Entsorgung

BSR investiert 30 Millionen Euro in Spandauer Biogasanlage

Kraftstoff für 150 Fahrzeuge – Keine Klagen der Nachbarn

Eine Kuh steht friedlich auf der Wiese, kaut Gras. Am Ende bleiben Gärreste, Methan und Kohlenstoffdioxid übrig. Dieses Prinzip macht sich nun auch die Stadtreinigung BSR zu eigen: In der neuen Biogasanlage an der Freiheit in Spandau sollen künftig rund 60.000 Tonnen Bioabfall aus den Berliner Haushalten pro Jahr zu Biogas umgewandelt werden. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) betankte am Mittwoch bei der Eröffnung das erste BSR-Fahrzeug mit dem Biogas. Etwa die Hälfte der gesamten Fahrzeugflotte, 150 Fahrzeuge, soll künftig damit betankt werden. Auf diese Weise sollen pro Jahr zirka 2,5 Millionen Liter Diesel eingespart und der Ausstoß von 12.000 Tonnen Kohlendioxid vermieden werden.

In der Anlage in Ruhleben werden künftig Gartenabfälle und Küchenreste zu Biogas umgewandelt. Bakterien vergären in einem luft- und wasserdichten Raum den Abfall, so dass am Ende Roh-Biogas und Gärreste übrig bleiben. Das Gas ist nach der Aufbereitung chemisch nahezu identisch mit Erdgas und wird in das zentrale Gasnetz eingespeist. Feste Gärreste werden in der Landwirtschaft als Dünger weiterverwertet. In Zeiten, in denen fast jedes Großprojekt von Nachbarschaftsklagen überzogen wird, sind die Verantwortlichen besonders stolz darauf, dass die Anlage ohne Beschwerden errichtet wurde. Auch bei voller Auslastung kommt es nicht zu unangenehmen Gerüchen in der Umgebung.

„Auch in Berlin können Zeit- und Kostenrahmen eingehalten werden“, sagte Klaus Wowereit mit Blick auf den BER und erntete Lacher. Baubeginn der Anlage war 2012, schon in diesem Frühjahr konnte die Testphase beginnen. Bereits vor der endgültigen Fertigstellung erhielt die Anlage im Dezember 2012 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Wowereit ruft die Berliner auf, weiterhin den Müll zu trennen. „Die Anlage ist das beste Beispiel dafür, warum es sich tatsächlich lohnt“, sagte er.

Laut Gesetz ist es für Haushalte vorgeschrieben, eine Bio-Tonne zu haben. Das Gebot wird jedoch von der BSR nicht streng durchgesetzt. „Wir können den Abfall nur gebrauchen, wenn es sich dabei auch tatsächlich um Bio-Müll handelt“, sagt BSR-Sprecherin Sabine Thümler. Nach ihren Angaben haben aber mehr als 80 Prozent der Berliner Haushalte eine Bio-Tonne.

In die neue Anlage hat die BSR 30 Millionen Euro investiert und möchte sich damit dauerhaft von steigenden Kraftstoffpreisen unabhängig machen. Die BSR betont, dass auch die Berliner von der neuen Anlage profitieren: Die gasbetriebenen Fahrzeuge seien leiser und würden keinen Feinstaub ausstoßen.