Nahverkehr

Baumarathon in den Sommerferien

S-Bahn-Nutzer müssen sich auf Sperrungen einstellen. Zum Fahrplanwechsel an diesem Sonntag gibt es erste Veränderungen

Die seit fast genau vier Jahren krisengeplagte S-Bahn fährt erst seit wenigen Tagen wieder auf allen Linien. Mit der Reaktivierung der seit Juni 2009 eingestellten S85 (Grünau-Waidmannslust) ist das Netz seit Montag wieder komplett. Die Freude der S-Bahn-Nutzer ist allerdings nur von kurzer Dauer. Nach dem langen Berliner Winter beginnt bereits in wenigen Tagen die Haupt-Bausaison bei der S-Bahn – und besonders hart trifft es auch in diesem Jahr die Nutzer der Ringbahn und der Nord-Süd-Linie S1. Auch auf der Linie S7 durch den Grunewald wird wieder gebaut. Dort erneuert die Bahntochter DB Netz in den Sommermonaten die Brücken über den Fischerhüttenweg und den Weg zum Schlachtensee.

Schon im Vorfeld der Bauarbeiten passt das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn daher seine Fahrpläne an. Zum sogenannten kleinen Fahrplanwechsel an diesem Sonntag tauschen die S1 und die S7 ihre Endstationen im Südwesten. Die S1 fährt dann von Oranienburg nach Potsdam Hauptbahnhof, die S7 von Ahrensfelde nach Wannsee. Tagsüber verlängert sich die Fahrzeit zwischen Grunewald und Wannsee um fünf Minuten. Kleinere Veränderungen gibt es zum Fahrplanwechsel nach Angaben der S-Bahn außerdem auf den Linien S3, S5 und S8.

In den Sommerferien beginnen dann die größten Bauprojekte. Nachdem der östliche Ring in den Vorjahren an zahlreichen Wochenenden und über Ostern 2012 gleich für mehr als zwei Wochen voll gesperrt war, müssen nun die abgenutzten Gleise und mehrere Weichen auf dem Südring zwischen Bundesplatz und Südkreuz erneuert werden. Gebaut wird vom 21. Juni bis zum 5. August. Vom 22. Juli an ist nur noch der Abschnitt zwischen Bundesplatz und Schöneberg gesperrt. Zehntausende Fahrgäste müssen im Sommer auf Ersatzbusse umsteigen oder auf andere Verkehrsmittel ausweichen. Die S-Bahn rät ihren Fahrgästen zwischen Neukölln und Bundesplatz oder Heidelberger Platz die Umfahrung mit den U-Bahn-Linien U7, U9 und U3.

Im gleichen Zeitraum baut die S-Bahn auch im Norden. DB Netz erneuert die Gleise zwischen den Stationen Schönholz und Frohnau. Die Züge der S1 werden daher zwischen Bornholmer Straße und Hohen Neuendorf über Pankow, Blankenburg und Schönfließ umgeleitet. Zwischen Schönholz und Birkenwerder fahren Pendelzüge im 20-Minuten-Takt.

Auch im Regionalverkehr gibt es Veränderungen zum Fahrplanwechsel. Die wichtigste lautet: Bahnfahrten an die Ostsee werden wieder einfacher und schneller. Die Deutsche Bahn nimmt am Sonntag den durchgehenden Zugverkehr zwischen Berlin und Rostock nach neun Monaten Bauzeit wieder auf. Ursprünglich sollten die Züge schon im April wieder rollen, doch ein zeitweiliger Baustopp, der schwierige Untergrund und die Suche nach Blindgängern im Umfeld des Bahnhofs Oranienburg verzögerten die Arbeiten um mehrere Wochen.

Mehr Platz in Ausflugszügen

Noch bis Dezember gibt es auf der in den Sommermonaten viel genutzten Verbindung allerdings einige Einschränkungen. Weil die Strecke bis dahin auf einigen Abschnitten nur eingleisig nutzbar ist, halten die meisten Züge der Regional-Expresslinie RE5 (Rostock–Falkenberg) nicht in Dannenwalde. Wegen einer Umleitung entfällt der Halt in Güstrow bei allen Zügen. Als Ersatz setzt die Deutsche Bahn Busse ein. Ebenfalls auf Busse umsteigen müssen die Fahrgäste des RE5 südlich von Berlin. Die Strecke zwischen Falkenberg (Elster) und Holzdorf (Elster) wird wegen umfangreicher Brückenarbeiten bis Mitte Dezember voll gesperrt.

Vom Ende der Sperrung zwischen Oranienburg und Neustrelitz profitieren auch die Fahrgäste der Regionallinien RB12 (Berlin-Lichtenberg–Templin) und RB20 (Potsdam–Oranienburg). Beide Linien fahren von Sonntag wieder durchgängig. Gute Nachrichten gibt es auch für die Nutzer der Pendlerlinie RB10 (Nauen–Berlin Hauptbahnhof). Die Reparaturarbeiten nach der Entgleisung eines Zuges an der nördlichen Ausfahrt des Hauptbahnhofs sind beendet. Die Regionalbahn fährt wieder planmäßig über Spandau und Jungfernheide zum Hauptbahnhof. Das betrifft auch die im morgendlichen Berufsverkehr zusätzlich eingesetzten Züge der Linie RE3. Sie fahren wieder ohne Einschränkungen zwischen den Bahnhöfen Eberswalde und Südkreuz.

Auf mehreren beliebten Ausflugsstrecken erhöhen die Eisenbahnunternehmen in der Sommersaison auch ihr Platzangebot – insbesondere für Reisende mit Fahrrädern. „Wir haben an einigen Stellschrauben gedreht, um das Angebot auf bestimmten Strecken zu verbessern“, sagte Brandenburgs Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) am Freitag. „Von zusätzlichen Zügen und mehr Platz profitieren nicht nur Pendler, sondern auch Touristen, die im Sommer und vor allem an den Wochenenden unterwegs sind.“ Verbesserungen soll es nach Angaben des Potsdamer Ministeriums unter anderem auf den Linien RB60 zwischen Berlin-Lichtenberg und Frankfurt (Oder), RB36 zwischen Königs Wusterhausen und Frankfurt (Oder) und RB54 zwischen Neuruppin und Rheinsberg geben.