Stadtplanung

Hier wird es eng

Die A100 am Dreieck Funkturm ist marode. Ab Montag wird sie in Fahrtrichtung Norden saniert

Lutz Adam, Abteilungsleiter für Tiefbau in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, ist gewöhnlich kein Mann, der die Dinge unnötig aufbauscht. Wenn einer wie er von „riesengroßen Problemen“ und „enormen Verkehrsauswirkungen“ spricht, dann wird es ernst für die Berliner Autofahrer. Am Donnerstag griff Adam zu den großen Worten. Und von Montag an werden die Autofahrer die Auswirkungen spüren. Für gut acht Wochen wird die Stadtautobahn A100 ausgerechnet am Dreieck Funkturm zum Nadelöhr. Der mit täglich knapp 200.000 Fahrzeugen am dichtesten befahrene Autobahnabschnitt Europas bekommt in Fahrtrichtung Norden eine neue Fahrbahn. Vor allem die Brückenabschnitte zwischen den Anschlussstellen Kurfürstendamm und Kaiserdamm sowie die Verbindung zwischen der A115 (Avus) und der A100 sind marode.

Warum muss saniert werden?

Durch Risse im Asphalt und in die Jahre gekommene Abdichtungen sickern Wasser und Salz in den Untergrund. Regelmäßig platzen am Dreieck Funkturm große Schlaglöcher auf, die dann notdürftig ausgebessert werden müssen. Unplanbare Reparaturen sorgen für Staus und Ärger bei den Autofahrern. Und Jahr für Jahr verschärft sich die Situation ohne eine grundlegende Sanierung. „Die Substanz ist sehr schlecht, deswegen müssen wir jetzt handeln“, sagte Projektleiter Daniel Schmohl am Donnerstag. Knapp 1,6 Millionen Euro stellt der Bund zur Verfügung, um die Stadtautobahn zu sanieren. Bis auf den Grund werden alle Schichten der Fahrbahn herausgefräst und erneuert, die Bauwerke neu abgedichtet. Um die Anwohner zu entlasten, wird die neue Fahrbahn aus lärmarmem Asphalt gebaut.

Wann geht es los?

Baustart ist am Montag unmittelbar nach dem Berufsverkehr um neun Uhr. In der ersten Bauphase, die bis zum 9. Juli dauern soll, stehen auf der A100 ab dem Dreieck Funkturm nur zwei Fahrspuren zur Verfügung. Die Überfahrt von der Avus zur A100 in Richtung Norden wird voll gesperrt, der Verkehr zur Anschlussstelle Kaiserdamm umgeleitet (siehe Grafik). Die Verkehrslenkungsbehörde lässt mehrere Ampeln auf der Ausweichroute umprogrammieren, um allzu lange Staus zu vermeiden. Geduld werden die Autofahrer während der gesamten Bauzeit wohl trotzdem brauchen. Gut 90.000 Fahrzeuge fahren an normalen Werktagen in Richtung Norden über die Stadtautobahn. In den Ferien sind es laut Abteilungsleiter Adam zwar zehn bis 15 Prozent weniger, aber nur 16.000 bis 20.000, das zeigen die Erfahrungen, lassen sich pro Spur ohne Stau bewältigen.

Was sollten Autofahrer beachten?

Adam rät dringend dazu, den Engpass möglichst weiträumig zu umfahren oder gleich auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Anzeigetafeln informieren die Autofahrer bereits an den Autobahnknoten Nuthetal, Schönefeld, Potsdam und Werder am äußeren Berliner Ring (A10). Am Dreieck Zehlendorf an der Avus wird außerdem eine Stauwarnanlage aufgebaut.

Trotz aller Technik ist das Chaos aber wohl vorprogrammiert, denn in Bauphase zwei, vom 10. Juli bis zum 7. August, wird es noch enger. Dann ist zwar die Verbindung zwischen Avus und A100 wieder frei, dafür gibt es auf der Stadtautobahn in Richtung Norden schon ab der Anschlussstelle Kurfürstendamm nur noch eine Fahrspur. Um einen Kollaps im Autobahndreieck zu vermeiden, ist die Auffahrt Halensee in Richtung Norden während der gesamten Bauzeit gesperrt.

Wann sind die Arbeiten beendet?

Nach den Planungen der Senatsverwaltung sollen alle Arbeiten am 7. August abgeschlossen sein. Oder bestenfalls früher. Dafür gibt es aus Sicht der Baufirmen zumindest einen finanziellen Anreiz. Vertraglich vereinbart ist eine sogenannte Bonus-Malus-Regelung. Für jeden Tag, den die Arbeiten früher als geplant abgeschlossen werden, erhalten die beauftragten Unternehmen etwa 10.000 Euro zusätzlich, maximal beträgt der Gesamtbonus fünf Prozent der Bausumme, also rund 80.000 Euro. Für jeden Tag Verspätung bekommen die Firmen etwa 4000 Euro weniger.

Bei der Sanierung der Avus hatte die Senatsverwaltung mit einer solchen Regelung gute Erfahrungen gemacht. Ein Jahr früher als geplant konnte das Großprojekt im November 2012 abgeschlossen werden. Die Berliner Autofahrer freuten sich über freie Fahrt auf der A115, die Baufirmen über einen Bonus von einer Million Euro. Auf einen ähnlichen Erfolg hoffen Tiefbau-Abteilungsleiter Adam und Projektleiter Schmohl nun auch. Auch weil sie ein Verkehrschaos bei der großen Rückreisewelle der Berliner zum Ferienende Anfang August gern vermeiden würden. „Wir hoffen, dass wir drei bis fünf Tage rausknirschen können“, sagte Schmohl. Um das zu schaffen, wird auch mit Ausnahmegenehmigungen gearbeitet. Zumindest zeitweise sollen die Bauarbeiter auch nachts und an den Wochenenden im Einsatz sein.

Ende gut, alles gut?

Trotz der massiven Einschränkungen für die Autofahrer steht für Abteilungsleiter Adam fest: „Es geht technologisch nicht anders.“ Zumindest, so hofft er aber, wird die neue Fahrbahn dank der aufwendigen Grundsanierung dann zehn bis 15 Jahre halten.