Gesundheit

Windpocken: Gericht untersagt Quarantäne im Flüchtlingsheim

In einem Eilverfahren hat das Berliner Verwaltungsgericht die Windpocken-Quarantäne in einem Flüchtlingsheim in Reinickendorf als nicht rechtmäßig abgelehnt.

Diese Absonderungsmaßnahme, die vom Bezirk getroffen worden war, könne nicht auf das Infektionsschutzgesetz gestützt werden, heißt es in der am Dienstag verbreiteten Entscheidung vom Montag. Seit Tagen hatten Polizeibeamte den Eingang des am Eichborndamm in Wittenau gelegenen Gebäudes, in dem 180 Asylbewerber leben, kontrolliert, sodass keine Infizierten das Gebäude verlassen konnten.

„Wir erwarten nun, dass dieser Gerichtsbeschluss auch umgesetzt wird und die Polizeikontrollen aufhören“, sagte Manfred Nowak, Vorsitzender der Awo Mitte, die das Heim betreibt. Bis zum Dienstagnachmittag war dies jedoch noch nicht der Fall. Beim Gesundheitsamt war zunächst nicht zu erfahren, ob die Kontrollen ausgesetzt werden. Bis dahin dürfen Bewohner ohne Immunitätsnachweis das Gebäude nicht verlassen. „Wir halten die gesamte Maßnahme für überzogen, weil nur acht Kinder Windpocken haben“, sagte Nowak. Auch in anderen Heimen kämen Windpockenfälle häufig vor, ohne dass derartige Kontrollen stattfänden. Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) wollte die Maßnahme der Reinickendorfer Behörden nicht kommentieren. Er machte aber deutlich, dass die Amtsärzte der anderen Bezirke die Quarantäneverfügung nicht für richtig gehalten haben.