Berliner helfen

Ab in die Ferien – dank Spendenpaten

Das Brandenburger Erlebniscamp der Stadtmission bietet Sommerspaß für Berliner Kinder

Rebecca und Dominique sind schon ziemlich aufgeregt. Am 15. Juli fahren die Zehnjährige und ihr ein Jahr älterer Bruder ins Ferienlager der Berliner Stadtmission. „Da kann man Pferde pflegen, und beim letzten Mal haben wir ganz tolle Freundschaftsbänder gemacht“, erzählt Rebecca. Ihr Bruder freut sich aufs Volleyballspielen und den großen Fußballplatz. „Da ist es nie langweilig“, sagt der Elfjährige, der im nächsten Schuljahr aufs Gymnasium wechselt. Die beiden waren schon zwei Mal in dem Gussower Erlebniscamp am Dolgensee in der Nähe von Königs Wusterhausen. „Sie kamen jedes Mal begeistert zurück und hatten viel zu erzählen“, berichtet ihre Mutter Christine Sturm. Die 34-jährige Berlinerin hat außer den beiden „Großen“ noch zwei weitere Kinder: den dreijährigen Henrik und das erst sieben Monate alte Baby Hanna. Ihr Mann arbeitet als Rettungssanitäter, die Familie wohnt seit fünf Jahren in Spandau. Die Ferienwoche für die beiden älteren Kinder wird durch einen sogenannten Spendenpaten ermöglicht, der die Kosten von 150 Euro pro Kind inklusive Anreise übernimmt. „Wir können uns keinen Urlaub leisten, aber die Kinder freuen sich so auf die Ferien, da sollen sie auch eine schöne Zeit haben“, sagt Christine Sturm.

Dass sie die haben werden, das garantiert Stefan Boscheck. Er leitet seit vier Jahren das Gussower Erlebniscamp und sorgt dafür, dass sich die Stadtkinder mal richtig austoben können. „Handys und Playstations bleiben zu Hause. Wir erkunden den Wald, baden im See, arbeiten in der Filmwerkstatt, im Redaktionsteam oder in der Backstube“, erzählt der Mitarbeiter der Stadtmission. Jede Woche kommen 50 Kinder in das Camp – aus allen sozialen Schichten. Wer es sich leisten kann, bezahlt die Urlaubswoche selbst. Die Mischung sei wichtig, sagt er, aber am meisten liegen ihm die Kinder am Herzen, deren Familien den Aufenthalt nicht finanzieren können und die daher auf einen Spendenpaten angewiesen sind. Sie sollen eine unbeschwerte Woche erleben und viele schöne Erlebnisse und Anregungen mit nach Hause nehmen. Dazu werden sie im Camp intensiv von einem Team aus Sozialpädagogen und besonders geschulten ehrenamtlichen Mitarbeitern rund um die Uhr betreut. Jedes Kind hat einen persönlichen Ansprechpartner, mit dem auch Sorgen und Ängste geteilt werden können. Um den Kinderschutz zu gewährleisten, wird von jedem Mitarbeiter im Ferienlager ein Führungszeugnis verlangt, alle sind der Stadtmission persönlich bekannt, betont Ortrud Wohlwend, Sprecherin der Berliner Stadtmission.

Sonnabend ist Familientag

Jeden Sonnabend ist Familientag im Camp, dann zeigen die Kinder Eltern, Großeltern und Geschwistern, was sie einstudiert, gebacken, gemalt oder gebastelt haben. „Wenn die Angehörigen sich die Fahrt nicht leisten können, organisieren wir den Transport“, sagt Stefan Boscheck. Das übernimmt der Kältebus der Berliner Stadtmission, der im Winter die Obdachlosen versorgt und im Sommer unter anderem für Transportfahrten ins Kinder-Ferienlager eingesetzt wird. „Wie prägend die Erlebnisse im Camp sind, merkt man oft erst Jahre später“, meint Stefan Boscheck. Bei allem Spiel und Spaß geht es immer auch um die Vermittlung von gegenseitiger Achtung und Respekt. Und um Freundschaft. Auch Dominique freut sich auf das Wiedersehen mit einem Jungen, mit dem er sich vor zwei Jahren im Camp angefreundet hat. Am Ende der Ferienwoche werden Fotos mit allen Kindern gemacht und als Postkarten verschickt. Eine schöne Erinnerung, findet Christine Sturm. „Man muss sich nicht schämen, wenn man Geringverdiener ist. Deswegen sollen die Kinder trotzdem Ferien haben“, meint sie – und ist dankbar, dass es Spendenpaten der Stadtmission gibt, die das möglich machen.