Interview

„Vielleicht war ich nicht ausreichend sensibilisiert“

CDU-Politiker Juhnke über seinen Vortrag bei Teutonia

Nachdem Sozialstaatssekretär Michael Büge eine Posten räumen musste, weil er Mitglied der umstrittenen Burschenschaft Gothia bleiben wollte, ist der nächste CDU-Politiker in die Kritik geraten. Robbin Juhnke, Innenexperte der Fraktion, war 2012 Gastredner bei der Prager Burschenschaft Teutonia zu Würzburg, vor der Bayerns ehemaliger Innenminister Günther Beckstein (CSU) wegen rechter Strömungen warnte. Christina Brüning hat mit Juhnke gesprochen.

Berliner Morgenpost:

Herr Juhnke, haben Sie sich damals dafür interessiert, bei wem Sie in Würzburg zu Gast sind?

Robbin Juhnke:

Ich habe dort tatsächlich einen Vortrag gehalten, Thema war die Entwicklung Berlins nach dem Mauerfall. Ich war dort in der Annahme, dass ich auf Zuhörer treffe, die selbstverständlich die Werte und Ideale von akademischen Verbindungen vertreten und sich von allem Extremismus distanzieren – zumindest schreibt dies der Bund in Würzburg auf der Homepage.

Wenn Sie einmal etwa Wikipedia besucht hätten, hätten Sie Warnungen Ihres Parteifreundes Günther Beckstein lesen können.

Auf der Startseite der Homepage grenzt sich der Bund von jeglichem Extremismus ab. Ich habe es dann bei diesen Informationen bewenden lassen, weil es zum damaligen Zeitpunkt auch noch keine kritische Debatte über Burschenschaften gegeben hat. Vielleicht war ich auch nicht ausreichend sensibilisiert. Aber jetzt habe ich die Debatte genutzt, um mich intensiver damit auseinanderzusetzen.

Das heißt, Sie können die Kritik an Ihrem Vortrag jetzt nachvollziehen?

Erst in den letzten Tagen sind mir durch eigene Recherchen unangenehme Dinge bekannt geworden. So werden etwa Gästen der Teutonia und Mitgliedern Äußerungen vorgeworfen, die mit meinem politischen Verständnis absolut nicht in Einklang zu bringen sind. Sollten diese Vorwürfe stimmen, ist das für mich vollkommen inakzeptabel. Ich habe deshalb dem Altherren-Vorsitzenden der Teutonia einen Brief geschrieben und eine Stellungnahme gefordert.

Wie ist Ihre Rede dort zustande gekommen?

Über einen Bekannten, der dort seit wenigen Jahren Mitglied ist und mir immer unverdächtig erscheint, deshalb habe ich keine Bösgläubigkeit an den Tag gelegt. Ich halte auch grundsätzlich akademische Verbindungen heute noch für zeitgemäß, wenn sie ihre Ideale und Werte leben – nämlich Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland. Die Nationalhymne ist von einem Burschenschaftler verfasst worden, von Hoffmann von Fallersleben. Ich glaube, diese Ideale sind unvereinbar mit radikalen Positionen. Im Gegenteil sind mir viele Korporierte immer aufgefallen mit Bereitschaft, etwas zu leisten und sich für die Gesellschaft zu engagieren.

Waren Sie selbst einmal Mitglied in einer Verbindung oder Burschenschaft?

Ich bin kein Mitglied einer Studentenverbindung. In der Schülerverbindung Iuvenis Gothia hatte ich Kontakt zum Verbindungsleben, bin aber als Student nicht eingetreten.

Also die Verbindung, in der auch Herr Büge als Schüler schon war, wo angeblich schon Schüler Fechtkämpfe absolvieren?

Ich habe das gelesen, aber zu meiner Zeit, vor fast 30 Jahren, habe ich nie gefochten.