Umwelt

Bei starkem Regen laufen Fäkalien in die Spree

Unterirdische Becken sollen das Schmutzwasser sammeln

Nach starken Unwettern ist es immer dasselbe Bild: Öl- und Fettfilme, Fäkalien und tote Ratten sammeln sich in der Spree vor dem Hotelschiff „Eastern Comfort“ am Ufer in Friedrichshain. „Dann wird Abwasser mit dem Regen in die Spree geleitet“, sagt der Hostel-Betreiber Edgar Schmidt von Groening. „Das ist eine Riesenschweinerei.“ Ein Balken muss verhindern, dass Unrat und Abfälle bis dicht an das Schiff treiben. Etwa 300 Meter entfernt von der „Eastern Comfort“, in der Nähe der Oberbaumbrücke, liegt die Leitung, durch die das Schmutzwasser in die Spree gelangt.

Eigentlich wird Regen gemeinsam mit dem Abwasser der Haushalte – sogenanntes Mischwasser – zu den Klärwerken geleitet und dort gereinigt. Doch bei starkem Regen reicht die Kapazität der Kläranlagen nicht aus. In kurzer Zeit treffen 30 bis 40 Liter Wasser pro Quadratmeter auf Straßen, Gehwegen und Plätzen auf. Diese Mengen können die Kläranlagen nicht so schnell bewältigen. Dann wird der Pegel in den Mischwasserkanälen überschritten, und der Mix aus Regen und Abwasser fließt über eine Schwelle in die Spree oder in den Landwehrkanal. Auch das nur für kurze Zeit. Sobald der starke Regen vorbei ist, wird wie gewohnt das Mischwasser gereinigt. Diese Extremfälle sind selten. Rund 30 bis 40 Tage mit Starkregen gibt es jährlich in Berlin. Dafür lohnt es sich nicht, größere Klärwerke zu bauen. Die Lösung heißt: Speicherräume anlegen. Das sind große unterirdische Kanäle oder Becken, in denen das Wasser während des starken Regens gesammelt wird.

Sobald sich das Wetter beruhigt hat, wird das Wasser aus den Speichern in Richtung Klärwerk gepumpt. Seit Jahren bauen die Wasserbetriebe dieses Speichersystem, um Überläufe bei Starkregen zu vermindern. So sollen Spree und Landwehrkanal sauberer werden. 222.000 Kubikmeter Stauraum in der Mischwasser-Kanalisation der Innenstadt sind bereits geschaffen. Bis 2020 sollen es 306.000 Kubikmeter sein. Das größte Bauwerk werde mit 17.000 Kubikmetern ein Speicherbecken an der Chausseestraße in Mitte, sagte Stephan Natz, Sprecher der Wasserbetriebe. An der Oberbaumbrücke wird seit 2012 ein Regenwasserspeicher gebaut, der 4200 Kubikmeter fasst. Er soll 2015 fertig sein.

Seit Herbst 2012 ist auch ein schwimmender Mischwasserbehälter im Osthafen in Betrieb. Er ist eine Pilotanlage im Rahmen des Forschungsprojekts „Spree 2011“. Rund 500 Kubikmeter fasst der Speicher. Er sei bereits mehrmals bei starkem Regen im Einsatz gewesen, sagte der Ingenieur Ralf Steeg von der Luri Watersystems GmbH.