Flughafen BER

„Wir hätten auf die Barrikaden gehen müssen“

Meinhard von Gerkan zum Flughafen-Debakel

Eigentlich scheut Meinhard von Gerkan öffentliche Auftritte und Aussagen im Zusammenhang mit dem Großflughafen BER. Schließlich befindet sich die Planungsgemeinschaft um den Architekten in einem derzeit ruhenden Rechtsstreit mit der Flughafengesellschaft.

Doch für Lea Rosh hat der 77-jährige Architekt eine Ausnahme gemacht. Der Mitbegründer des Büros Gerkan, Marg und Partner Architekten (gmp) saß Montagabend auf dem Podium des Salons von Lea Rosh. Der Projektleiter des Flughafens, gmp-Partner Hans-Joachim Paap, saß im Publikum. „Flughafengeschichte in Berlin: Die Flughäfen TXL und BER“ lautete das Thema des Abends in der Kommunalen Galerie in Wilmersdorf. Zwar bat Meinhard von Gerkan um Verständnis für eine gewisse Zurückhaltung angesichts des ruhenden Rechtsstreits, ließ dann aber zumindest teilweise doch seinem Unmut freien Lauf: „Wir sind wie Dienstleister angestellt worden und mussten machen, was der Bauherr wollte“, sagte der weltweit renommierte Architekt. Die Arbeiten für den Flughafen Tegel, das erste Bauprojekt von gmp, seien dagegen geradezu paradiesisch gewesen, sagte Gerkan und verwies auf die einst vorherrschende Kooperationsbereitschaft. Gerkan berichtigte Rosh, die Berichte von 286 Planungsänderungen für den BER in Schönefeld ansprach. Es habe keine notwendigen Planungsänderungen gegeben. Gerkan sagte dazu: „Es handelte sich um mehr als 400 Planungswünsche, die im Gegensatz zu dem standen, was vorher gewünscht wurde.“ Angesprochen auf die 40.000 gelisteten Mängel auf der Großbaustelle des BER sagte Gerkan: „Wenn jemand damit anfängt und seinen großen Verdienst darin sieht, jede einzelne abgebrochene Ecke von einer Fliese in eine Liste der Baumängel einzutragen und möglichst viel finden will, dann findet er das auch.“

Verkaufen wichtiger als Fliegen

BER-Projektleiter und Architekt Hans-Joachim Paap ergänzte, dass die 40.000 erwähnten Baumängel bei 340.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche in Relation etwa zehn Baumängeln bei einem Einfamilienhaus entsprächen. Natürlich gebe es Probleme, sagte Paap. Doch der Architekt betonte auch: „Wir machen keine Fehler, die man nicht beseitigen kann oder für die man nicht versichert ist.“ Den größten Fehler sehe er darin, dass man bei allen Änderungswünschen mitgemacht habe. „Dass wir da nicht auf die Barrikaden gegangen sind und gesagt haben, das machen wir nicht mit, war der größte Fehler“, sagte BER-Planer Paap.

Gerkan wies auch darauf hin, dass heutzutage in allen Flughäfen das Diktat des Handels vorherrsche. „Verkaufen hat Vorrang vor Fliegen“, sagte Gerkan. Das sei wie ein „Grundgesetz“ der Flughafenbetreiber, die weltweit „Shoppingmalls in die Flughafengebäude operieren“. Man habe heute in zunehmendem Maße Flughäfen, in denen man sich nur noch durch T-Shirt-Ständer „hindurchwurschteln“ müsse und kaum das Gate finde. Im Zweifel lande man vor einem Geschäft. „Es gibt heute Flughäfen, die verdienen mit aufblasbaren Enten mehr als mit dem eigentlichen Flugbetrieb“, sagte der Architekt.