BER

Stillstand als Erlebnis: Reisen zur Baustelle des Großflughafens

Hotel und Discounter Aldi bieten Touren zum BER an

Eine findige Geschäftsidee hatten die Manager des „InterCity“-Hotels Berlin-Brandenburg Airport an der Dauerbaustelle des Großflughafens in Schönefeld. Zusammen mit dem Discounter Aldi haben sie ein Reisepaket BER geschnürt, das „Faszination Flughafen Berlin-Brandenburg“ verspricht. Highlight der Reise mit zwei Übernachtungen und Frühstück ist eine geführte Tour über die Chaos-Baustelle – zum Gesamtpreis von 79 Euro. Eigentlich ist das Hotel nahe den Terminals für Fluggäste gedacht, doch durch die abgesagte Eröffnung des Hauptstadtflughafens blieben diese aus. Das günstige Reisepaket für Aldi-Kunden bringt nun Bewegung ins Hotel und auf die Baustelle.

Das Aldi-Angebot von Mai bis Oktober war innerhalb kürzester Zeit ausgebucht. „Die Tour wurde genial angenommen, wir sind super zufrieden“, sagt Stefan Gebhardt von der Geschäftsführung des Hotels. Gleichzeitig gesteht er, dass das Haus vorher nicht besonders gut frequentiert war. Das hat sich jetzt schlagartig geändert. Dabei ist bei der Erlebnistour vor allem eines zu beobachten: Stillstand. Einen etwaigen Starttermin will Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn frühestens im Herbst verkünden. Immerhin schickt er jetzt wenigstens einen emsigen Aufräum-Trupp über das Gelände. Schließlich sah es auf der Baustelle aus wie „bei Lumpi unterm Sofa“, so Mehdorns Worte.

Mit Äußerungen wie diesen kann er die Teilnehmerzahl der Erlebnistour offenbar weiter steigern. Warum soll nicht wenigstens das 2010 fertiggestellte Airport-Hotel schon mal ausgelastet sein, wenn schon die von Mehdorn anvisierte Teileröffnung des Flughafens schwierig ist? Angeblich sollen sich die infrage kommenden Fluggesellschaften zieren. Auch nicht alle Gesellschafter sollen ganz von der Idee überzeugt sein.

Die Vermarktung als Touristen-Attraktion während der Sommerferien scheint da deutlich einfacher.

Die schadenfreudigen Schaulustigen erfahren in den Medien beinahe täglich detailliert, was es alles zu sehen gibt: Etwa zehn Kilometer Bauzaun und 720 Container, die laut Mehdorn unnütz herumstünden. Auf der Aussichtsplattform in 35 Metern Höhe können sich die Reisenden einen Überblick verschaffen, dann geht es mit dem Bus über die 960 Hektar große Baustelle.

Der Flughafen-Chef schafft es immer wieder, mit seinen Äußerungen für Aufsehen zu sorgen – und das ist offenbar die beste Werbung für reiselustige Entdecker. Erst jüngst verkündete er, dass sich – anders als bisher von Technikchef Horst Amann behauptet – das Licht im Terminal durchaus ein- und ausschalten ließe. Ob es leuchtet oder nicht, davon können sich nun die Touristen in den Ferien selbst überzeugen.

Die geführte Tour kann man natürlich bei der Flughafengesellschaft auch direkt ohne Hotelübernachtungen für zehn Euro buchen. „Die Teilnehmer sind vor allem Menschen, die an Luftfahrt interessiert sind, aber auch Neugierige, die einfach sehen wollen, wie sich die Baustelle vor Ort entwickelt“, sagt Lars Wagner, Sprecher der Flughafengesellschaft. Schließlich werde ja viel geschrieben und gesendet über den Flughafen.