Berliner helfen

Auf den Spuren von Howard Carter

Schulklasse der Fichtelgebirge-Schule in Kreuzberg besucht die Tutanchamun-Ausstellung - dank einer Spende von „Berliner helfen“

Täglich laufen sie auf ihrem Schulweg an den glänzenden Plakaten mit der geheimnisvollen Maske und dem unaussprechlichen Namen vorbei, die für die Tutanchamun-Ausstellung in der Arena Berlin werben. Doch für viele Kinder der Fichtelgebirge-Schule in Kreuzberg ist ein Ausstellungsbesuch nicht denkbar, obwohl die Schätze des Pharao, oder vielmehr deren originalgetreue Repliken, nur ein Viertelstunde Fußweg von ihrer Schule entfernt liegen. Dass die Kinder, die vielleicht einmalige Chance verpassen, die Schätze aus dem weltbekannten Pharaonengrab zu sehen und etwas über ihre Geschichte zu erfahren, ließ Bettina Bender (45) keine Ruhe. Ihr Siebenjähriger Sohn besucht eine Klasse der Fichtelgebirge-Schule und so machte sie auf einem Elternabend den Vorschlag, die Ausstellung zu besuchen. Doch der scheiterte an den Eintrittspreisen. „Viele Eltern sind schon mit den Kosten für Fahrkarten, Mittagessen und Schulsachen überfordert“, sagt Bettina Bender. Sie wandte sich an den Verein Berliner helfen. Mit einer Spende wurden die Eintrittskarten für die Schüler bezahlt, deren Eltern dazu nicht in der Lage waren - und die Vorbereitungen für den Ausstellungsbesuch konnten beginnen.

Bettina Bender ist Tischlerin und hatte die Möbel des Tutanchamun in Kairo im Original gesehen. Sie war fasziniert über die handwerklich und künstlerisch außergewöhnlichen Arbeiten und wollte den Kindern genau diese Einzigartigkeit der Grabkammer-Schätze vermitteln und sie schon im Unterricht darauf vorbereiten. Klassenlehrerin Margret Gast war sofort begeistert: „Das ist doch toll, wenn sich Eltern so engagieren.“ In ihrer jahrgangsübergreifenden Klasse der Stufe 1 bis 3 haben mehr als die Hälfte der Kinder Migrationshintergrund, die sozialen und sprachlichen Unterschiede sind eine Herausforderung, die die Lehrerin seit 35 Jahre meistert - „und das immer noch gern!“

Vorfreude und Neugier der 26 Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren auf den geheimnisvollen Pharao und seine Schätze war riesengroß. Vergangene Woche war es endlich soweit: statt Klassenlehrerin Gast übernimmt Bettina Bender die ersten beiden Unterrichtsstunden - und hat die ersten Anschauungsobjekte dabei: prächtige Bildbände, die das Leben im alten Ägypten, die Pyramiden, Mumien und die schöne Nofretete zeigen. Aber auch einige Kinder haben sich vorbereitet: Anna zeigt ihre Katzengöttin-Figur, Niklas erklärte seinen Mitschülern, wie die Hieroglyphen entschlüsselt wurden und Jannis weiß, dass den Toten Speisen mit ins Grab gegeben wurden. Bettina Bender reicht Schmucksteine und Stücke von Elfenbein und Kiefer zum Anfassen und Vergleichen herum und präsentiert ihr „Meisterstück“ - ein aus Holz nachgebautes Detailstück der Lehne vom Thronstuhl des jungen Pharao. „Hat mich einen Tag Arbeit in der Werkstatt gekostet und die alten Ägypter hatten ja nicht solche Werkzeuge wie ich“, erklärt sie den staunenden Kindern.

Genau diesen Thronsessel aus Elfenbein und Ebenholz bewundern die Kinder eine Stunde später in der Tutanchamun-Ausstellung. Dazu die prächtige Goldmaske von dem Plakat, goldene Schreine, kostbare Figuren und all die „wundervollen Dinge“, die Howard Carter und sein Finanzier, Lord Carnarvon, 1922 in der unversehrten Grabkammer im Tal der Könige fanden. „Die Repliken sind wirklich hervorragend gemacht“, sagt die Tischlerin Bettina Bender. Die Kinder tragen alle einen Audio-Guide mit Kopfhörern, der leicht verständlich die verschiedenen Exponate erklärt. Simone Karasahin, Mutter des 6-jährigen Luca, begleitet die Gruppe. „Eine tolle Idee, das muss man doch unterstützen“, sagt sie.

Die Geschichte der Pharaonen wird in einem Film gezeigt, ebenso wie die des Archäologen Howard Carter. Aber dazu haben die Kinder schon von Bettina Bender einiges erfahren: „Er hat sieben Jahre lang im Wüstensand gebuddelt und gesucht - das ist von Eurer Geburt bis jetzt!“ Und das ist vielleicht die wichtigste Botschaft, die die Kreuzberger Schüler aus der Tutanchamun-Ausstellung mitnehmen: Nicht aufgeben, wenn man etwas Bestimmtes erreichen will - selbst wenn die Sache aussichtslos erscheint und man viele Hindernisse überwinden muss.