Gartenlust

Was macht das Wetter mit Pflanzen?

Gabriella Pape über das richtige Wässern bei großer Hitze

Das ist ganz unterschiedlich, denn wie bei uns Menschen gibt es Pflanzen, die mit Hitze wesentlich besser umgehen als andere. Es gibt beispielsweise Bäume, die bei Hitze ihren eigenen Hut aufsetzen, und zwar, indem sie ihre silbrige Blattunterseite zur Sonne drehen. Achten Sie einmal an heißen Tagen auf Bäume wie die Silberlinde (Tilia tomentosa), die Silberpappel (Populus alba) oder die Silberweide (Salix alba), deren Blattunterseite silbergrau ist. Sie schaffen es tatsächlich an heißen Tagen mithilfe eines schlauen Mechanismus, die Unterseite der Blätter gen Himmel zu richten. Dieses Nach-oben-Drehen der silbrigen Blattseite erfüllt bei viel Sonnenschein sehr wichtige Zwecke für den Baum. Ein Großteil der Sonnenstrahlen wird reflektiert und somit die lebensnotwendige Fotosynthese stark reduziert, denn für diese wird auch Wasser benötigt, das bei solcher Hitze weder existiert noch schnell genug zu den Blättern transportiert werden kann. Man könnte also behaupten, der Baum entschleunigt sich, eigentlich das, was ich auch die letzten Tage getan habe, nur dass ich keine Möglichkeit hatte, die Sonne zu reflektieren. Aber was soll’s, ich mach ja auch keine Fotosynthese, jedenfalls noch nicht, doch auch das kann sich mit dem Klimawandel und der Energiewende ändern.

Aber zurück zu den schlauen Pflanzen. Tatsächlich kommen alle silber- oder graublättrigen Pflanzen wesentlich besser mit der Hitze zurecht als grünblättrige. Rot- oder gelbblättrig gezüchteten Pflanzen geht es bei diesem Wetter ganz schlecht, sie können an heißen Tagen sogar starke Verbrennungen erleiden, vor allem an den Rändern. Dies ist bei einmaligem Auftreten nicht wirklich schlimm, sieht nur nicht besonders sexy aus. Sollten solche Temperaturen allerdings die Norm werden und in den nächsten Jahren zunehmen, würde ich vom Kauf solcher buntblättrigen Pflanzen abraten und eher grau- oder silberblättrige empfehlen. Man denke nur an all die mediterranen Pflanzen, die wir so lieben, allen voran der Lavendel; sie haben allesamt graue Blätter und meist auch keine großen Blattflächen; häufig sind diese stark reduziert oder zu einer lanzettlichen Nadelform zusammengeschoben. Man denke an den Olivenbaum, die weidenblättrige Birne, den Oleander oder den Ölbaum, alle weisen ein sehr lanzettliches, graues Blatt auf, das meist auch samtweich behaart ist, denn auch dies hilft, die Sonneneinstrahlung abzuweisen. Der Rosmarin hat sich vor lauter Schreck über die mögliche Hitze in seinem Heimatland gleich eine Nadel statt eines Blattes zugelegt, sodass er bei Hitze völlig in Ordnung bleibt.

Nun leben wir ja leider nicht in Italien oder Portugal, sondern in Berlin, und da gibt’s eben auch ganz fiese Winter. Bis sich das Klima komplett ändert, haben mediterrane Pflanzen hier leider nur eine untergeordnete Chance. Wie sollen wir mit unseren Pflanzen bei Hitze umgehen? Normalerweise empfehle ich, sehr früh morgens zu wässern, damit das Wasser Zeit hat, in den Boden einzudringen, und dann auch gleich den Pflanzen für die Fotosynthese zur Verfügung steht. Da aber auch der Boden durch die Hitze in Mitleidenschaft gezogen ist, empfiehlt es sich, am späten Abend zu wässern, damit das Wasser Zeit findet, überhaupt in den Boden zu gelangen. Wichtig ist, nicht nur eine oberflächliche Besprenkelung vorzunehmen, denn dann produzieren die Pflanzen Oberflächenwurzeln und sind bei Trockenheit nicht in der Lage, auch nur zwei bis drei Tage ohne zusätzliches Wässern auszukommen. Die Devise lautet: Lieber nur alle zwei Tage wässern, dafür aber richtig stark und lange. Vom Sprengen am Tag sollte abgesehen werden, denn sobald der Sprenger ausgeschaltet wird, verbrennt das Grün, da sich die Tropfen auf den Blättern in Brenngläser verwandeln.

Gabriella Pape ist Leiterin der Königlichen Gartenakademie in Berlin und schreibt regelmäßig am Sonnabend an dieser Stelle.