Gartenlust

Sommer ist Oleanderzeit

Gabriella Pape über wärmeliebende Sehnsuchtspflanzen

Endlich sonniger Sommer – und sofort kommt die Sehnsucht nach dem Süden bei uns auf. Wer sich nicht in die Staus begeben oder aus anderen Gründen einfach zu Hause bleiben möchte, kann sich mit Oleander, Oliven und Lavendel das Flair südlicher Romantik auf Balkon oder Terrasse zaubern.

Aber wohin damit im Winter, wenn sie zu groß werden? Oleander ist zum Beispiel sehr schnittverträglich, er blüht am zweijährigen Holz, und damit er schön dicht und buschig bleibt, sollte er regelmäßig im Herbst vor der Einwinterung geschnitten werden. Das spart viel Platz. Auch im Frühjahr ist ein Schnitt möglich. Beim jährlichen Erhaltungsschnitt werden die Äste nur bis zu den schon ausgebildeten Knospen geschnitten. Wie bei anderen Gehölzen auch, müssen trockene Äste entfernt werden. Damit der Oleander nicht von unten verkahlt, schneiden Sie bei älteren Exemplaren auch ein paar Äste direkt über dem Boden ab. Wenn das Prachtstück doch zu groß geworden ist, bietet sich ein Radikalschnitt an, das heißt, alle Triebe werden um ein oder sogar zwei Drittel gekürzt, was allerdings bedeutet, dass der Oleander im folgenden Jahr nicht blüht. Im Sommer zupfen Sie aus optischen Gründen nur liebevoll die verblühten Kronblätter ab, wenn sie nicht ohnehin von selbst abfallen. Unsere wärmeliebenden Sehnsuchtspflanzen stehen gern in voller Sonne und sollten regelmäßig gegossen werden. Häufiges Düngen – etwa alle sieben bis 14 Tage – verhilft zu üppiger langer Blüte. Wenn es wieder unangenehm kühl wird, freuen sich die Pflanzen über ein helles, kühles Plätzchen bei fünf bis 15 Grad. Lassen Sie den Oleander so lange wie möglich draußen stehen, erst wenn Frost droht, sollte er hineingestellt werden. Diese immergrüne Pflanze bitte während des Winters wenig gießen. Achten Sie auf gute Durchlüftung, um Schädlingen keine Chance zu geben. Der Olivenbaum gehört nicht nur aufgrund seines zum Teil bizarren Wuchses und der unglaublichen Stämme zu den südländischen Pflanzen unserer Sehnsucht, denn auch für ihn sind unsere Winter zu kalt. Er ist pflegeleicht und trägt auch in unseren Breiten Früchte. Er kann während des ganzen Jahres geschnitten werden, empfehlenswert ist allerdings das Frühjahr. Nach dem Schnitt sollte die Krone luftig sein, die Haupttriebe bleiben stehen, und die dünnen Seitentriebe werden entfernt. Um eine schöne Krone zu erhalten, werden die Hauptäste gleichmäßig gekürzt. Der Olivenbaum braucht relativ wenig Wasser, sobald sich allerdings die ersten Knospen zeigen, sollte er mehr gegossen werden. Wer genügend Platz hat und sich einen so urigen Olivenbaum wünscht, wie man ihn in Griechenland findet, sollte auf einen Schnitt ganz verzichten. Auch der Olivenbaum braucht zum Überwintern einen hellen, kühlen Raum.

Lavendel entfacht in uns ebenfalls Erinnerungen an Sommer, Sonne und Ferien in der Provence. Er ist nicht nur eine beliebte Kübelpflanze, sondern wird häufig – mit unterschiedlichem Erfolg – auch im Garten angepflanzt. Er betört durch seinen wunderbaren Duft und seine schöne Blüte. Lavendel ist im Grunde eine sehr pflegeleichte Pflanze. Sie muss unbedingt geschnitten werden, damit sie von unten nicht zu kahl und dadurch unansehnlich wird. Idealerweise sollten Sie Ihren Lavendel einmal im Frühjahr kräftig – etwa um ein Drittel – zurückschneiden und ein zweites Mal, weniger radikal, im Herbst. Nach dem Schnitt sollte noch genügend Laub erhalten bleiben, damit sich die Pflanzen im Winter schützen können. Zu guter Letzt möchte ich Ihnen noch einen bezaubernden Südländer ans Herz legen: Duranta erecta oder auch Himmelsblüte, ein schnell wachsender Strauch für den Wintergarten oder die Terrasse. Ihre überhängenden, blauen Blüten gleichen Perlenketten. Während der üppigen Blüte sollte reichlich gegossen werden. Wer muss bei so viel südländischem Flair auf der eigenen Terrasse überhaupt noch in den Süden fliegen?

Gabriella Pape ist Leiterin der Königlichen Gartenakademie in Berlin und schreibt regelmäßig am Sonnabend an dieser Stelle.