Stadtplanung

Das Ende der Schattenplätze

Bezirksamt will in der Schloßstraße die Platanen durch Buchen ersetzen. Umweltexperten und Anwohner sind dagegen

Die Baumkronen der Platanen an der Steglitzer Schloßstraße sind teilweise zu einem Dach zusammengewachsen, ihre Blätter rascheln im Wind. Passanten finden unter den hohen ausladenden Bäume Schatten. Einst säumten die Platanen die gesamte Einkaufsstraße, rechts und links am Straßenrand und auf dem Mittelstreifen. Jetzt sind sie nur noch stellenweise zu finden. Und es werden immer weniger – bis sie eines Tages ganz verschwunden sind. Das ist das Szenario, das das Bezirksamt beschlossen hat. Das Amt will gegen den Willen der Bezirksverordneten die Platanen durch Hainbuchen ersetzen lassen.

Das Umweltamt argumentiert, dass die Buche der geeignetere Straßenbaum sei. Achim Förster, Bürgerdeputierter im Umweltausschuss der Bezirksverordneten, hält dagegen: Ob Hainbuche oder Platane, das nehme sich gar nichts. Nur sei versäumt worden, die Platanen richtig zu pflegen. „Platanen müssen radikal zurückgeschnitten werden“, sagt Förster. Er habe schon vor fünf Jahren auf die schräg stehenden Bäume, die das Pflaster angehoben haben, hingewiesen. Zur Antwort habe er bekommen, dass alles in Ordnung sei, erzählt der Umweltexperte. Dabei hätte das Grünflächenamt sofort reagieren und die Baumkronen entlasten müssen. Doch anstatt einen kostengünstigeren Kronenschnitt vorzunehmen, seien die Bäume beseitigt und durch Buchen ersetzt worden. Für Förster stellt sich die Frage, „warum der teure Weg des Fällens und des Ersatzes gewählt wurde“.

Es geht nicht nur ums Geld

Die Kosten sind auch für Evelyn Kersten ein Grund, warum sie für die Platane plädiert. Sie ist Sprecherin beim BUND Südwest. Als Mitglied der SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hatte sie vor mehr als einem Jahr einen Antrag wegen der Platanen in der Schloßstraße gestellt. Das Bezirksamt sollte prüfen, ob gefällte Bäume wieder durch Platanen ersetzt werden können, so ihre Forderung. Auf Pflanzung von Säulenhainbuchen als Ersatz solle verzichtet werden.

Es ist aber nicht nur der kostengünstigere Rückschnitt der Platanen, den sie als Grund anführt. „Die Platane hat sich etabliert, sie gehört zum Stadtbild“, sagt Evelyn Kersten. Das hätten ihr auch viele Anwohner gesagt. Diese loben den Baum nicht nur, weil er in die Straße passe, sondern als hervorragenden Schattenspender. Die promovierte Biotechnologin hält zudem nichts von einem Mix aus verschiedenen Bäumen. „Eine Säulenhainbuche kann in einem Park stehen, aber nicht an einer Straße“, sagt Evelyn Kersten. Sie sieht bei „einer guten Organisation“ kein Problem, die Platanen zu erhalten. Dazu gehöre ein radikaler Rückschnitt im Herbst, und „der Baum hält ein Leben lang“.

„Wir sehen keine Entwicklungschance für die Platane“, sagt hingegen Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU). Die Bäume seien zu groß für die Schloßstraße und würden aufgrund von Platzmangel nach und nach eingehen. Hainbuchen hätten eine deutlich bessere Überlebenschance. Das Grünflächenamt hat einen Vergleich zwischen der Platane und der Hainbuche gezogen. Die Untersuchung, in der Daten wie Größe, Wurzel, Wachstum und Schädlingsbefall erhoben wurden, kommt zu dem Schluss, dass die Platane als Straßenbaum in der Schloßstraße „geeignet mit Einschränkungen“ ist. Die Hainbuche wird als „geeignet“ kategorisiert.

„Für die Platanen ist kein ausreichender Abstand zu den Hausfassaden vorhanden, und auf dem Mittelstreifen engt der U-Bahntunnel den Platz für die Wurzel ein“, sagt Monika Osteresch, Fachbereichsleiterin Grünflächen. Außerdem seien Platanen anfälliger für Pilz- und Insektenbefall als Hainbuchen. Ziel müsse es sein, in der Schloßstraße einen Baum zu pflanzen, der resistent ist gegen Pflanzenkrankheiten und wenig Rückschnitt benötige. Die Buche erfülle diese Ansprüche durch eine geringe Anfälligkeit und ihren schlanken Wuchs.

Hainbuche ist in Mode

Im Fazit der Untersuchung wird festgestellt, dass die Hainbuche seit etlichen Jahren als Straßenbaum „in Mode“ gekommen sei und das Spektrum bei den Nachpflanzungen erweitern solle. So solle die biologische Vielfalt in der Stadt erhalten bleiben. Von Vielfalt wird in der Schloßstraße jedoch bald keine Rede mehr sein. Momentan stehen bereits 66 Hainbuchen und nur noch 59 Platanen. „Eine erneute Änderung der Baumart, von der Hainbuche wieder zur Platane, hat zur Folge, dass in den nächsten Jahrzehnten kein einheitliches Straßenbild erreicht werden kann“, heißt es im Prüfungsbericht. Für eine Straße mit überregionaler Bedeutung wäre dies ein falsches Signal. Viel wichtiger sei es, die verbliebenen Platanen nach und nach durch Hainbuchen zu ersetzen, um mittelfristig eine vollständige Allee im gleichen Baumalter zu erhalten.

Einer, der den Erhalt der Platanen 2012 gefordert hatte, war Michael Karnetzki, damals Chef der SPD-Fraktion in der BVV und heute Bezirksstadtrat für Immobilien. Formal habe das Bezirksamt getan, was die BVV gefordert habe, nämlich zu prüfen, ob wieder Platanen gepflanzt werden könnten. „Ich gehe davon aus, dass sich die Fraktionen alle sachkundig mit dem Prüfungsergebnis auseinandersetzen werden“, sagt Karnetzki. Und gegebenenfalls aktiv würden und wieder einen neuen Antrag stellten.