Auszeichnung

Kissinger-Preis geht an verstorbenen Widerstandskämpfer

Posthume Auszeichnung für Ewald-Heinrich von Kleist

Keine Frage, Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hat in diesen Tagen ein straffes Programm, die Drohnen-Affäre hält ihn in Atem. In der American Academy in Berlin war man umso erleichterter, dass der Minister am Montag Abend trotz allem den Weg nach Wannsee gefunden hatte, um die Laudatio auf den im März verstorbenen Widerstandskämpfer Ewald-Heinrich von Kleist zu halten, der nun posthum mit dem renommierten Henry A. Kissinger-Preis ausgezeichnet wurde. Der Preis ehrt von Kleist als moralische Instanz und sein Lebenswerk im Dienste des Ausbaus der transatlantischen Beziehungen und der Förderung des Dialogs zur friedlichen Konfliktbewältigung.

Tatsächlich hatte von Kleist als 22-Jähriger die Männer des 20. Juli um Claus Schenk Graf von Stauffenberg unterstützt, daraus aber nie eine große Sache gemacht, sondern sich mit aller Kraft der Pflege der deutsch-amerikanischen Beziehungen gewidmet. Zum Festakt im Hans Arnhold Center der American Academy war deshalb sogar John McCain angereist, der US-Senator aus Arizona und einstige Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Er ließ es sich nicht nehmen, neben de Maizière die zweite Laudatio auf von Kleist zu halten. Mit dem Verstorbenen habe ihn eine mehr als dreißig Jahre währende Freundschaft verbunden. Die Auszeichnung nahm die sichtlich bewegte Comtesse Vera de Lesseps entgegen, die Tochter Ewald-Heinrich von Kleists. „Ewald-Heinrich von Kleist war ein beispielhafter deutscher Patriot und ein staatsmännischer Verfechter der transatlantischen Beziehungen“, sagte der frühere amerikanische Außenminister Henry A. Kissinger, nach dem der Preis benannt ist und dessen 90. Geburtstag in diesen Wochen gefeiert wird. „Ich bin froh, ihn als Freund gekannt zu haben und fühle mich geehrt, sein außergewöhnliches Lebenswerk würdigen zu können.“ De Maizière nannte es ein „Glück“, dass von Kleist noch kurz vor seinem Tod erfahren hatte, dass er diesen Preis erhalten sollte. Die große Stärke des nun posthum Geehrten sei vor allem seine „innere Freiheit“ gewesen.

Nach der Nazi-Zeit, die von Kleist mit viel Glück überlebte, gründete er im Jahr 1962 die Wehrkundetagung, die heute als Münchener Sicherheitskonferenz weltweit bekannt ist – und bei der McCain Stammgast ist. Von Kleist arbeitete als Verleger und war Rechtsritter des Johanniterordens. Am 20. Juli 2010 hatte er einen großen Auftritt, als er zu den Rekruten sprach, die am feierlichen Gelöbnis im Bendlerblock teilnahmen.