blutigen Auseinandersetzungen, bei denen vergangene Woche auf dem Camp am Kreuzberger Oranienplatz ein Flüchtling bei einer Messerattacke schwer verletzt wurde, haben am Montagabend Gespräche begonnen, um die Spannungen zu mildern.

Auf Initiative des scheidenden Bezirksbürgermeisters Franz Schulz (Grüne) trafen sich Flüchtlinge und Anwohner sowie Vertreter der Polizei und des Bezirks. „Ziel dieses ersten Runden Tisches ist es, dass wir wieder zu einem besseren Einvernehmen miteinander kommen“, sagte Schulz der Berliner Morgenpost vor dem Treffen in dem türkischen Café „Köse“ am Oranienplatz Ecke Dresdener Straße. „Ich hoffe, dass wir mit den Beteiligten einen Weg finden, Spannungen aus dem Weg zu räumen“, sagte auch Monika Herrmann (Grüne). Die Nachfolgerin von Franz Schulz nahm ebenfalls an dem Runden Tisch teil.

CDU-Politiker verlangt Räumung

Während die Bezirkspolitiker der Grünen weiterhin für den Verbleib des Flüchtlingscamps plädieren, wird der Widerstand gegen die Zelte immer größer. So unterstützt unter anderem auch der CDU-Abgeordnete Kurt Wansner die Unterschriftensammlung von Anwohnern für eine Räumung des Zeltlagers. „Die Zustände dort sind einfach nicht mehr haltbar und auch für die Bewohner des Camps nicht mehr akzeptabel. Ich bin für die sofortige Räumung“, sagte Wansner am Montag der Berliner Morgenpost.

Bei einem gewalttätigen Streit vor einer Woche war ein 27-jähriger afrikanischer Flüchtling bei einer Messerattacke schwer verletzt worden. Gegen den 24 Jahre alten mutmaßlichen Täter wird wegen versuchten Totschlags ermittelt. Er ist auf freiem Fuß. Zum Ablauf der Auseinandersetzung gibt es unterschiedliche Angaben. Laut Polizei hatte sich der 24-Jährige beim Überqueren des Oranienplatzes von den Flüchtlingen provoziert gefühlt. Der aus der Türkei stammende Mann zog laut Polizei ein Messer, stach dem Flüchtling in die Brust und rannte weg. Der Verletzte kam zur stationären Behandlung ins Krankenhaus. Danach war es zu einem Tumult zwischen Flüchtlingen, Anwohnern und der Polizei gekommen.

Zeitweise versammelten sich 200 Menschen, auch Schaulustige. Die Polizei war mit einem Großaufgebot von 250 Kräften im Einsatz. Vertreter des Flüchtlingscamps hingegen sprechen von einem unangemessen harten Polizeieinsatz.