Meine Woche

Bauarbeiten – und kein Ende

Christine Richter über Baustellen und einen ängstlichen Senat

Ich weiß, ich soll nicht jammern. „Keep cool“, sagt mein Freund. Aber das geht kaum noch. In mir brodelt eine Mischung aus Verzweiflung, Machtlosigkeit und Resignation. Der Grund: Es wird wieder einmal gebaut, in Prenzlauer Berg, in der Raumerstraße.

Vor wenigen Tagen lag ein Zettel im Briefkasten, in dem wir Anwohner über die anstehenden Bauarbeiten informiert wurden. Diesmal wird die Straße wegen der Fernwärmerohre aufgerissen. Auf dem Zettel war eine Karte mit der eingezeichneten Baustelle und den wegfallenden Parkplätzen abgedruckt, mit der Bitte um Verständnis und einer Telefonnummer, an die wir uns wenden können. Um was zu tun? Sich zu bedanken, dass schon wieder die Straße aufgerissen wird und noch weniger Parkplätze zur Verfügung stehen? Zu fragen, warum die Arbeiten seit Jahren nicht koordiniert werden? Um sich zu beschweren? Die Bauarbeiten, die am vergangenen Montag begonnen haben, dauern übrigens seine Zeit. Nein, nicht ein oder zwei Monate, sondern bis Ende des Jahres. Das sind sechs Monate. Und weil wir in Prenzlauer Berg in den vergangenen Jahren schon viele, viele Bauarbeiten auf den Straßen erlebt haben, wissen wir, dass diese schon mal länger dauern können. „Keep cool“, sagt mein Freund.

Es ist nicht die einzige Baustelle, die einen, erst recht einen Autofahrer, in Berlin verzweifeln lässt. Am Donnerstag teilte der für den Verkehr und die Stadtentwicklung zuständige Senator mit, dass die Fahrbahn und die Brücke an der Stadtautobahn A100 Richtung Norden saniert werden muss – die Zufahrt von der Avus auf die Stadtautobahn wird für einen Monat dicht gemacht, sogar zwei Monate lang ist die A100-Zufahrt Richtung Norden von der Halenseestraße aus geschlossen. Das Autobahndreieck Funkturm wird damit für mindestens acht Wochen zur Mega-Staufalle – trotz der geplanten Umleitung. Hatten wir uns nicht gerade erst gefreut, dass die Avus-Sanierung abgeschlossen ist und man wieder staufrei in die Stadt kommt – zumindest an den meisten Tagen? Nun beginnt das Drama von Neuem.

Und dann ist da noch jene Baustelle, die ich keinem meiner Berlin-Besucher erklären kann. Wenn ich die Freunde mit dem Auto am Hauptbahnhof abgeholt habe, quälen wir uns anschließend über die Invalidenstraße Richtung Prenzlauer Berg. Nicht nur im Berufsverkehr stehen dort die Autofahrer im Stau. Auf der Invalidenstraße sollen Gleise für die Straßenbahn verlegt werden, außerdem werden auch dort Rohre und Leitungen erneuert. Seit Monaten schon. Auf der riesigen Baustelle tut sich jedoch nicht viel, mal wird die Fahrbahn von rechts nach links verlegt, aber von Baufortschritt kann wirklich keine Rede sein.

Deutsche Gründlichkeit ist ja schön und gut, aber warum das auf der Invalidenstraße so langsam voran geht, hat mir noch keiner erklären können. Auch die Möglichkeiten, auf andere Straßen auszuweichen, sind begrenzt. Besonders schlimm wird es, wenn auch noch die Straße des 17. Juni wegen einer Veranstaltung, gerne mehrere Tage lang, gesperrt ist.

Manchmal denke ich, im Senat und vor allem in meinem Bezirk haben die das Sagen, die keine Autofahrer mögen. Die möglichst viele Hauptverkehrsstraßen wie die Straße des 17. Juni in Tiergarten oder die Bismarckstraße in Charlottenburg und die Avus zeitgleich dicht machen oder möglichst viele Parkplätze in Wohngebieten vernichten wollen. „Keep cool“, sagt mein Freund. Ist Resignation cool?

Christine Richter leitet gemeinsam mit Gilbert Schomaker die Lokalredaktion. Nächsten Sonntag schreibt Gilbert Schomaker über seine Woche in Berlin.