Stadtplanung

Ein Brunnen im Herzen Friedenaus

Ab Ende Juli soll der Breslauer Platz umgebaut werden. Wochenmarkt findet weiter statt

„Die Hässlichkeit des Platzes zwingt einen dazu, ihn schnelleren Schrittes zu überqueren“, sagt Gregor Mann. Die Rede ist vom Breslauer Platz in Tempelhof-Schöneberg im Ortsteil Friedenau. Nun zwingt aber ausgerechnet diese geschilderte Hässlichkeit Mann dazu, am gestrigen Sonnabend auf der Fläche an der Rhein-, Lauter- und Niedstraße auszuharren. Es ist Wochenmarkt, und der Mitbegründer der Bürgerinitiative Breslauer Platz e. V. (BI) steht an einem Informationsstand und klärt über den Stand der Platzerneuerung auf. Jahrelang hat sich die BI für eine Umgestaltung der Fläche vor dem Rathaus Friedenau eingesetzt. Gestritten haben sie mit dem Bezirksamt, Pläne und Vorschläge eingereicht, diskutiert, protestiert, Sitzungen diverser Bauausschüsse besucht und Geld gesammelt. Regelmäßig an den Wochenmarkttagen standen Vertreter der BI auf dem Breslauer Platz. Bis auf sehr wenige Ausnahmen an besonders kalten Wintertagen habe man bei Wind und Wetter Präsenz gezeigt. „In wenigen Wochen wird nun endlich die lang ersehnte Erneuerung beginnen“, sagt Mann. „Ende Juli sollen die ersten Bagger anrücken und mit den Arbeiten an Bordsteinen und dem Belag der Niedstraße vor dem Rathaus beginnen.“

Umbau kostet rund 750.000 Euro

Laut groben Schätzungen soll der Umbau rund 750.000 Euro kosten und bis Ende 2014 dauern. Diese Summe sei vom Bezirksamt freigegeben worden. „Wir hoffen natürlich, dass jetzt nicht eine plötzliche Haushaltssperre den Umbau des Breslauer Platzes noch weiter verzögern wird“, sagt Mann. Für diese Summe wird der Breslauer Platz in vier Bauabschnitten umgestaltet, um die Attraktivität deutlich zu steigern. Die Aufenthaltsqualität und auch die Nutzbarkeit für den Wochenmarkt sollen verbessert werden, heißt es beim zuständigen Bezirksamt und der BI. Zusätzliche Bäume, Bänke, eine andere Beleuchtung und Granitpflaster mitten auf dem Platz sollen das „Herz des Friedenauer Kiezes“ aufwerten.

„Das Bezirksamt hat auch den Wunsch der Friedenauer nach einem kleinen Brunnen aufgenommen und bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt einen Antrag auf Förderung aus dem Platzprogramm gestellt“, erklärt Mann. Die Brunnenpläne liegen jetzt bei Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). Voraussetzung für die Errichtung eines Schmuckbrunnens sei gewesen, dass die BI für den Betrieb und den Unterhalt des Brunnens die Patenschaft übernimmt. Der Brunnen wird mit rund 150.000 Euro zu Buche schlagen, mit ungefähr 1500Euro pro Jahr rechnet die BI für die Betriebs- und Wartungskosten. „Das Geld für die ersten fünf Jahre haben wir dank Spenden und anderer Sponsoren bereits sammeln können“, sagt Mann. So habe sich ein benachbartes Labor bereit erklärt, die jährlich fälligen Wasseruntersuchungen kostenlos vorzunehmen. Auch über eine Bronzefigur, die den Schmuckbrunnen zieren soll, wurde bereits Einigkeit erzielt. Erst sollte es die Figur des Blechtrommlers aus Günter Grass’ gleichnamigen Roman sein. Grass wohnte jahrelang in einer angrenzenden Straße. Andere Mitglieder der BI wollten eine Romanfigur aus einem Buch von Erich Kästner am Brunnen sehen. Kästner habe schließlich auch in Friedenau gelebt. Geeinigt hat man sich auf die Figur von Auguste Hähnel, der Frau des Baumeisters Hermann Hähnel, nach dem die Straße hinter dem Rathaus benannt wurde. Sie gilt als Schöpferin der Namensbildung Friedenau. Nun soll sie mit der Figur am Brunnen geehrt werden.

Nur wenige Meter vom Stand der BI entfernt informiert das Bezirksamt über die Baupläne. Baustadtrat Daniel Krüger (CDU) erklärt Marktbesuchern den Umbau. „Der Marktbetrieb ist erfolgreich, und das wird beim Umbau auch berücksichtigt“, erklärt Krüger. „Wir lassen in vier Phasen bauen, damit der Markt, wenn auch mit weniger Händlern, weitergeführt werden kann.“ „Das ist ein leerer kahler Platz und wird auch weiterhin ein leerer kahler Platz bleiben“, ruft ein Mann aus der Menge. Kritik gibt es auch von Anwohnern, da durch die Umgestaltung rund 50 Parkplätze wegfallen werden. „Sicher ist, dass der Platz ansehnlicher werden muss“, sagt Bernd Pfeiffer. Seiner Meinung nach wird ein Brunnen nichts bewirken. „Es ist ärgerlich, dass die Planungen so viele Jahre dauern.“ Andere Anwohner fordern mehr Grün, wieder andere befürchten, dass der Platz dann erst recht „Gesindel“ anlocken wird.

„Wir werden weiterhin jeden Sonnabend auf dem Platz stehen“, sagen Mann und seine Mitstreiter. „Bis die Bagger wirklich kommen. Man kann ja nie wissen.“