Parkraum

Pendler ohne Parkplatz

Der ADAC fordert mehr kostenlose Stellplätze. Doch der Senat will die Parkzonen ausweiten

In Eberswalde wohnen und im Büro am Potsdamer Platz arbeiten, ein Haus im brandenburgischen Beeskow haben und einen Job im Hotel am Kurfürstendamm – Flexibilität ist im Arbeitsalltag gefragt. Rund 250.000 Berufspendler fahren nach Angaben des ADAC täglich mit dem Auto in die Hauptstadt. Sie brauchen einen Platz für ihr Fahrzeug, der wenig oder gar nichts kostet und der in der Nähe eines Bahnhofs oder einer Haltestelle liegt. Doch das ist zunehmend schwieriger. Immer mehr Parkzonen entstehen in den Innenstadtbezirken. Im April und Mai sind in großen Teilen von Prenzlauer Berg neue Parkscheinautomaten aufgestellt worden – mit dem erklärten Ziel, Berufspendler fernzuhalten und die Verkehrsströme in den Wohngebieten zu vermindern.

„Das ist gut für die Anwohner“, sagt Volker Krane, Vorstand Verkehr beim ADAC Berlin-Brandenburg. „Deshalb begrüßen wir das.“ Doch für Berufspendler müsse es eine Kompensation geben – eine Möglichkeit, ihr Fahrzeug kostengünstig abzustellen. Das wünscht sich auch der 24 Jahre alte Potsdamer Fabian B. Er kommt täglich zur Arbeit an die Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg. „Es würde mich am Tag acht bis zehn Euro kosten, wenn ich jedes mal parken würde“, sagt der junge Mann. „Deshalb versuche ich oft, auf das Auto zu verzichten und bei Freunden zu übernachten.“ Er kenne viele, so der 24-Jährige, die an der Schönhauser Allee arbeiten, aber keine Vignette haben und auf ihr Auto angewiesen sind. Zufrieden ist dagegen Anwohner Gerhard Fischer. „Parken ist für mich nie ein Problem“, sagt der 73-Jährige. „Früher war es das.“ Aber seit es die Parkzonen gebe, könne er jederzeit sein Fahrzeug abstellen, wo er wolle. „Das kostet mich 20 Euro in zwei Jahren, das ist doch in Ordnung.“

Masterplan soll 2014 fertig sein

So wie Gerhard Fischer soll es noch mehr Berlinern gehen. Das Hauptaugenmerk der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung richtet sich auf die zunehmende Parkraumbewirtschaftung. Die Landesbehörde lässt derzeit den Masterplan Parken ausarbeiten. Der ADAC sei darüber informiert und eingebunden. „Es gibt Gesprächsrunden und Workshops mit den Bezirksämtern und den Verbänden“, sagt Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung. Das nächste Treffen sei im Herbst 2013 vorgesehen. Dann werden Detailfragen besprochen. „Wir gehen davon aus, dass wir Anfang des nächsten Jahres den Masterplan Parken fertig haben.“

Die Forderung des ADAC nach mehr Stellplätzen für Berufspendler sei nicht neu. Berlin habe etliche Park&Ride-Plätze, so Rohland, „es ist aber schwierig, diese Plätze zu pflegen. Dafür ist viel Geld nötig.“ Hohe Kosten gebe es auch, wenn man neue Flächen anlegen würde. Doch eine Anlage für 400 Fahrzeuge würde den Straßenverkehr nur um 800 Fahrten täglich entlastet. „Das ist nicht die große Menge.“ Außerdem stünden auch nicht so viele Flächen zur Verfügung. „Wir setzen nach wie vor auf Parkraumbewirtschaftung.“ Das werde das entscheidende Thema im Masterplan Parken sein. „Dabei wollen wir mehr Bürgerbeteiligung und ein einheitlicheres Vorgehen der Bezirke.“ Berücksichtigt werden soll auch, dass immer mehr Berliner das Fahrrad und die Car-Sharing-Angebote nutzen. Für sie soll es mehr Stellplätze geben. Doch der ADAC Berlin-Brandenburg beharrt darauf, dass die Berufspendler wichtig für Berlin sind und dass für sie geeignete Möglichkeiten geschaffen werden sollten. Der Automobilclub hat sich die Situation in Pankow angesehen. Nach seinen Berechnungen fahren täglich 66.900 Brandenburger von Norden zur Arbeit nach Berlin, vor allem über die Autobahnen 111 und 114 sowie über die Bundesstraßen 2, 96, 96a und 109. Doch nur 3000 Stellplätze stehen auf Park&Ride-Flächen in Pankow zur Verfügung, an Stationen der S-Bahn oder der Regionalbahn. Viele versuchen deshalb, ihr Fahrzeug in der Innenstadt abzustellen.

10.000 kostenpflichtige Plätze

Durch die neuen Parkzonen in Prenzlauer Berg sind jedoch seit April mehr als 10.000 Stellplätze kostenpflichtig geworden. „Pendler müssen an der Stadtgrenze oder schon im Umland die Chance bekommen, vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen“, fordert ADAC-Vorstand Krane. „Das ist eine gemeinsame Aufgabe von Berlin und Brandenburg.“ Auch der Verkehrsverbund sei mit einzubeziehen. 10.000 Stellplätze für Berufspendler, die über Pankow nach Berlin kommen, sollten neu geschaffen werden, fordert Jörg Becker, Leiter Technik und Verkehr beim ADAC. Geeignete Standorte für Park& Ride-Plätze gebe es auf Brachflächen der Bahn, etwa in Heinersdorf.

Für die Einrichtung der Plätze könnten EU-Mittel in Anspruch genommen werden. „Eine Kommune in Bayern hat nur drei Prozent der Kosten gezahlt“, so Jörg Becker, „weil sie Fördermittel des Landes, des Bundes und der EU in Anspruch genommen hat.“ Berufspendler sollten außerdem die Möglichkeit bekommen, von Umlandbahnhöfen mit einem Ticket der Tarifzone AB nach Berlin zur Arbeit zu fahren.