Wertschöpfung

Universitäten laut Studie wichtiger Wirtschaftsfaktor

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Joachim Fahrun

Einkommensvolumen liegt bei 1,7 Milliarden Euro

Der Termin war mit Bedacht gewählt. Die vier Präsidenten der Berliner Universitäten wollten in der entscheidenden Phase der Haushaltsberatungen ein Zeichen der Einigkeit setzen. Und sie wollten deutlich machen, dass ihre Forderung nach 100 Millionen Euro mehr Landeszuschuss vom Senat, den sie im Zuge der Verhandlungen über die Hochschulverträge bis 2017 erwarten, berechtigt ist. Geld für Universitäten sei eine gute Zukunftsinvestition. Diese Botschaft sollte Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) mitnehmen, wenn sie sich noch diese Woche mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zum Chefgespräch trifft.

Zum Beleg präsentierten Jörg Steinbach (Technische Universität), Jan-Hendrick Olbertz (Humboldt-Universität), Martin Rennert (Universität der Künste) und Peter-André Alt (Freie Universität) eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), das erstmals die regionalökonomischen Effekte der vier Universitäten für Berlin aufzeigt. Demnach übersteigt die von den Universitäten direkt und indirekt ausgelöste Wertschöpfung mit 1,7 Milliarden Euro den Landeszuschuss von 840 Millionen Euro pro Jahr um das Doppelte. Die vier Universitäten beschäftigen 14.400 Mitarbeiter, weitere 10.400 Jobs entstehen nach Berechnungen der DIW-Ökonomen durch die Nachfrage der Universitäten nach Dienstleistungen und Gütern. Allein die aus diesen fast 25.000 Arbeitsplätzen versteuerten Einkommen brachten fast 120 Millionen Euro in die Landeskasse. Und die 96.000 Studierenden gaben 2011 rund eine Milliarde Euro in der Stadt aus.

Mehr Kosten für Löhne und Energie

Die Hochschul-Präsidenten räumten ein, dass ihre Forderungen an den Senat die von der Koalition aus SPD und CDU vereinbarten durchschnittlichen Steigerungen im Doppelhaushalt 2014/2015 deutlich übersteigen. Nach ihren Berechnungen benötigen sie statt derzeit 840 Millionen Euro im Jahr 2017 nun 100 Millionen Euro mehr, um steigende Kosten für Tariflöhne und Energie aufbringen zu können.

Sollte der Senat nicht bereit sein, diese Summe zu bezahlen, müssten die Hochschulen Kapazitäten abbauen und die gerade mit Finanzhilfe des Bundes im Hochschulpakt aufgebauten Studienplätze streichen. Denn Abstriche der wissenschaftlichen Qualität werde es mit ihnen nicht geben, versicherten die Präsidenten. FU-Präsident Alt verwies auf die „herausragende Drittmittelleistung“ der Unis, die im vergangenen Jahr 500 Millionen Euro bei anderen Finanziers als dem Land eingeworben hätten.

TU-Kollege Steinbach rechnete vor, dass pro zehn Millionen Euro, die der Zuschuss unter den Bedürfnissen der Universitäten zurückbleibe, 3000 Studienplätze für Erstsemester gefährdet seien. Denn die Unis könnten kurzfristig nur die Zahl der wissenschaftlichen Mitarbeiter für die Lehre der Studienanfänger verringern.